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4000 Quadratmeter, das wäre schon was

Fünf Etagen à 800 Quadratmeter umfasst die alte Fabrik. Foto: seidel</p>

Fünf Etagen à 800 Quadratmeter umfasst die alte Fabrik. Foto: seidel

Das Tolle an Saarbrücken sei, dass die Stadt so eine ausgeprägte, lebendige Kulturszene habe, sagt Thilo Seidel. „Hier wird viel gemacht, viel in Eigeninitiative“, findet der Münchner, der 2010 zum Kunststudium hierher zog. Kurz danach seien das Silo am Osthafen und die alte Becolin-Fabrik am Römerkastell entstanden. Aus Leerständen wurden Räume für Partys, aber auch für Kunst und Kultur. Zusammen mit sechs Kommilitonen hat der 29-Jährige jetzt eine weitere Leerstandsfabrik für die Kunst erobert. Wieder im Saarbrücker Osten, fast ist man geneigt zu sagen: wo sonst! Zwischen Autohäusern und diversem Gewerbe fand das Kollektiv über einen Makler eine ehemalige Textilfabrik, die über zehn Jahre leerstand, brachte sie in zwei Monaten Kehr-, Putz-, Streich- und Spachtel-Arbeit in Schuss und zeigt dort nun auf fünf 800-Quadratmeter-Etagen und im Keller ihre Diplomarbeiten an der Kunsthochschule (HBK).

So viel Eigeninitiative und Aufwand ist weit mehr als verlangt und üblich, wie auch HBK-Rektorin Gabriele Langendorff bei der Vernissage zugestand. Zumal sich das Projekt, das die Diplomanden aufgrund seiner Lage im Fasanerieweg auf den Namen Tjurip (wie der Schrei des Fasankükens) tauften, sich nicht auf das Ausstellen der eigenen Arbeiten beschränkt.

Man hatte von Anfang an die Idee, das Projekt auch für andere Künstler zu öffnen, um es einen Monat lang (so lange reicht der Mietvertrag mit dem Eigentümer noch) mit Programm zu beleben. Auch das schafft die Gruppe auf beeindruckende Weise. Das Erdgeschoss richteten sie im Upcycling-Stil mit gepolsterten Paletten als Sofas, mit Bühne, Bar und Lichtanlage als zwanglosen, flexiblen Veranstaltungsraum her. Am Wochenende gibt es hier immer Lesungen, Vorträge, Performances, Konzerte (von Flöte solo bis Postrock-Bands), demnächst sogar ein Minifestival.

Die Künstler kommen nicht aus dem Saarland, sondern aus Nürnberg, London, Luxemburg und Frankreich. „Wir wollten die Grenznähe bewusst nutzen“, sagt Seidel. Das Tjurip-Kollektiv wirbt auf allen Kanälen, der Laden werde jedesmal gut voll. „Viele sagen, wir hatten das Haus gar nicht auf dem Schirm und wollen mitmachen“, so Seidel. Vom eigenen Erfolg überrascht, würde die Gruppe ihr Projekt gerne verstetigen. Könnte Saarbrücken nicht ein weiteres Zentrum für Kreative vertragen? „Die Nachfrage ist da“, sagt Seidel. Finanziell funktioniert das Projekt bisher durch Unterstützung seitens Hochschule und Kultusministerium sowie eine beeindruckende Reihe von Sponsoren, die die Diplomanden anwarben. Rainer Meyer, der das Haus für eine Nachlassgemeinschaft verwaltet, überließ es den Künstlern für geringe Miete. Nicht völlig selbstlos, wie er gesteht. Er will es künftig für Gewerbe vermarkten. Die temporäre Kunstnutzung kommt da nicht ungelegen.

Infos: www.tjurip.jimdo.com

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