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1. FC Saarbrücken gewinnt letztes Spiel im Ludwigsparkstadion

Am Samstag um 15.42 Uhr sicherte sich Felix Luz einen Platz in den Geschichtsbüchern des 1. FC Saarbrücken . Der sechs Minuten zuvor eingewechselte Stürmer erzielte das 4:0 des Fußball-Regionalligisten gegen den TSV Steinbach und damit – wenn alles läuft wie geplant – das letzte Tor im Ludwigsparkstadion vor dessen Umbau. „Ich freue mich wirklich sehr“, sagte Luz sichtlich ergriffen: „Ich fühle mich diesem Verein auf besondere Weise verbunden. Nun gilt es, die Tradition zu bewahren, aber die Geschichte im neuen Stadion fortzusetzen.“

Auf den Rängen sorgte der Abschied vom „Park“ auch für Tränen bei vielen der 3771 Besucher. „Ich habe hier einen Teil meines Lebens verbracht“, sagte FCS-Fan Daniela Brosius: „Ich bin sehr traurig.“ Das war auch Markus Thielen: „Ich habe in den letzten 40 Jahren keine zehn Heimspiele in diesem Stadion verpasst. Es ist, wie wenn ein Freund stirbt.“

Diesen Gefühlen offenbar angepasst zeigte die Mannschaft von FCS-Trainer Falko Götz im ersten Durchgang ein Trauerspiel. Der Aufsteiger Steinbach war die bessere, weil engagiertere Mannschaft und hätte nach elf Minuten einen Strafstoß bekommen müssen. David Puclin – er musste später wegen eines Schwächeanfalls ausgewechselt werden – hatte den Steinbacher Hüsni Tahiri im Strafraum einfach umgerannt. Doch Schiedsrichter Michael Kimmeyer wollte die Abschiedsparty für den altehrwürdigen Ludwigspark offenbar nicht gefährden.

„Wir haben uns selber geschlagen“, ärgerte sich Steinbachs Trainer Thomas Brdaric . Der Ex-Nationalspieler meinte die Szene kurz nach dem Wechsel, als Julian Jakobs zunächst als letzter Mann den Ball gegen Sven Sökler vertändelte und dann den Saarbrücker im Strafraum zu Boden riss. Rot für Jakobs, Elfmeter für den FCS, Tor durch Matthew Taylor.

Gegen nun nur noch zehn Steinbacher „haben wir phasenweise gezeigt, wozu wir im Stande sind“, meinte FCS-Trainer Götz. Der FCS kombinierte flüssig, Sökler flankte auf den Kopf des eingewechselten Marius Willsch – das 2:0 (55.). Spielgestalter Sökler war auch Vorbereiter des 3:0 durch Taylor acht Minuten später. Den Schlusspunkt unter die nun einseitige Partie setzte Felix Luz mit dem 4:0 (83.).

Die Fans begannen den Abschied von „ihrem“ Park schon am Vormittag. An der Saarbrücker Schlossmauer wurde ein 20 Meter großer Wimpel mit dem Vereinswappen entrollt. Später im Stadion zeigte die Ostkurve eine schöne Choreografie mit Flutlichtmasten aus Luftballons und einer Nachahmung der Anzeigetafel: „Eine Ära geht zu Ende.“ Auf einem anderen Banner stand „Weltkulturerbe Ludwigsparkstadion“. Zudem wurde während der Partie Pyrotechnik gezündet.

Eine Ära endete übrigens auch für Anneliese Cartarius. Sie kümmerte sich seit über 30 Jahren um die Gäste im kleinen Vip-Raum in der Haupttribüne. In den neuen Park möchte sie nicht mehr umziehen. Eine weitere kleine Geschichte rund um den großen Abschied am Samstagnachmittag.Die Stockfahne lässig über die Schulter gelegt, erinnerte Claude Burgard am Samstag auf seinem Weg zum Ludwigspark an einen Schlachtenbummler aus den 70er-Jahren des letzten Jahrhunderts. Das Aufsichtsratsmitglied des 1. FC Saarbrücken traf sich vor dem Spiel gegen den TSV Steinbach mit den Aufsichtsrats-Bewerbern Meiko Palm und Jean-Olivier Boghossian. Möglich, dass die drei über die Taktik bei der heutigen Mitgliederversammlung des FCS (19 Uhr, Congresshalle) gesprochen haben). Schließlich hatte Boghossian angekündigt, man sei „auf viele Szenarien vorbereitet“.

Ein eher unwahrscheinliches ist, dass die Versammlung sich gegen die Nachwahl von zwei Aufsichtsrats-Mitgliedern entscheidet. Auch der Rücktritt der fünf Amtsinhaber Franz J. Abel, Egon Schmitt, Leo Petry, Horst Hinschberger und Burgard, die bis 2016 gewählt sind, erscheint ausgeschlossen. „Warum sollten wir zurücktreten? Dann wäre das Chaos doch komplett“, sagte Petry, nachdem schon der AR-Vorsitzende Abel für sich einen vorzeitigen Rückzug ausgeschlossen hatte.

Derweil bröckelt die Liste der Kandidaten weiter. Nach Torsten Fuchs sollen auch Volker Morsch und Stefan Karst ihre Kandidatur zurückgezogen haben. FCS-Geschäftsführer Thomas Heil wollte das weder bestätigen noch dementieren. Auch die Kandidatur von Michael Haubrich hat sich offenbar erledigt. Der Chef eines örtlichen Radiosenders gab auf der Facebook-Seite der Oppositionsgruppe „UnserFC“ bekannt, eine Kandidatur komme nicht mehr in Frage, „da meine Visionen und Ideale in den letzten Wochen zumindest von Teilen der Gruppe abgewichen sind“.

Die Frage, um die sich eigentlich alles dreht, ist die: Zieht sich Präsident und Hauptsponsor Hartmut Ostermann gänzlich aus dem Verein zurück, oder nicht? Ostermann und Schatzmeister Dieter Weller haben sich ebenfalls um ein Mandat im Aufsichtsrat beworben, müssten dafür aber von ihren Ämtern im Präsidium zurücktreten. Ob sie das tun und wie sie der Basis ihre Arbeit der vergangenen zwölf Monate in ihren Berichten präsentieren, dürfte spannend werden.

Ein weiterer Kandidat für den Aufsichtsrat ist der Präsident des Finanzgerichtes des Saarlandes, Peter Bilsdorfer. „Ich finde den FCS sehr chaotisch im Moment. Es gibt viele Gruppierungen mit ganz unterschiedlichen Zielen“, sagt Bilsdorfer, der seit elf Jahren Mitglied des 1. FC Saarbrücken ist. Bilsdorfer weiter: „Das tut weh. Ich würde gerne versuchen, das Gift aus dieser Diskussion rauszunehmen.“  
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