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12 000 rote Punkte geben in Saarbrückens City Rätsel auf

Ein Student der Saarbücker Kunsthochschule hat in der City der Landeshauptstadt 12.000 rote Klebepunkte angebracht - um Aufmerksamkeit zu erregen.

Ein Student der Saarbücker Kunsthochschule hat in der City der Landeshauptstadt 12.000 rote Klebepunkte angebracht - um Aufmerksamkeit zu erregen.

Sie sind wie ein Virus: Hat man erst einen entdeckt, vermehren sie sich urplötzlich vor dem Auge – zu Dutzenden, ja Hunderten. Einmal angesteckt, sucht das Auge zwanghaft weiter. Bis einen die rote Epidemie erschöpft. Rote Punkte, genau 20 Millimeter im Durchmesser, überall in der Stadt. Sie kleben an Häuserfassaden, Eingangstüren, an Schaufensterscheiben und Laternenpfählen.

In der Summe sind es 12 000 Punkte. Ein junger Mann hat sie geklebt. Als er zum Gespräch in ein Café in der Nähe des St. Johanner Marktes kommt, legt er eine kleine Rolle auf den Tisch, auf der die roten Punkte-Sticker kleben. „Die habe ich immer dabei“, sagt er und lacht. Er scheint stolz, dass seine Aktion bemerkt wird. Aber er will nicht, dass sein richtiger Name in dem Artikel genannt wird. „Was ich mache, ist ja irgendwie eine Grauzone. Ich zerstöre zwar kein Eigentum, wie es oft bei Graffiti vorkommt. Aber so ganz legal ist die Sache damit auch nicht.“ Timm – so soll er deshalb hier heißen – ist Student an der Hochschule der Bildenden Künste (HBK) in Saarbrücken. Seine Klebe-Aktion ist Teil einer Studienarbeit im Fach Kommunikationsdesign. „Es gibt ja bei uns den Spruch: ‚Wenn der Gestalter nichts weiß, macht er einen Kreis’, und so ähnlich skeptisch hat auch meine Professorin reagiert“, sagt Timm über den Beginn der Aktion.

Die Idee hinter den Punkten: „Mit Minimalismus eine möglichst große öffentliche Resonanz erzeugen“, sagt der Student. Die habe er ja jetzt erreicht. Zwar sei ein Teil seiner Seminararbeit auch eine Installation an einer Scheibe auf dem Uni-Gelände gewesen, seinen Fokus habe Timm aber auf die Innenstadt gelegt: „Es geht mir um Aufmerksamkeit, sei sie positiv oder negativ“.

Die Aufkleber hat der Anfang-20-Jährige aus dem Großhandel – die Idee dazu von Wegweisern und Stadtplänen: Der Standort des Stadtplans ist meist mit einem roten Punkt markiert. „Ich interessiere mich für Graffiti, aber ich musste meinen Eltern versprechen, dass ich nicht sprühe, und mit den Stickern beschädige ich ja nichts“, sagt Timm fast entschuldigend.

Im Strafgesetzbuch sind Graffiti dann eine Sachbeschädigung, wenn sie die Brauchbarkeit des besprühten Gegenstandes einschränke oder die Substanz des Untergrundes beschädigen. Das ist dann schon der Fall, wenn Farbe oder Kleber vom Untergrund nur mit großem Aufwand entfernt werden können. „Zwar muss man an Schaufenstern schon ein wenig Mühe aufwenden, doch die Punkte lassen sich gut entfernen“, behauptet indes Timm.

Seine Uni weiß „offiziell“ nichts von seinen Aktivitäten außerhalb des Campus: „Für Initiativen, die einzelne Studierende der HBK individuell und ohne Anbindung an ein konkretes Lehrprojekt der Hochschule realisieren, kann die HBK als Institution keine Verantwortung übernehmen und hierzu auch nur bedingt Stellung nehmen“, sagt Andreas Bayer, zuständig bei der HBK für die Pressearbeit. Er sagt aber, dass die Entwicklung der Kunst grundsätzlich immer auch von der Grenzüberschreitung lebt: „Kunst setzt in ihrer jeweiligen Entwicklung ihre Grenzen selbst, überschreitet diese aber auch. Dies beinhaltet sowohl den ästhetischen Aspekt als auch erweiterte soziale Kontexte.“

Im Saarbrücker Rathaus sieht Stadtsprecher Thomas Blug das Wirken des jungen Kommunikationsdesigners sehr nüchtern: „Kunst hat da ihre Grenzen, wo sie die Rechte anderer einschränkt. Deshalb ist es selbstverständlich nicht zulässig, ohne Zustimmung der Eigentümer deren Besitz zu besprühen oder zu bekleben – wie in diesem Fall. Es wurde auch an vielen Stellen städtisches Eigentum im öffentlichen Raum beklebt. Derjenige, der die Punkte angebracht hat, müsste aufgrund ihrer Vielzahl unter Umständen mit einem Bußgeld rechnen“, sagt Blug. Dabei empfinde die Stadt Kunst im öffentlichen Raum als Bereicherung, so Blug. Man fördere das ja auch, wie beispielsweise das Urban Art Meeting 2012 an der Wand der Stadtautobahn zeige. „Auch nicht mit uns abgesprochene Aktionen der freien Szene sehen wir grundsätzlich positiv. Denken Sie etwa an die unbekannte Künstlerin, die mit ihren kunstvollen Häkeleien an Laternen und Geländern die Stadt verschönerte.“ Das gehöre zu einer lebendigen Stadt.

Für Timm gäbe es sowieso nur ein Horrorszenario: wenn er alle 12 000 Punkte wieder entfernen müsste.
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