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130 Soldaten der Saarland-Brigade in Afghanistan

In einer riesigen Halle sind etwa 70 Feldbetten aufgebaut. Soldaten sitzen oder liegen, schlafen oder essen. Draußen geht kein Lüftchen, die Sonne brennt bei über 30 Grad vom wolkenlosen Himmel. Dann kommt der Gruppenführer. „In 45 Minuten Befehlsausgabe, bis dahin bitte Marschbereitschaft“, kommandiert er. In die eine Seite des Raumes kommt Bewegung. Wasser und Nahrung einpacken, Ausrüstung anlegen, die Fahrzeuge bereit machen, überprüfen, ob alles eingepackt ist: Nachtsichtgerät, Messer, Sonnencreme, Handschuhe, Block für Notizen. Alles muss stimmen. In dieser Woche findet für die 130 Soldaten der Saarlandbrigade, die ab November für vier Monate in Afghanistan eingesetzt werden, die letzte große Übung in Zweibrücken statt. Unter realen Bedingungen übernachten sie seit Montag in der kahlen Halle, ohne Dusche, mit Eintages-Essenspaketen und simulieren Patrouillen, Gefechte und den Alltag im Feldlager.
 
Oberstleutnant Steinhaus leitet die Ausbildung in Zweibrücken. Insgesamt unterstehen ihm sechs Kompanien. „Wir üben jedes Detail mit großer Ernsthaftigkeit so lange ein, bis es den Jungs zu den Ohren rauskommt“, sagt der 41-Jährige, „denn nur wenn man die Standardabläufe beherrscht, hat man in Extrem-Situationen den Kopf frei.“ Meist sind es handwerkliche Übungen: Wie fährt man? Wie steht man vor, neben, hinter dem Auto? Wie sichert man sich? „Wir üben hier keine stundenlangen Feuergefechte“, sagt Steinhaus.

Der Ausbilder war selbst noch nie in Afghanistan, es fällt ihm immer wieder schwer, „seine“ Soldaten gehen zu lassen und sie unter andere Führung zu geben. Bei den jetzigen Übungen stehen ihm Kameraden zur Seite , die im vergangenen Jahr vor Ort waren und ihre Erfahrungen mit einbringen. Jetzt sind sie das so genannte „Feind-Kommando“, simulieren zum Beispiel feindliche Übergriffe aus dem Hinterhalt. Der 22-Jährige Hauptgefreite P. hat sich für vier Jahre bei der Bundeswehr verpflichtet. Weil er unbedingt zu den Fallschirmjägern wollte, ist der in Bayern geborene und in der Schweiz aufgewachsenen Mann schließlich nach Saarlouis gekommen. Seit Dezember steht fest, dass er mit seiner Gruppe nach Afghanistan geht. „Ich bin Soldat geworden, um das mitzuerleben, das ist mein großes Ziel“, sagt der schmächtige junge Mann, der viel zu jung aussieht, um in den Krieg zu ziehen, der ruhig und bedacht spricht und sanfte Züge hat. Sein Maschinengewehr, das P. stolz hoch hält, will dazu gar nicht passen. Auf einen Menschen hat P. noch nie geschossen, aber er fühlt sich bereit dafür: „Wenn mein Leben oder das meiner Kameraden gefährdet ist, werde ich schießen.“

Für P. ist das Gemeinschaftsgefühl innerhalb der Gruppe besonders wichtig, mit den Kameraden hat er viel über den bevorstehenden Einsatz gesprochen. Angst spielt auch mit: „Ich wäre bescheuert, wenn ich keine Angst hätte.“ Für die anstehende Übung streift er seine zehn Kilogramm schwere kugelsichere Weste über. Trotz Temperaturen, die denen in Afghanistan schon sehr nahe kommen, sind die Männer in voller Montur. Nur Hände und Kopf schauen raus. „Es ist gut warm“, sagt P. und grinst wie ein Schuljunge, „so kriegt man die typische ‚Nato-Bräune'.“

Wie es bei ihm in zwei Jahren aussieht, wenn sein Dienst beendet ist, weiß P. noch nicht: vielleicht verlängern, vielleicht Personenschutz oder Polizei. Oder ein Psychologiestudium. „Mich interessiert, wie Menschen in Extremsituationen reagieren.“ Oberstleutnant Steinhaus hält keinen Kontakt zu den 130 Soldaten aus Lebach, die momentan in Kundus stationiert sind, er weiß nicht, welche Aufgaben sie bei der heutigen Wahl übernehmen. „Das könnte den Einsatz gefährden, denn die Telefonnetze sind nicht sicher“, sagt er. Meist kommen der deutschen Armee Schutzaufgaben zu, wie gefährliche Stellen zu sichern und Objekte zu überwachen. Aber Steinhaus stellt klar: „Es kommt schon vor, dass die Soldaten auch von ihren Schusswaffen Gebrach machen. Aber wir fahren nicht runter als Killer.“

Der Afghanistan-Wahl selbst sieht Steinhaus mit gemischten Gefühlen entgegen. „Einerseits ist es für die Kameraden keine leichte Aufgabe“, sagt er und dabei wird seine Stimme ernst und fest, „aber es ist ein absolut notwendiger Schritt. Denn nur deswegen sind wir da.“   Nele Scharfenberg 
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