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50.000 Fische werden getötet

Die Serie von Pleiten, Pech und Pannen rund um die umstrittene Meeresfischzuchtanlage in Völklingen geht weiter. Anwalt Udo Gröner, der die Stadtwerke-Holding als Noch-Eigentümerin der Anlage vertritt, und Johannes Weber von der beauftragten Beratungsfirma FMC (Bremen) bestätigten gestern Informationen unserer Zeitung, wonach 30 Tonnen Wolfsbarsche aus dem Zuchtbecken vier getötet werden müssen. Es handelt sich demnach um etwa 50.000 Fische mit einem Durchschnittsgewicht von 600 Gramm, die alle von Parasiten befallen sind. Weber: „Das ist wirklich ärgerlich. Wir sind vom Pech verfolgt.“ Der Bestand eines ganzen Beckens sei betroffen, die Tiere müssten getötet und dann vernichtet werden. Am Dienstag lief die Aktion an. Eigens eingestellte Leiharbeiter trieben die Wolfsbarsche unterschiedlicher Gewichtsklassen mit Netzen zusammen, fischten sie ab. Dann wurden sie mit Strom betäubt und tierschutzgerecht in Eiswasser getötet. Ein Spezialunternehmen ist mit der Entsorgung der Kadaver beauftragt.

Das Landesamt für Verbraucherschutz (LAV) beobachtet und kontrolliert die Aktion, die voraussichtlich bis Freitag abgeschlossen sein soll. Dies bestätigte Sabine Schorr, Sprecherin des Umweltministeriums, auf Anfrage. Eine Tierseuche könne mit größter Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden. Untersuchungen durch einen eingeschalteten Fachtierarzt hääten ergeben, dass die Wolfsbarsche aus diesem Becken mit dem Kiemenwurm befallen sind. Wegen der Schwächung durch den Parasiten sei es zudem „zur Sekundärinfektion mit Begleitkeimen“ gekommen.

Bereits Ende Mai zeigten sich, so SZ-Informationen, erste Anzeichen der Erkrankung. Immer mehr Fische hatten Veränderungen im Kiemenbereich. Behandlungsversuche mit Reduzierung des Salzgehaltes und Zugabe von Essigsäure ins Wasser scheiterten. Am letzten Wochenende verendeten zahlreiche Barsche.

Gröner und Weber sagten, einer der vier Wasserkreisläufe der Anlage werde stillgelegt. Der Parasit sei für Menschen unschädlich. Die Fische in den übrigen drei Becken seien nicht befallen. Hier handelt es sich um weitere 40 Tonnen Wolfsbarsch, etwa 50 Tonnen Kingfish (Gelbschwanzmakrele) und 60 Tonnen Doraden.

Der erkrankte Fischbestand sei teilweise überaltert, konnte sich deshalb nicht mehr gegen die Parasiten behaupten, meinten Gröner und Weber. Beide gehen auch davon aus, dass die Tiere, die als Setzlinge in Frankreich gekauft wurden, bereits befallen waren, als sie nach Völklingen kamen.

Die Meeresfischzuchtanlage hat die in Turbulenzen geratenen Völklinger Stadtwerke mindestens 20 Millionen Euro gekostet. Sie wurde kürzlich für 1,9 Millionen Euro an eine Schweizer Investorengruppe verkauft. Von dem Preis wird ein bereits früher gewährtes Darlehen über 1,5 Millionen Euro abgezogen. Der Resterlös wird jetzt um weitere 100.000 Euro geschmälert, weil der Bestand an Wolfsbarschen ebenfalls an den neuen Eigentümer übergehen sollte. Die Übergabe der Anlage ist für den 6. August terminiert. Bis dahin liegt das Risiko beim Verkäufer. Die Kosten für die Entsorgung werden auf 20.000 Euro geschätzt.
 
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