Songs für Wolke Sieben

Von Andreas Lüschen-Heimer Veröffentlicht: Donnerstag, 7. Mai 2015, 00:00 Uhr


Stephen Duffy ist schwer verliebt. Wer's selber nicht ist, wird sich mit Zeilen wie „Have I told you that I love you?” „Hey let's start a family!“ oder „Let's climb up on the highest hill and find a place we'll always stay” womöglich schwer tun. Wer indes zur Zeit ebenfalls auf Wolke Sieben schwebt, kann spätestens jetzt mit „No Sad Songs “ (Tapete/Indigo) den rosaroten Soundtrack für unbeschwerte Zweisamkeit und Frühlingsgefühle erwerben.

Früher war der Brite bei aller Pop-Affinität ja stets auch ein Freund der (vertonten) Melancholie gewesen. Bei Duran Duran war er 19-jährig kurz vor deren großen Durchbruch wieder ausgestiegen, danach tingelte er als Stephen TinTin Duffy mit Synthesizer und Gitarre durch die Clubs – und landete sogar zwei veritable Hits („Kiss Me“, „Icing On a Cage“). Doch noch bevor die Plattenfirma ihn zu Chartsfutter programmieren konnte, nahm er erneut Reißaus und gründete in der Folge mit seinem Bruder The Lilac Time. Als eine Art Folk-Pop-Ausgabe von Simon & Garfunkel und Jonathan Richman konnte Duffy sein beträchtliches Talent auch in dieser Reinkarnation natürlich nicht verbergen. Wunderbar unaufgeregte Alben entstanden, ein überwiegend akustisches Instrumentarium zwischen Geige, Banjo und Akkordeon interagierte in schrulligen Instrumentals und tollen Textliedern gleichermaßen bezaubernd. Dem Band-Split folgten weitere Solo-Aktivitäten, eine Reunion von The Lilac Time – sowie „Nebenbei-Kollaborationen“ mit Robbie Williams oder den Barenaked Ladies. In einen vermeintlichen Mainstream gelangten Stephen Duffy 's unbestechlich naive Weisen nie.

Für das programmatisch betitelte „No Sad Songs “ zog sich der Künstler mit Gattin Claire und Bruder Nick ins beschauliche Cornwall zurück. Eile hatten sie nicht. Das hört man diesen zehn selektierten Songs an. Viel Wert wurde auf das Inszenieren der harmonischen Stimmung gelegt - mittels einer fein austarierenden Arrangierkunst. Ein Pedal Steel-Schwelgen zieht sich auch nicht zufällig durch das neue Repertoire. Kein Zynismus, keine Ironie, kein Mühsal, allein die Genugtuung puren Glückes war Basis dieser zarten Lieder. Wohlwissend dass Glücksmomente sich ja ebendann gerne aufzutun pflegen, wenn der Grat zwischen ehrlicher Selbstreflexion, zermürbenden Alltagskämpfen und zuversichtlichem Geschehenlassen können gelingt. Und The Lilac Time wissen fraglos besonders schöne Lieder davon zu singen. Wahrscheinlich wird schon das erste Stück „The First Day Of Spring“ (mit jenen aussagekräftigen Zeilen „Have I told you that I love you?“ ) die potentielle Hörerschaft spalten. Und zwar in jene, die derart Unverstelltes liebend gerne zum persönlichen Glücks-Soundtrack auserwählen und solche, die Honigkuchen-Pop nicht mal mit der Greifzange anpacken würden.

Genau so herzensgut und ästhetisch beglückend wie die Musik gerieten übrigens auch Falt-Cover und Booklet. Man darf das auch Gesamt-Kunstwerk nennen.

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