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12 saarländische Häftlinge müssen in die Pfalz

Saarbrücken/Diez. Im beschaulichen Städtchen Diez an der Lahn soll bald ein kleines Dorf entstehen. Vier Wohnhäuser und ein Funktionsbau, gruppiert um einen Platz, darum Grünflächen. Insgesamt 3,1 Hektar umfasst das Gelände. Einziehen werden dort aber nicht Familien oder ältere Menschen. Die Neubauten sollen ab 2013 als Teil der Justizvollzugsanstalt Diez die Sicherungsverwahrten von Rheinland-Pfalz und des Saarlandes beherbergen. Bisher sind sie im Gefängnis untergebracht. Doch nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts (BVG) vom Mai, wonach die Bedingungen der Sicherungsverwahrung künftig einer Therapie und weniger einer Haft entsprechen müssen, ist ein Neubau notwendig.

„Solange sich Bund und Länder nicht einigen, können wir noch nicht endgültig planen. Da aber das BVG-Urteil gewisse Vorgaben macht, sind unsere Pläne schon recht konkret“, erklärt der Direktor der JVA Diez, Jörg Schäfer. So sei ursprünglich ein funktionaler Großbau für bis zu 96 Sicherungsverwahrte angedacht gewesen. Doch nun bekommt die Anlage einen „dörflichen Charakter“ mit Platz für 60 Personen. Zwar ist das Areal Teil der JVA, doch von Gefängnis soll wenig zu spüren sein. Die Verwahrung sei eine präventive Maßnahme für Straftäter, die als stark rückfallgefährdet eingestuft werden, als Gefahr für die Gesellschaft. „Die Menschen, die in die Sicherungsverwahrung kommen, haben ihre Freiheitsstrafe abgesessen. Der Gedanke der Sühne spielt also keine Rolle mehr“, sagt Schäfer. Deshalb müssten diese Leute auch anders untergebracht werden.



„Das ist das, was das BVG gefordert hat. Wir müssen und wir wollen das so machen“, bekräftigt Schäfer. In der neuen Sicherungsverwahrung soll jeder Insasse ein eigenes Zimmer haben, 18 Quadratmeter groß, mit eigener Nasszelle. 15 Männer wohnen in einem Haus, das außerdem über eine Küche und weitere Gemeinschaftsräume verfügt. Viel mehr Platz als im bisherigen Vollzugsgebäude. „Und wenn sie sich doch mal gegenseitig auf den Geist gehen, dann können sie jederzeit ins Außengelände gehen“, ergänzt Schäfer. Im Funktionsbau sollen neben der Verwaltung auch Besucherräume untergebracht werden. Ein Wohlfühlknast mag mancher denken. „Es ist ein geschützter Raum für Menschen, die keiner haben will“, merkt der JVA-Leiter an. Ein Raum, der die Gesellschaft vor rückfallgefährdeten Straftätern schützt. Aber auch ein Raum, der die Sicherungsverwahrten vor der Gesellschaft schützt.

Fälle, wie der des aus der Sicherungsverwahrung entlassenen früheren Sextäters Walter H., der nach Bürgerprotesten von der Polizei rund um die Uhr bewacht wird, zeigen, wie hoch emotional das Thema diskutiert wird. Bereits die Gestaltung der neuen Anlage in Diez ist Teil des Therapiekonzeptes. „Wir machen hier eine Sozialtherapie mit einer engmaschigen Betreuung durch Psychologen und Sozialtherapeuten. Der Schwerpunkt ist dabei, die Männer zur Therapie zu motivieren“, erklärt Jörg Schäfer. Denn es gibt keine Pflicht zur Therapie. Eine Behandlung könne Jahre dauern, vor allem, wenn die Männer zuvor in Haft keine Therapie erhalten haben. Doch in der Sicherungsverwahrung geht es nicht nur darum, Schwerverbrecher zu therapieren, sondern sie auch wieder fit zu machen für das „Leben da draußen“. Kochen gehört genauso dazu wie Wäschen waschen und bügeln. Wichtige Alltagskompetenzen für ein Leben in Freiheit. Wann auch immer es kommt.
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