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250 Arbeitsplätze: Dillinger Gießerei investiert

Dillingen. Die Dillinger Aluminium-Gießerei Nemak läuft auf Hochtouren. „Die Auslastung liegt bei 100 Prozent – und etwas darüber“, sagt der kaufmännische Leiter Uwe Herrmann. Nicht zuletzt deshalb steht jetzt eine große Erweiterung an. 50 Millionen Euro will das Unternehmen in eine weitere, dann vierte Fertigungslinie investieren. Auf einer Fläche von rund 20.000 Quadratmetern wird dafür eine neue Werkshalle gebaut. Sobald die Baugenehmigung vorliegt, soll es losgehen, voraussichtlich bereits Ende Juni, sagt Klaus Lellig. Er ist Geschäftsführer der Nemak Dillingen GmbH, darüber hinaus ist er aber auch für weitere Werke der mexikanischen Nemak-Gruppe in Europa zuständig – in Wernigerode, Linz und im ungarischen Györ.

Im ersten Halbjahr kommenden Jahres soll in der neuen Halle die Produktion von Motorblöcken für Vier-Zylinder-Motoren beginnen. „Heute fertigen wir etwa zwei Millionen Motorblöcke, dann kommen 700.000 dazu“, sagt der 46-jährige Firmenchef.  Durch die Investition schaffe das Unternehmen 250 zusätzliche Arbeitsplätze. Bisher hat der Standort 850 Beschäftigte. Nemak habe bereits begonnen, weiteres Personal einzustellen.

Mit Start der neuen Fertigungslinie werden auch die Umsätze deutlich anziehen. Uwe Herrmann geht davon aus, dass „wir einen Sprung von 60 Millionen Euro nach oben machen werden“. Im vergangenen Jahr habe die Gießerei rund 300 Millionen Euro erlöst, in diesem Jahr werde voraussichtlich ein ähnliches Niveau erreicht werden. „Eher etwas mehr als 300 Millionen“, fügt Herrmann hinzu.

Das Krisenjahr 2009 hat Nemak Dillingen – das größte europäische Werk des Konzerns – damit weit hinter sich gelassen. Damals war der Umsatz um 40 Prozent eingebrochen. Ende 2008 sei es drei Monate lang so gewesen, „als hätte die Industrie den Atem angehalten“, erinnert sich Lellig. Dann habe die Nachfrage der Kunden – Daimler, BMW, Ford und General Motors – aber bereits wieder spürbar angezogen. Nicht ohne Grund: Motorblöcke aus Aluminium haben einen großen Vorteil. Sie seien etwa 50 Prozent leichter als Konkurrenzprodukte aus Gusseisen, erläutert Unternehmenschef Lellig, der von seiner Ausbildung her Ingenieur für Werkstoffwissenschaften ist. Und weniger Gewicht bedeutet weniger Spritverbrauch und CO2-Ausstoß.

Nemak Dillingen profitiere von „dem Wunsch der Kunden nach Leichtbau“. Hinzu komme „die Leistungsfähigkeit der in Dillingen angewandten Verfahren“. So sei das Unternehmen Vorreiter in der Technik, aus Aluminium auch Motorblöcke für Diesel-Fahrzeuge zu bauen. Wegen des deutlich höheren Drucks in Dieselmotoren werde das Material stärker beansprucht als bei Benzinern. Als Vorteil erweist sich offenbar, dass sich in Dillingen eine Entwicklungsabteilung mit mehr als 50 Beschäftigten – in Zusammenarbeit mit den großen Autobauern und verschiedenen Forschungseinrichtungen – darum kümmert, die Technologie und die Fertigung weiter zu verbessern. Die Innovationskraft, die Nähe zu den europäischen Herstellern, der allgemeine Trend zum Aluminium, eine hoch motivierte Belegschaft – all dies seien Faktoren, weshalb Nemak, überproportional erfolgreich am Markt ist“, sagt Lellig. In der mexikanischen Konzernzentrale hat man dies offenbar auch bemerkt: Dort fiel schließlich die Entscheidung für den Ausbau des Dillinger Werks.


Meinung
Kompliment fürs Saarland
Von SZ-Redakteur Volker Meyer zu Tittingdorf


Die Mexikaner werten ihr Werk im Saarland mächtig auf. Der Zuschlag für Dillingen ist ein Kompliment für den Standort. Denn nur wer starke Argumente vorbringen kann, hat in einem internationalen Konzern eine Chance auf eine strategische Investition. Nemak ist ein Paradebeispiel dafür, wie wichtig Innovationskraft ist. Genau dadurch kann sich ein deutscher Standort im Konkurrenzkampf behaupten. Dieser technologische Vorsprung basiert auf hoher Ingenieurskunst und einer ehrgeizigen Grundlagenforschung. Der deutsche Staat tut daher gut daran, viel Geld in Bildung und Forschung zu stecken. Das ist wahre Arbeitsplatz-Sicherung.

 
Hintergrund
Der 1979 gegründete Nemak-Konzern hat sich auf die Herstellung von Motorblöcken und Zylinderköpfen aus Aluminium spezialisiert, liefert aber auch andere Alu-Teile für die Auto-Industrie. Das Unternehmen hat 27 Fabriken in zwölf Ländern. Die Standorte liegen hauptsächlich in Europa, Amerika und Asien. Nemak beschäftigt weltweit mehr als 15.000 Menschen und erzielt einen Umsatz von rund drei Milliarden Dollar. mzt
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