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1. FC Saarbrücken: Schockierte Fans nach Stadion-Absage

Das Saarbrücker Stadion wird saniert - aber nicht neu gebaut. Viele Fans in Saarbrücken reagierten sauer...

Das Saarbrücker Stadion wird saniert - aber nicht neu gebaut. Viele Fans in Saarbrücken reagierten sauer...

Saarbrücken. Das neue Stadion kommt nicht. Deshalb war es ein schwerer Gang für Paul Borgard, als er gestern Abend als Präsident des Fußball- Drittligisten 1. FC Saarbrücken im Turnerheim zu Altenwald vor die Anhänger des Vereins trat. Einen Tag zuvor erklärte Ministerpräsidentin Annegret Kramp- Karrenbauer (CDU) gemeinsam mit Saarbrückens Oberbürgermeisterin Charlotte Britz (SPD), dass statt der 28 Millionen Euro nur etwa die Hälfte in eine Sanierung „im Bestand“ gesteckt wird. Ein weiterer Baustein in der unendlichen Stadiongeschichte.

„Die ist noch lange nicht vorbei“, sagte Borgard gestern. Dabei haben sich „die Damen dieses Landes – die Ministerpräsidentin und die Oberbürgermeisterin – geeinigt“, sagte Borgard. Er wusste von dieser Entscheidung nichts. „Ich war genauso geschockt wie Sie.“ Gleichzeitig bemühte sich Borgard darum, zumindest die Sorgen zu zerstreuen, Hauptsponser Victors könnte dem Verein jetzt den Rücken kehren. „Gehen sie davon aus, dass der Hartmut Ostermann nicht von der Fahne gehen wird.“ Rund 80 Fans waren der Einladung der Fanbetreuung nach Altenwald gefolgt – meist stinksauer.

„Die sportliche Leitung kann bleiben. Doch die, die hier wirtschaftlich was zu sagen haben, sind unfähig. Und wer unfähig ist, muss gehen“, sagte Peter Bernhardt. Borgard entschuldigte den abwesenden Aufsichtsrats-Chef Reinhardt Klimmt und wies darauf hin, dass dieser die Entscheidung lediglich entgegengenommen habe.

Meiser gibt erste Details bekannt Die Saarpolitik beglückwünschte sich gestern zu ihrem Kompromiss und versprach, die Sanierung schnell anzugehen. Ihr Ziel: „eine angemessene Spielstätte“, wie Kramp-Karrenbauer dem SR sagte. Sie und Britz hätten bereits Termine für Gespräche zur Umsetzung und Finanzierung vereinbart. Bebauungspläne seien bei einer „Sanierung im Bestand“ nicht mehr von Nöten, alles könne auch rechtlich schneller gehen. Am Nachmittag hatte der CDU-Fraktionsvorsitzende Klaus Meiser erste Einzelheiten über den Umbau bekannt gegeben. „Die Haupttribüne ist marode, die Bedingungen für Vip, Presse und Zuschauer sind sehr schlecht“, so Meiser. „Die Sanitäranlagen sind eine Katastrophe.“ All das müsse daher grundlegend saniert werden. Dazu gehören auch die Stehplätze und die Infrastruktur um das Stadion. „Diese Immobilie kann man für die nächsten 20 Jahre in Ordnung bringen.“

Zeitgleich forderten Fans in Internetforen bereits den Rücktritt des Präsidenten und auch des Aufsichtsratsvorsitzenden. „Wenn sich heute einer meldet, der sagt: ich kann es besser, bitte“, konterte Borgard.. „Wir müssen in dieser Situation retten, was zu retten ist. Dazu braucht der Verein eine handlungsfähige Führung. Und die hat er.“ Die Fans stellten die Glaubwürdigkeit Vereinsführung aber in Frage, zumal Klimmt bei seiner Wahl sein Schicksal mit der Stadionfrage verbunden hatte. Eine Schicksalsfrage auch für die Sportler? „Es ist schade für den Verein und für die gesamte Region“, sagte FCS-Spieler und Saarländer Lukas Kohler.

FCS-Trainer Jürgen Luginger sprach zu Wochenbeginn im Fachmagazin Kicker noch davon, dass der Verein mit dem neuen Stadion endgültig den Angriff auf die 2. Bundesliga starten wolle.

„Das Stadion ist buchstäblich nicht meine Baustelle und darum ist die Entscheidung für mich auch kein Nackenschlag“, so Luginger gestern, „wichtig ist es jetzt, dass der Verein Voraussetzungen schafft, dass man in der kommenden Saison vorne mitspielen kann.“ Da moderne Infrastruktur jetzt als Beweggrund für eine Vertragsunterzeichnung wegfällt, und der Verein auch finanziell nicht auf Rosen gebettet ist, müssen sich die Verantwortlichen etwas einfallen lassen.

16 Verträge laufen zum Saisonende aus. „Selbst wenn ein Stadion gebaut würde, dauert das zwei oder drei Jahre“, relativierte Torwart Benedikt Fernandez den Einfluss der Sportstätte auf die Arbeitsplatzwahl der Profis, „soweit denken viele Spieler nicht“. Markus Pazurek (auch sein Vertrag läuft aus) betonte, „ein Stadion hat nichts mit der Entscheidung für die eigene Zukunft zu tun“. Pazurek gestand aber auch, „dass es sicher mehr Spaß macht, in einem Stadion wie in Osnabrück oder Aachen zu spielen“.

Solch ein Stadion wird es in Saarbrücken aber nicht geben. Das den Fans zu erklären, war sicher das Schwerste am schweren Gang des Paul Borgard gestern Abend im Turnerheim zu Altenwald.

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