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18-Jähriger wegen Drohbotschaften vor Gericht

Weil er Deutschland im Internet mit Terroranschlägen gedroht hat, muss sich ein 18-Jähriger vor dem Amtsgericht Saarbrücken verantworten.

Weil er Deutschland im Internet mit Terroranschlägen gedroht hat, muss sich ein 18-Jähriger vor dem Amtsgericht Saarbrücken verantworten.

Saarbrücken. Der 18-Jährige auf der Anklagebank hat zwei Gesichter: Vor Gericht wirkt der Sohn eines Ägypters und einer Mutter aus Kamerun oft wie ein aufgeweckter, freundlicher und etwas verschmitzter Junge von nebenan. Vor Gericht heißt er Kevin, so wie er in seiner protestantischen Familie als Christ getauft worden ist. Ganz anders ist das in seinen Internet-Botschaften und -Predigten. Da nennt sich der mit 15 Jahren zum Islam übergetretene Angeklagte Ibrahim. Dabei ist er voller Hass gegen die Ungläubigen auf der Welt, predigt den gewaltsamen Heiligen Krieg.

Wegen drei dieser selbst gedrehten Videos muss Kevin S. aus Neunkirchen sich seit Freitag vor dem Jugendschöffengericht verantworten. Er hatte sie als „Deutsche Mudjahiden Botschaft“ tituliert und Deutschland ein Ultimatum gestellt. Es müsse den in Saarbrücken inhaftierten „Sauerland“-Terroristen Daniel S. freilassen – anderenfalls würden zehn kampfbereite deutsche Kämpfer Ende 2010 Anschläge verüben.

„Ich wollte nicht, dass Daniel S. im Gefängnis sitzt,“ sagte der Angeklagte am Freitag zur Begründung. Er kenne den gebürtigen Saarländer – der als Mitglied der terroristischen Sauerlandgruppe zu zwölf Jahren Haft verurteilt worden ist – zwar nicht, aber er habe viel über ihn gehört. Der ebenfalls zum Islam konvertierte, frühere Christ sei eines seiner Vorbilder. Der 18-Jährige weiter: Seine Vorbilder und seinen Weg habe er sich selbst gesucht.

Dazu einige Fakten: Als Kevin S. zehn Jahre alt war, kam er aus Afrika ins Ruhrgebiet. Der neue Ehemann seiner Mutter, ein Deutscher, war gewalttätig. Der Jugendliche begehrte auf, hatte Probleme und wenig Halt zu Hause. Den Halt fand er bei kurdischen Freunden im Boxclub und in deren Religion. Er konvertierte zum Islam. Dann zogen er, seine Brüder und seine Mutter nach Neunkirchen. Wieder suchte er Halt in der Religion. Er laß den Koran. Er hörte den Predigern im Internet zu. Und immer wieder sah er sich die Bilder der Kriege gegen Moslems im Internet an. Die toten Kinder. Jeden Tag. Folge: „Von Tag zu Tag verstärkte sich die Traurigkeit. Und aus der Trauer wurde Hass. Hass gegen die Gleichgültigkeit. “ Dagegen habe er etwas tun wollen. So der Angeklagte. Ein väterlicher Freund und Moslem versuchte ihn zu überzeugen, dass Gewalt nicht der Weg des Islam sei. Vergebens. Der Mann fand keinen Zugang mehr zum Angeklagten. Zugang fand aber ein anderer Mann, den er in der Moschee kennen gelernt hatte. Mit ihm redete er über den Heiligen Krieg, über Bomben und Drohungen. Dieser Mann war V-Mann der Polizei. Und Anfang November 2011 wurde der Angeklagte verhaftet. Der Prozess gegen ihn wird fortgesetzt.
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