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300 Mal ein neuer Lebensabschnitt: Ab heute beginnt für die neuen Medizin-Studenten in Homburg das Studium

Jetzt heißt es erst mal zuhören und zugucken: Aus 300 Abiturienten sollen in etwa sechs Jahren gute Ärzte werden. Das ist keine leichte Aufgabe, weder für die Professoren noch für das Pflegepersonal, das auch an der Ausbildung mitwirkt. Fotos: dpa/Thorsten Wolf

Jetzt heißt es erst mal zuhören und zugucken: Aus 300 Abiturienten sollen in etwa sechs Jahren gute Ärzte werden. Das ist keine leichte Aufgabe, weder für die Professoren noch für das Pflegepersonal, das auch an der Ausbildung mitwirkt. Fotos: dpa/Thorsten Wolf

Die „Erstis“ sind wieder da. So heißt es jedes Jahr Mitte Oktober am Uniklinikum des Saarlandes in Homburg . Ende der vergangenen Woche wurden 300 Studienanfänger im Fach Human- und Zahnmedizin offiziell im großen Hörsaal der Anatomie begrüßt, heute beginnt der Ernst des Studiums, und ernst wird es werden, daran gibt es gar keinen Zweifel.

„Schule war früher, jetzt beginnt das Studium, da muss man sich den Stoff selbst erarbeiten,“ betonte der Dekan der medizinischen Fakultät, Professor Michael Menger. Wie jedes Jahr, begrüßte er auch diesmal die rund 300 Studienanfänger persönlich. Sogar drei Rocksongs hatte er zum Erstaunen des vollen Hörsaals mitgebracht: Pink Floyd mit „The Wall“, Sweet mit „Ballroom Blitz“ und die Eagles mit „Hotel California“.

Ein bisschen erinnere ihn die Musik an seine eigene Jugend, sagte er im Gespräch mit unserer Zeitung: „Damals war alles hochpolitisch. Die Leninisten hatten ihren Werbe-Stand oft genug neben den katholischen Studenten aufgebaut, die Grundstimmung war aggressiv, wenn es um die angeblich richtige Weltanschauung ging.“

Das habe sich heute doch sehr geändert, trotzdem sei er nach wie vor der Meinung, dass sich „die Meinungsbildung junger Menschen an der Universität formen soll.“ Man werde erwachsen und lerne nun, selbstständig zu denken und dabei Freiräume zu nutzen. „Ich sage es jedes Mal zu den jungen Leuten: Es ist die schönste Zeit Ihres Lebens, nutzen Sie diese Zeit, Sie werden nie mehr die Gelegenheit haben, Ihr Leben in solchem Maße nach Ihren eigenen Wünschen und Vorstellungen gestalten zu können.“

Und darum spielte er die Songs aus den aufregenden alten Zeiten? „Ganz ernst gemeint war's nicht“, lacht Menger, „vor allem nicht das Hotel California“. Der Kult-Song aus dem Jahr 1977 gilt als düster, vor allem wegen des fatalen Satzes: „Du kannst jederzeit aus dem Hotel auschecken, aber du wirst es nie verlassen können“ – nun, Menger machte daraus eine humorige Erstsemester-Version: Du kannst jederzeit die Medizinische Fakultät in Homburg verlassen, aber Du wird immer ein Homburger bleiben. Weswegen es schön wäre, wenn Du als Alumni später deiner alten Ausbildungsstätte zumindest im Geiste treu bliebest und etwas spendetest. Vermutlich wären die Eagles nie auf diese Interpretation gekommen, aber sie sind ja auch Musiker und nicht Dekane in Homburg .

Und nun die nüchternen Zahlen: In diesem Jahr verzeichnet Homburg 284 Studienanfänger im Fach Humanmedizin , 103 davon sind männlich, 181 weiblich. Hinzu kommen 27 Zahnmedizin-Anfänger, zwölf junge Männer, 15 junge Frauen.

Und der Saarländer-Anteil? Der sei hoch, so Menger. Von den 284 Humanmedizinern sind 71 im Saarland geboren, ein ähnlich hoher Anteil kommt aus der unmittelbar angrenzenden Pfalz, „die Hälfte stammt aus der nächsten Umgebung, das ist viel“, so der Dekan. Bei den Zahnmedizinern ist es noch eindeutiger: von 27 jungen Leuten kommen 20 aus dem näheren Umkreis.

Als die Medizinische Fakultät 1947 von den Franzosen gegründet wurde, ging es in der Hauptsache darum, Ärzte für den Eigenbedarf an der Saar heranzuziehen. Das ist noch immer ein großes Anliegen des Landesregierung, die sich das Medizinstudium im Saarland viel Geld kosten lässt.

Denn üblicherweise rechnet man mit einer medizinischen Fakultät für zweieinhalb Millionen Einwohner. Im Saarland ist das Verhältnis geradezu paradiesisch: eine Fakultät für eine Million Einwohner. Rheinland-Pfalz hat vier Millionen Einwohner und mit dem Uniklinikum in Mainz die einzige medizinische Fakultät im Land.

Nun werden wohl nicht alle 284 angehenden Human- und alle 27 Zahnmediziner das Saarland als künftige Heimat auswählen, doch „wenn sich von den 300 künftigen Ärzten nur 100 im Saarland niederlassen, haben wir hier auf absehbare Zeit eine gute Versorgung,“ betont Dekan Menger. Ein Grund mehr, die „Erstis“ willkommen zu heißen.

 
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