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150-Millionen-Investition bei Saarstahl Völklingen

Die neue Völklinger Sekundärmetallurgie-Halle (aufgenommen vom Stahlwerks-Dach aus) ist ungewöhnlich hoch. Denn wegen der Enge
auf dem Gelände haben die Saarstahl-Planer die Legierungsbunker obendrauf gesetzt - ein Gewicht von 6000 Tonnen.

Die neue Völklinger Sekundärmetallurgie-Halle (aufgenommen vom Stahlwerks-Dach aus) ist ungewöhnlich hoch. Denn wegen der Enge auf dem Gelände haben die Saarstahl-Planer die Legierungsbunker obendrauf gesetzt - ein Gewicht von 6000 Tonnen.

Völklingen. Vor einem halben Jahr ragte noch das stählerne Hallengerüst offen gen Himmel. Inzwischen ist die Saarstahl- Baustelle am Völklinger Saarufer kaum mehr wiederzuerkennen. Der „Blaue Salon“, das Blasstahlwerk, hat einen ebenso blauen Zwilling bekommen: Die Halle der neuen Sekundärmetallurgie ist fertig. Jedenfalls von außen. Drinnen arbeiten seit kurzem die Anlagenbauer, unter Hochdruck – die Zeit bis zum Start ist knapp: „Am 19. November“, sagt Andreas Heinen, Leiter der Sekundärmetallurgie, mit fast feierlicher Betonung, „gehen der erste Pfannenofen, die Entstaubung und die Legierungsanlage in Betrieb.“ Wie bitte? Heinen lacht. „Kommen Sie“, sagt er – bei einer Runde durchs Stahlwerk zeigt und erklärt er, worum es geht.



Wir folgen dem Weg des Materials. Beginnen bei den Schienen, auf denen die vom Dillinger Hochofen herangerollten Torpedowagen darauf warten, ihre Ladung flüssigen Roheisens loszuwerden. Sehen in den gigantischen Konvertern die Glut heller, feuriger aufleuchten, sobald die Sauerstofflanze hineinfährt: Dabei verbrennt, was der Hochofenprozess an Unerwünschtem in der Schmelze gelassen hat, Schwefel, Kohlenstoff, Silizium, Mangan. Nach dem Abguss der Schlacke besteht die glühende Metallsuppe fast nur noch aus Eisen. Der Konverter neigt sich, lässt den Rohstahl in eine „Pfanne“ fließen, ein Riesending mit etwa 3,3 Metern Durchmesser und 4,3 Metern Höhe – hier beginnt die Sekundärmetallurgie, Heinens Job. Man müsse sich die Sache vom Ende her vorstellen, erklärt der Ingenieur: Was soll aus dem Stahl mal werden? Büroklammern? Kanten für Hochleistungs- Skier? Kugellager? Einspritzanlagen für Automotoren? Jedes Produkt verlange andere Materialeigenschaften.

Und die erreiche man durchs Veredeln des Rohstahls. Unter Luftabschluss – wir sehen die glühende Vakuum-Doppelglocke in die Pfanne tauchen – wird der Schmelze Wasserstoff entrissen, der das Metall nach der Erstarrung verspröden könnte. Und je nachdem, wie hart, wie weich, wie biege- und belastungsfest das Endprodukt sein muss, wird die Schmelze mit unterschiedlichen Zugaben versetzt: Der Stahl wird legiert. Wenn die neue Anlage arbeitet, kann Saarstahl mehr als doppelt so viel Vakuumstahl fertigen wie bisher – Qualitäten, bei denen die Nachfrage rasant wächst. Und die Produktpalette wird breiter: „Wir können höher legierte Stähle herstellen“, sagt Heinen. Das liegt an den beiden neuen Pfannenöfen. Sie halten die Schmelze während des Veredelns ständig so heiß wie nötig – die Veredlung darf länger dauern, und man kann größere Mengen an Legierungsstoffen einsetzen. „Das wird ein Quantensprung!“, sagt Heinen mit hörbarer Vorfreude. Und fügt lachend hinzu: „19. November!“

AUF EINEN BLICK

Die Sekundärmetallurgie, die Saarstahl derzeit baut, ist die zweite Anlage dieser Art in Völklingen. Saarstahl erweitert damit seine Kapazitäten für die Herstellung besonders hochwertiger Stahlsorten. Kernstücke des neuen Werks sind eine Anlage zur Vakuum- Behandlung von Rohstahl und zwei Pfannenöfen, die die Temperatur der Schmelze während des Veredlungsprozesses regulieren können. Betriebsbeginn soll im November sein. Die Investitionen für den Neubau belaufen sich auf rund 150 Millionen Euro. dd

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