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220-Millionen-Kokerei in Dillingen jetzt voll in Betrieb

Dillingen. „Eine solche Investition tut schon weh, denn dadurch können wir ja nicht mehr Stahl produzieren“, sagte Martin Baues, Technikvorstand der Saarstahl AG gestern bei der Vorstellung der sanierten Zentralkokerei Saar. Trotzdem sei die Investition von 220 Millionen Euro sinnvoll gewesen, denn nun „haben wir garantiert den richtigen Koks zum richtigen Preis“, so Baues.

Über sechs Jahre lang haben Saarstahl und die Dillinger Hütte ihre gemeinsame Kokerei auf den neuesten Stand gebracht. Im Zuge dessen ist eine Koksbatterie neu errichtet worden, eine bestehende Batterie wurde komplett saniert und eine dritte stillgelegt und abgerissen. Während der Neubau vor über zwei Jahren eingeweiht wurde, ist die sanierte Batterie 1 erst vor zwei Wochen in Betrieb gegangen.

Für die Bauarbeiten sind in Dillingen gigantische Mengen an Material verarbeitet worden: 25 000 Tonnen Beton benötigten allein die neuen Fundamente, und für die Hochöfen wurden 31 000 Tonnen feuerfester Steine vermauert. Im Schnitt waren durchgehend 250 bis 300 Mitarbeiter auf der Baustelle aktiv. Jetzt, nach Abschluss der Arbeiten, verfügt Dillingen über eine der modernsten Kokereien weltweit.

„Mit dem Einsatz neuester Technik hat sich auch der Umweltschutz am Standort Dillingen noch einmal verbessert“, sagt Norbert Bannenberg, Technikvorstand der Dillinger Hütte. Denn mit 25 Millionen Euro sind über zehn Prozent der Investitionen in eine verbesserte Umwelttechnik geflossen. So werden durch neue Gasreinigungssysteme die Emissionen verringert. Und die Reinigungssysteme an den Türen garantieren, dass dort kaum noch Gase austreten können. Auch die Arbeitsbedingungen hätten sich verändert, sagt Yves Herrmann, Betriebschef der Zentralkokerei Saar: „Die Aufgabe der Mitarbeiter ist es jetzt vordringlich, die Maschinen zu bedienen und zu überwachen.“ Von den extrem belastenden Bedingungen früherer Tage könne keine Rede mehr sein. Bei der Kokerei sind laut Herrmann 237 Mitarbeiter beschäftigt.

Bei der Koksherstellung wird Kohle durch Erhitzung auf mehr als 1000 Grad veredelt. 21 Stunden bleibt der Koks in der Heizkammer, bevor aus den 47 Tonnen Kohle 30 Tonnen Koks geworden sind. Dabei entweichen viele flüchtige Gase wie Wasserstoff und Methan, die wiederum für andere Prozesse verwertet werden können. Auch Teer, Schwefel und Benzol werden beim Verkoken von Kohle gewonnen. Übrig bleibt am Ende hochwertiger Koks. Alle 15 Minuten wird eine der insgesamt 90 Ofenkammern entleert und mit neuer Kohle befüllt. Rund 1,1 Millionen Tonnen Koks produziert die Zentralkokerei pro Jahr – genug, um die Saar-Hochöfen zu versorgen.

Die Kohle für die Öfen kommt nach dem Ende der Saar-Förderung vornehmlich aus Australien (55 Prozent). Der Rest stammt unter anderem aus den USA, Kolumbien und Kanada. Um weiter eine zuverlässige Versorgung über den Wasserweg sicherzustellen, appelliert Bannenberg an die Politik, die Sanierung der Moselschleusen in Angriff zu nehmen.
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