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82 Prozent der Lehrstuhl-Mitarbeiter an der Saar-Uni haben Zeitverträge

Unsichere Arbeitsverhältnisse, schlechte Karriereaussichten und zahlreiche Überstunden – die knapp 1700 wissenschaftlichen Mitarbeiter der Universität des Saarlandes haben keinen leichten Job. 82 Prozent haben einen befristeten Vertrag, im Schnitt mit einer Laufzeit von 18 Monaten. Das geht aus einer Studie der Soziologin Freya Gassmann hervor, die selbst wissenschaftliche Mitarbeiterin der Saar-Uni ist. Über die Hälfte der Betroffenen arbeitet zudem länger als es ihr Vertrag vorsieht – im Schnitt zwölf Stunden pro Woche.

Unüblich ist diese Situation keineswegs: Gassmann zufolge sieht es an anderen deutschen Unis ähnlich aus. Allerdings dürfte sich die Lage im Saarland wegen der Sparauflagen der Landesregierung noch verschärfen. „Im Schnitt befürchten die Befragten generell und auch für sich persönlich eine Verschlechterung der Arbeitssituation“, sagte Gassmann. Sie wollten zwar weiterhin in der Wissenschaft arbeiten, an der Saar-Uni sähen sie dazu aber eher keine Möglichkeit.

Carolin Lehberger von der Arbeitskammer des Saarlandes, wo Gassmann ihre Studie im Rahmen eines Forums zur Hochschulpolitik vorgestellt hatte, nannte diese Beschäftigungspraxis „unsozial und familienfeindlich“. Tatsächlich haben rund 70 Prozent der Befragten keine Kinder. Ein Drittel gab an, den Kinderwunsch aus beruflichen Gründen zurückzustellen. Zudem, so Lehberger, sorge das „Spardiktat“ der Landesregierung für „sehr konkrete Existenzängste“. Auch die Linken-Landtagsabgeordnete Barbara Spaniol kritisierte den Sparkurs : „Die ständigen Kürzungsdebatten und Streichungswellen an den Hochschulen müssen aufhören. Die Uni als einer der größten Arbeitgeber im Land muss auch künftig gesicherte Beschäftigungsperspektiven bieten können.“

Dass der Sparkurs des Landes die Lage verschlechtern wird, glaubt auch Patrik Zeimetz, Vorsitzender des Personalrats der Uni. Zwar haben Personalrat und Unipräsidium vereinbart, dass es keine betriebsbedingten Kündigungen geben wird und Wissenschaftler über den sogenannten Vertrauensschutz abgesichert sind. Das heißt, Promotions- und Habilitations-Stellen können nicht gekündigt werden, bis die Qualifikation abgeschlossen ist. Doch dass sich die Zahl der 1700 Mitarbeiter verringern wird, sei anzunehmen. In welchem Umfang, sei schwer abzuschätzen, sagte Zeimetz, insbesondere da einige Fakultäten ihre Sparpläne noch nicht vorgelegt haben.

Uni-Präsident Volker Linneweber sieht in der hohen Zahl befristeter Verträge hingegen einen Beweis für die Forschungsstärke seines Hauses: Viele Wissenschaftler beantragten Drittmittelprojekte bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft, dem Bund und der EU. „Diese Projekte sind immer auf wenige Jahre befristet, entsprechend können darüber auch nur befristete Stellen finanziert werden“, sagte Linneweber. Zahlreiche Doktoranden und Postdoktoranden erhielten dadurch jedoch die Möglichkeit, eine Forschungsarbeit durchzuführen. Er räumte aber ein, „zu kurze Befristungen“ seien nicht wünschenswert. Deshalb strebe die Uni ein „ausgewogenes Verhältnis“ von Dauerstellen und befristeten Stellen an.

Die Bundesregierung hat die Notlage junger Forscher in Deutschland erkannt und will noch in diesem Jahr eine Reform des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes beschließen, um ihnen zu längeren Verträgen zu verhelfen. Eine Mindestlaufzeit für Zeitverträge , wie sie die Bildungsgewerkschaft GEW fordert, enthält der Gesetzesentwurf bislang aber nicht.

Doch Zeimetz sieht auch die Saar-Uni in der Pflicht: „Sie muss prüfen, wo Daueraufgaben anfallen und dafür auch Dauerstellen einrichten.“ Denkbar sei zudem ein Fonds für wissenschaftliche Mitarbeiter. Unzufrieden sind diese trotz ihrer Arbeitsverhältnisse übrigens nicht, wie Soziologin Gassmann feststellte: Sie seien hoch motiviert und zeigten großen Einsatz für ihre Arbeit. Doch Zeimetz warnt: „Auf Dauer wirkt sich die Perspektivlosigkeit negativ auf die Stimmung der Mitarbeiter aus.“  
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