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4. Pavillon: Dreht Sponsor bald den Hahn zu?

Edwin Kohl (Kohl pharma, Merzig) erwägt den Austritt aus dem Kuratorium und seinen Rückzug als Sponsor der 4. Pavillon.

Edwin Kohl (Kohl pharma, Merzig) erwägt den Austritt aus dem Kuratorium und seinen Rückzug als Sponsor der 4. Pavillon.

Saarbrücken. Kulturminister Stephan Toscani (CDU) sprach von „intensiven Nachfragen“. Dezenter geht’s nicht. Denn in Wirklichkeit dürfte die gestrige Kuratoriumssitzung ungewöhnlich konfrontativ abgelaufen sein. Gradmesser: die hohe Emotionalisierung, mit der Edwin Kohl, Sponsor des Museumsneubaus, vor die Medien trat. Seine Botschaft, in Kürze: Er könne das Vorgehen gegen Ralph Melcher und den Projektsteuerer nicht mehr mittragen, es sei mit seinem „Gewissen“ nicht mehr zu vereinbaren. Die von WPW vorgelegte Mängelliste zum Vierten Pavillon sei selbst mit vielen Mängeln behaftet. Er, Kohl, habe den Bericht im Detail „widerlegt“.

Rückforderungsansprüche in Höhe von 10.000 Euro

Dies wollte Kurator Toscani nicht bestätigen. Allerdings hört man aus dem Kuratorium, dass der anwesende WPW-Controller nicht wenige Fehler habe einräumen müssen und Interimsvorstand Meinrad Maria Grewenig massiv unter Druck geraten sei. Jedenfalls rangen die Kuratoriumsmitglieder viereinhalb Stunden miteinander – statt der angesetzten 90 Minuten. Worüber? Es gab einen Beschluss, Rückforderungsansprüche der Stiftung gegen Melcher in Höhe von 10.000 Euro aus der Arbeitsessen-Affäre geltend zu machen, noch bevor sich ein Gericht mit dem Fall befasst hat. Die Forderungen sollen mit Melchers laufendem Gehalt verrechnet werden.

Darüber hinaus wird eine Summe von 1600 Euro eingefordert, auf Grund zweier Reisen (Sylt, Berlin). Außerdem berichtete Toscani über eine „Grundsatzdebatte“ des Kuratoriums hinsichtlich seines Selbstverständnisses als Kontrollorgan. Dazu habe es „selbstkritische“ Einlassungen gegeben, so Toscani.

„Dieses Museum ist kein Pfuschbau“

Edwin Kohl habe man gebeten, die Endberichte von WPW und Rechnungshof abzuwarten, bevor er sein Sponsor-Engagement beende. Letzteres sieht bis dato Folgendes vor: Übernahme der Zinslast von etwa zwei Millionen Euro für einen Teil der Baukosten (zehn Millionen). Im Zuge der Melcher-Affäre hatte Kohl jedoch schon mehrfach mit Rückzug gedroht – wegen des vermeintlich ungerechten Umgangs mit Melcher.

Gestern präzisierte Kohl – sichtlich aufgewühlt – diese Einschätzung. „Hier werden Mängel herbei geredet, die keine sind“, sagte er. „Dieses Museum ist kein Pfuschbau.“ So sei mit ihm, dem Sponsor, immer über einen 22,5-Millionen-Bau verhandelt worden. Auch sei nachweisbar, dass sowohl der Hochwasserschutz geleistet wurde als auch korrekte Fahrstuhl-Breiten für Rollstuhlfahrer vorgesehen seien.

Kohl kritisierte die „Phantastereien eines Herrn Grewenig“. Es sei absurd, dass derjenige, der die Kosten jetzt hoch treibe, anschließend als Retter gefeiert werde. Kohl wörtlich, mit Blick auf Melcher und den Projektsteuerer: „Ich kann es nicht mehr mit meinem Gewissen vereinbaren, dass Menschen so fertig gemacht werden.“ Deshalb sei er ganz dicht vor einem Total-Ausstieg, als Sponsor wie als Kuratoriums-Mitglied. Danach nahm der Nachmittag für den Merziger Unternehmer einen schlimmen Verlauf: Beim Verlassen des Stiftungsparkplatzes kam es zu einem Unfall, der ihn ins Krankenhaus brachte.
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