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28-jähriger Friedrichsthaler wirbt im Saarland für soziale Projekte in Indien

28 Jahre und 6000 Kilometer dazwischen: Schwester Angelette (links) hält 1988 den kleinen Nikhil in einem Kinderheim nahe Delhi auf dem Arm. Durch eine Adoption kommt Nikhil nach Friedrichsthal. Jetzt hat er erstmals sein Geburtsland besucht. Fotos: Privat/Sponholz</p>

28 Jahre und 6000 Kilometer dazwischen: Schwester Angelette (links) hält 1988 den kleinen Nikhil in einem Kinderheim nahe Delhi auf dem Arm. Durch eine Adoption kommt Nikhil nach Friedrichsthal. Jetzt hat er erstmals sein Geburtsland besucht. Fotos: Privat/Sponholz

. Sein Nachname lautet „Schmidt“, er ist gläubiger Christ, arbeitet für das Bistum Trier , ist Reservist der Bundeswehr und wohnt in Friedrichsthal. Doch Nikhil Schmidt stammt aus einem anderen Teil der Erde. Bislang spielte das in seinem Leben keine große Rolle. „Lange Zeit habe ich mich nur sehr bedingt für meine ursprüngliche Herkunft interessiert“, gibt der Sozialpädagoge zu, der als Pädagogischer Referent in der katholischen Fachstelle Plus für Kinder- und Jugendpastoral und der Kirche der Jugend „Elija“ in Saarbrücken arbeitet.

Tatsächlich jedoch ist Nikhil Schmidt im Januar 1988 in Indien geboren und von seiner Mutter in einem Kinderheim der Schwestern von Mutter Teresa in einem Vorort der Hauptstadt Delhi abgegeben worden. „Dafür waren wohl wirtschaftliche Gründe verantwortlich“, glaubt er. „Von meinem leiblichen Vater ist nichts bekannt, und meiner Mutter unterstelle ich die positive Intention, dass sie wollte, dass es mir besser geht.“

Neun Monate später adoptierten ihn Jutta und Wolfgang Schmidt aus Friedrichsthal, nachdem sie einen Fernsehbeitrag über die Organisation „Pro Infante“ gesehen hatten. Seine Herkunft interessierte ihn anfangs nicht besonders. „Ich kenne andere, die adoptiert wurden, und weiß, dass das für sie immer ein sehr großes Thema war“, gibt er zu. „Aber bei mir war das anders. In meiner Kindheit und Jugend habe ich mich nicht damit beschäftigt, meine Eltern haben all das kompensiert.“

Sein Interesse änderte sich erst, nachdem er sein Sozialpädagogik-Studium abgeschlossen hatte, seine erste Stelle beim Diakonischen Werk antrat und schließlich eine Therapeutenausbildung begann. „Vieles drehte sich da um die Frage der eigenen Identität, woher man stammt – und da kam irgendwie der Impuls, vielleicht im Rahmen der Ausbildung mal nach Indien zu reisen.“ Und das nicht zuletzt auch „mit dem Hintergedanken, vielleicht klärt das einige Fragen, warum ich so bin, wie ich bin.“ Dass sich seine Pläne, nun doch sein Geburtsland zu besuchen, recht schnell in die Tat umsetzen ließen, wurde durch katholische Schwestern (die Salesianischen Missionarinnen der Unbefleckten Jungfrau Maria) möglich: ein Orden, für den sich die Familie Schmidt seit vielen Jahren engagiert und um Patenschaften für indische Kinder wirbt. So kam es, dass der 28-Jährige in diesem Sommer zum ersten Mal nach seiner Adoption sein Geburtsland besuchen konnte: Nicht, um ein Touristen-Programm zu absolvieren, sondern vor allem, um Krankenhäuser, Heime und Schulen des Ordens kennen zu lernen und mehr über die Menschen und ihre Lebensweise in Indien zu erfahren.

Emotional sei für ihn der Besuch in jenem Kinderheim gewesen, aus dem er selbst stammte. Heute werden hier vor allem geistig und körperlich behinderte Kinder von den Schwestern aufgezogen. Ihre Chancen, jemals adoptiert zu werden, sind in Indien gleich Null. „Das war eine sehr emotionale Situation für mich, in der ich ins Grübeln kam“, gibt er zu. „Ich habe mir gedacht: Diese Kinder sind in der gleichen Ausgangslage wie ich. Aber ich hatte das Glück, dass für mich alles anders ausging.“

Auch die Begegnung mit Schwester Angelette, die sich seinerzeit offenbar besonders um ihn gekümmert hatte, wird er wohl nie vergessen. „Sie flippte nicht aus, sondern reagierte sehr besonnen. Aber man hat gleich ihre ehrliche, ruhige Herzlichkeit gespürt. Das hat mich teilweise noch mehr berührt, als wenn sie überschwänglich reagiert hätte“, blickt er zurück.

Heute hält Nikhil Schmidt unter dem Motto „Indien – Mein zweites Heimatland“ in Kirchengemeinden und Sozialeinrichtungen Vorträge , bei denen er die Arbeit der Schwestern vorstellt und um Unterstützung für deren Hilfsprojekte und um Patenschaften für die Kinder wirbt.

Ob sich sein Leben nach seiner Indien-Reise geändert habe? „Auf jeden Fall“, sagt er. Zum einen sei bei ihm klar geworden, „dass wir global gesehen so privilegiert sind in Deutschland. Und für mich persönlich, dass ich meine Identität gestärkt habe.“ Er spüre „zwei Teile“ in sich: „Ich fühle mich zwar als Deutscher und bin hier sozialisiert“, bilanziert er, „aber ich weiß, dass ich auch ganz bewusst einen indischen Anteil habe.“

 

Zum Thema:

 

Auf einen Blick Den nächsten Vortrag „Indien – Mein zweites Heimatland“ hält Nikhil Schmidt am Mittwoch, 14. Dezember, um 20 Uhr im Gemeindezentrum Steinrausch (Konrad-Adenauer-Allee 13) in Saarlouis. Ein weiterer Termin ist voraussichtlich am 31. Januar um 18 Uhr im „Weltraum“ am St. Johanner Markt in Saarbrücken. red

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