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63 Saar-Schulen sind nun Gemeinschaftsschulen



Saarbrücken. Es war das Vorzeige- Projekt eines grünen Bildungsministers: Die Einführung der Gemeinschaftsschule, eine Zusammenfassung von Erweiterten Realschulen (ERS) und Gesamtschulen. Die neue Schulform soll neben dem achtjährigen Gymnasium einen zweiten Weg zum Abitur ermöglichen – in neun Jahren. Dieses „grüne“ Reformprojekt hat die Große Koalition übernommen, und einer der vehementesten Gegner, Ulrich Commerçon (SPD), setzt es nun als Minister um. 4300 Schüler sitzen am Donnerstag an 63 Schulen erstmals in 183 Eingangsklassen (Klassenstufe 5). Es sind dies 219 Schüler weniger als sich im Jahr davor für ERS und Gesamtschule entschieden. Die Nachfrage nach Gymnasialplätzen (3310) blieb dem hingegen unverändert. Neun Jahre wird es dauern, bis die Gemeinschaftsschule als einzige zweite Säule neben dem Gymnasien die bisherigen Erweiterten Realschulen und Gesamtschulen verdrängt haben wird. Für Commerçon ist wichtig, dass nun „Ruhe“ einkehrt und die neue Schulform nicht nur ein Name bleibt. „Ich werde alles tun, dass die Gemeinschaftsschule ein Erfolg wird“, versicherte er gestern Medienvertretern in Saarbrücken.

Er habe dafür gesorgt, dass die Schulen mehr Stundendeputate bekommen, um Konzepte für die Gemeinschaftsschule zu entwickeln. Auch würden die Klassengrößen reduziert, weil eine größere Heterogenität der Schüler zu verkraften sei. Letztere bedinge auch eine „Verschärfung der Verpflichtung zur Fortbildung“ der Lehrer wie auch der Schulleiter. Wie immer bot die Sommer- Pressekonferenz kurz vor Schulbeginn einen Panorama- Flug über alle aktuellen Bildungsthemen. Commerçon äußerte sich unter anderem zum Krippenausbau. Er appellierte an die Bundesregierung, auf das „unsinnige Betreuungsgeld“ zu verzichten und stattdessen die dafür vorgesehenen vier Milliarden in die Betreuungs- Infrastruktur zu stecken. Eine spürbare Entlastung beim Erzieherinnen- Mangel komme erst in fünf Jahren, so der Minister. Dann, wenn die ersten im Saarland ausgebildeten Kräfte der neuen Fachschule zur Verfügung stünden.

Den Kita-Trägern habe er zur Behebung der aktuellen Personalnot vorgeschlagen, Teilzeitverträge ihrer Mitarbeiterinnen in Vollzeit-/Festverträge umzuwandeln. Von der Einbindung nicht-qualifizierter Kräfte („Schlecker- Frauen“) hält der Minister nichts. Geprüft werde, ob die Ausbildungszeit – ohne Verminderung des Praxisanteils – auf vier Jahre verkürzt werden könne. Probleme, Stellen zu besetzen, gibt es auch an den Grundschulen. Wie Commerçon darlegte, können Funktionsstellen (Schulleitung) nicht besetzt werden. Schuld seien weniger die Besoldungsstrukturen als die Arbeitsbelastung. Hier sei er mit den Schulträgern im Gespräch. Auch Junglehrer an Grundschulen sind Mangelware. Commerçon hat, wie er sagt, „alle Lehramtsanwärter eingestellt, die wir kriegen konnten“ (156). Entspannung sieht er auch hier erst 2017. Dann, wenn die ersten Saarbrücker Grundschullehrer- Studenten ihr Studium beendet hätten. 60 Master- Studienplätze gibt es – und 834 (!) Bewerber. Eine „gigantische Nachfrage“, wie Commerçon festhielt, der sich einst gegen die Grundschullehrerausbildung an der Saar aussprach. Nun macht er sich für die „qualitative Verbesserung“ ihres Studiums stark.

Minister in heikler Mission

Von SZ-Redakteurin Cathrin Elss-Seringhaus

Er ist ein Minister in heikler Mission: Ulrich Commerçon muss eine Schulreform umsetzen, gegen die er einst mit großer Angriffslust vorging. Gleichwohl: Der SPD-Minister machte bei seinem ersten Schul-Pressegespräch eine gute Figur, zeigte sich außerordentlich sachkundig. Klar wurde auch: An den wenigen Stellschrauben, die ihm bleiben, wird er mit viel Kraft und Freude drehen. Etwa am Aufbau einer Leitungs- Struktur, die mit der des Gymnasiums tatsächlich gleichwertig ist. Auch gilt: Die neue Schulform steht zwar fest, doch die Konzepte und Inhalte werden erst in den nächsten beiden Jahren entwickelt. War das der Grund, warum der große Run auf den neuen Schultyp diesmal noch ausblieb? Kluge Eltern warten ab.

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