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18 Schüler haben noch keine Bücher

Saarbrücken. Obwohl einige Schüler noch immer keine Bücher haben, will Bildungsminister Klaus Kessler an der Schulbuchausleihe festhalten. Im Redaktionsgespräch mit der Saarbrücker Zeitung lehnte er es ab, künftig den Kindern die Bücher kostenlos zu geben. Die Lernmittelfreiheit würde zehn Millionen Euro kosten und wäre viel zu teuer, meinte er. Das Ausleihsystem habe sich bewährt, 72 Prozent der saarländischen Schulen nähmen daran teil. Doch bis zu den Herbstferien hatten immer noch nicht alle Kinder und Jugendliche ihre Bücher.



Minister verteidigt die Schulbuchausleihe

Kessler wies darauf hin, dass die Schulträger, also die Stadt Saarbrücken und der Regionalverband, die Bücher herausgeben könnten – auch wenn die Eltern nicht bezahlt haben oder keinen Nachweis erbracht haben, dass sie von der Gebühr befreit sind. Letzteres gilt zum Beispiel für Hartz-IV-Empfänger. Allerdings müssten Stadt und Regionalverband auch die Kosten tragen, erklärte Kessler. „Eine Präsenzbibliothek nur für besondere Fälle, finanziert von den Schulträgern, finde ich vernünftig“, meinte der grüne Minister.

Robert Mertes von der Stadtpressestelle lehnt das ab: „Wir sind nicht bereit, die Bücher einfach herauszugeben. Die Eltern vernachlässigen ihre Pflicht.“ 14 Grundschulkinder hatten gestern immer noch keine Bücher, so Mertes. Im Übrigen sei im Rathaus nichts bekannt von der Richtlinie, dass die Stadt die Bücher einfach so herausgeben dürfe.

Mertes forderte die Landesregierung auf, eine entsprechende Richtlinie zu erarbeiten und bot die Mithilfe der Stadt an. Die Verwaltung werde auch den Eltern helfen, die noch einen Antrag auf Befreiung von der Ausleihgebühr stellen müssen.



Eltern sollen zahlen oder Bedürftigkeits-Nachweis vorlegen

Auch Regionalverbandsdirektor Peter Gillo (SPD) wunderte sich über die Aussage Kesslers. „Ab wann sollen wir die Bücher denn herausgeben? Wenn wir das tun, ist das ein Signal an die Eltern, die Gebühr nicht zu zahlen.“ Er erneuerte seine Forderung, dass die Eltern zahlen müssen oder den Nachweis vorlegen müssen, dass sie von der Gebühr befreit sind. Gillo sieht sich in seiner Strategie bestätigt. Denn jetzt warten nur noch vier Jugendliche auf ihre Bücher, teilte der Regionalverband am Dienstag mit. Mitte September waren es noch 80 Fälle, in der Stadt 100 Kinder. Gillo betonte, dass der Regionalverband auch den restlichen vier Fällen nachgehen werde. Das Ausleihsystem sei sehr bürokratisch und umständlich, kritisierte er. 400 000 Euro koste das den Regionalverband in diesem Jahr.

Der Landesverband des Kinderschutzbundes hat sich jetzt in die Diskussion eingeschaltet. Er könne bei der Suche nach Sponsoren helfen, die die Gebühr für die Kinder übernehmen, die jetzt noch keine Bücher haben. Der Kinderschutzbund setzt hier auch auf die Schulfördervereine, sagte Gerda Scheel, Vorsitzende des Saarbrücker Ortsvereins des Kinderschutzbundes. Es gebe Eltern, die nur knapp über der Armutsgrenze liegen und die Gebühr zahlen müssten. Scheel: „Diese Eltern sollten unterstützt werden.“ Die Ortsgruppen des Kinderschutzbundes würden gerne bei der Suche nach Sponsoren helfen.

Das Bildungsministerium und die Stadt begrüßen diese Initiative. Die Regionalverbandsbeigeordnete Elfriede Nikodemus kann sich Sponsoren für Kinder vorstellen, die von ihren Eltern gar nicht zur Ausleihe angemeldet wurden. Sie wolle aber auch die Zusammenarbeit mit dem Jugendamt und der Arge verbessern, damit die Kinder aus Hartz-IV-Familien künftig schneller ihre Bücher bekommen
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