Superhelden mit Burnout

Von Martin Schwickert Veröffentlicht: Donnerstag, 23. April 2015, 00:00 Uhr
Neu im Kino: „Avengers – Age of Ultron“ von Joss Whedon – Viel Profitgier, aber nur wenig Originalität

Es ist mal wieder so weit. Der Untergang der Welt ist nah. Die Vernichtung der Menschheit scheint unabwendbar. Superhelden sind gefragt. Nicht ein, zwei, sondern viele müssen es sein, um den machthungrigen Maschinenmenschen aufzuhalten, dessen sonore Stimme in neuester Dolby-Qualität bedrohlich aus den Lautsprechern quillt.

So richtig originell ist der Plot von „Avengers - Age of Ultron“ nicht. Aber es sind heute ja auch nicht die originellen Ideen, die das Publikum scharenweise ins Kino treiben, sondern eher die Variationen des Altbekannten. Und auf dem Gebiet des kreativen Wertstoff-Recyclings hat der Comic-Verlag „Marvel“ echte Pionierarbeit geleistet. Seit der Jahrtausendwende hat das Unternehmen mit „Spider-Man“, „X-Men“, „Fantastic Four“, „Iron-Man“, „Thor“ oder „Hulk“ die systematische Verblockbusterung seines Comic-Fundus vorangetrieben. Die „Avengers“-Filme sind als superlativer Kick für die Fan-Basis ausgelegt, denn hier geben sich alle paar Jahre die gewinnträchtigen Superhelden ein Stelldichein. In Joss Whedons zweitem Klassentreffen wird jedoch deutlich, dass das Konzept „Viel hilft viel“ nur bedingt kinotauglich ist. Der Film reist zu Beginn in ein fiktives osteuropäisches Land, wo Finsterlinge Ungeheuerliches vorbereiten, was von dem Avengers-Team nur unvollständig vereitelt werden kann. Denn Scarlett Witch (Elisabeth Olsen) verfügt über telepathische Fähigkeiten und loggt sich schwuppdiwupp in die Psyche der Superhelden ein. Fortan zeigt ein großer Teil der Belegschaft ernsthafte Burnout-Symptome.

Eigentlich ist das ja keine schlechte Idee, die Superhelden auf die Therapeutencouch zu legen. Aber Whedon hat kein Gespür für das selbstironische Kapital des Psychokrisenszenarios und schickt seine angeschlagenen Protagonisten viel zu früh wieder in die Schlacht. Die Rettung der Welt duldet eben keine Krankschreibungen. Marvel hat in den letzten Jahren bewiesen, dass innerhalb des Comic-Formats eine Menge kreativer Spielraum für zeitgeschichtliche Verweise und ein gerüttelt Maß an Selbstironie besteht. Von alledem ist in diesem lieblos zusammen geschütteten Potpourri nichts zu spüren. Hier wurde einfach nochmal die Gelddruck-Maschine angeworfen und es steht zu befürchten, dass sich das Prinzip maximaler Profit bei minimaler Originalität erneut auszahlen wird. (USA 2015, 141 Min., Regie: Joss Whedon)
 

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