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200 Ärzten im Saarland droht Insolvenz

Saarbrücken. „Das ist der große Murks“, sagt Dr. Gunter Hauptmann, Chef der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) an der Saar wenn er von der neuen Vergütungsverordnung für die Vertragsärzte der gesetzlichen Krankenkassen spricht. „Nur noch wenige Ärzte verstehen überhaupt, wie dieses undurchsichtige und komplizierte System funktioniert.“ Die Kritik von KV-Chef Hauptmann richtet sich auch an die Adresse der Kassenärztlichen Vereinigung auf Bundesebene. Die Verbandsspitze hätte die Verhandlungen mit Kassen und Politik frühzeitig platzen lassen sollen, meint er. Die Kassenärzte fühlten sich „über den Tisch gezogen“, weshalb die Vertreterversammlung im Saarland schon vor Monaten den Rücktritt des KV-Bundesvorstandes gefordert hat.

Obwohl die zum 1. Januar umgesetzte Honorarreform mit Regelleistungsvolumen, Punktwerten und Euro-Gebührenordnung unter dem Strich 32,5 Millionen Euro oder 8,9 Prozent mehr Arzt-Honorar (Gesamtvolumen: 398,5 Millionen Euro) als im Jahr 2008 ins Saarland bringen werden, gibt es Fachmediziner, die mit deutlichen Einnahmeverlusten kalkulieren müssen. Zu den Verlierern der Reform gehören etwa Orthopäden, Anästhesisten, Augenärzte und Urologen. Von rund 1500 Haus- und Fachärzten mit Kassenarzt-Lizenz drohen 200 Praxen, meist in ländlichen Regionen, Honorareinbußen in der Preisklasse zwischen fünf und 30 Prozent im Vergleich zu 2008.

Die KV Saar legt für diesen Kreis bis Ende nächsten Jahres ein Hilfsprogramm auf. Aus eigenen Rückstellungen will die KV die Not leidenden Praxen stützen – auch um die ärztliche Versorgung in der Fläche zu sichern. Das Honorar soll im besten Fall bis zu der Summe, die 2008 ausgezahlt wurde, aufgestockt werden. Wird die Vergütungsordnung bis 2010 nicht korrigiert, drohe 160 Facharzt- und 40 Hausarztpraxen die Insolvenz, befürchtet Hauptmann: „In der letzten Zeit haben bereits 17 Praxen Insolvenz angemeldet.“ Etwa 75 Ärzte haben derzeit schon ihre vierteljährlichen Honorarvorauszahlungen direkt an ihre Banken abgetreten. Hauptmann: „Das sind ganz normale Praxen, die haben keinen Zweit-Porsche in der Garage stehen.“

Die kassenärztliche Versorgung sieht Hauptmann auch deshalb gefährdet, weil der Beruf des niedergelassenen Mediziners immer mehr an Attraktivität verliere. Junge Ärzte hätten kaum Interesse, wenn sie von dem permanenten Überlebenskampf hören. Ältere Ärzte fänden deshalb selten Nachfolger. In den nächsten zehn Jahren vollenden von 801 Fach- und 720 Hausärzten 786 das 65. Lebensjahr. 
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