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90 Arbeiter bangen um ihre Jobs: Rohrbacher Traditionsunternehmen schließt Mitte des Jahres seine Produktion

Mitte des Jahres soll der Armaturenhersteller Th. Jansen in Rohrbach seine Produktion einstellen. Das Foto zeigt das Pförtnerhaus am Eingang des Betriebsgeländes. Foto: Patricia Müller

Mitte des Jahres soll der Armaturenhersteller Th. Jansen in Rohrbach seine Produktion einstellen. Das Foto zeigt das Pförtnerhaus am Eingang des Betriebsgeländes. Foto: Patricia Müller

Es mag eine strategische Entscheidung sein, die nicht jeder von seinem Platz hier nachvollziehen kann. So formuliert es Andreas Zerfass. Der Geschäftsführer des Armaturenherstellers Th. Jansen, der seit 2011 zum britischen Konzern IMI mit Sitz in Birmingham gehört, musste seinen Mitarbeitern vor zwei Wochen eine unerfreuliche Nachricht für den Standort Rohrbach überbringen. Die Fertigung und Montage von Spezialarmaturen wird in Rohrbach zur Mitte dieses Jahres eingestellt. Davon sind 90 der derzeit 108 Arbeitsplätze betroffen.

Nach Unternehmensangaben soll IMI Th. Jansen jedoch in Rohrbach mit den Bereichen Engineering und Vertrieb bestehen bleiben. Zukünftige Aufträge sollen von Unterlieferanten extern geliefert und montiert werden. Auch die Krise in der Eisen-, Stahl- und Rohstofferzeugung sei ein Grund für die geplanten Schritte, sagte der Geschäftsführer. Zudem sei der sinkende Ölpreis sei „ein riesen Problem für unsere Kunden, die weltweit ihre Anlagen betreiben“, erklärt Zerfass. „Die Kunden investieren nicht so wie in der Vergangenheit. Außerdem beschreibt Zerfass einen Investitionsstau, der sich in den vergangenen 20 bis 30 Jahren noch unter dem Vorbesitzer angesammelt habe. „Der ganze Standort ist 103 Jahre alt“, sagt er. „Das ist beeindruckend, aber auf der anderen Seite sind Hallen und Produktionsbereiche investitionsbedürftig“. Auch das habe zu der Entscheidung der Produktionsschließung in Rohrbach beigetragen.

Für etwa 15 Mitarbeiter soll es in Rohrbach weitergehen. Es handele sich dabei um Vertriebler und Ingenieure, teilt Zerfass mit. „Wir wollen den Namen IMI Th. Jansen weiter auf dem Markt sehen. Wir behalten die Produkte.“ Wie das Unternehmen inzwischen weiter mitteilte sei die beabsichtigte Schließung der Produktion am Standort Rohrbach Teil der IMI-Group-Strategie zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit und des weltweiten Kundenstamms.

Die IMI-Group habe in Deutschland mit den Firmen IMI Z&J in Düren und IMI Bopp & Reuther in Mannheim zwei weitere Produktions- und Montagestandorte in angrenzenden Produktbereichen und mit einer modernen Fertigungsinfrastruktur. Diese beiden Standore seien von den geplanten Änderungen nicht betroffen. Nach Zerfass Angaben werde derzeit mit dem Betriebsrat über einen Interessenausgleich und einen Sozialplan verhandelt. Eine Option besteht laut Zerfass in der Beschäftigung bei einem IMI-internen Unternehmen. Aber auch von Lieferanten und Partnern vor Ort habe der Geschäftsführer „positive Signale“ erhalten. „Sehr besonnen und vernünftig“ haben nach Angaben des Geschäftsführers auch die betroffenen Mitarbeiter auf die für sie schlechten Neuigkeiten reagiert. Ähnliches sagt Werkleiter Markus Gierling. „Wir haben die soziale Verpflichtung, die Mitarbeiter nun vernünftig zu begleiten.“

Etwas anders schätzt hingegen Gewerkschaftssekretärs Stefan Birk von der Industriegewerkschaft (IG) Metall die Lage ein. Da eine solche Entscheidung nicht absehbar gewesen sei – das Unternehmen schrieb bislang keine Verluste – beschreibt er die derzeitige Stimmung als „verunsichert und sehr gedrückt“. „Die Menschen sind vor den Kopf gestoßen worden“, seien „geschockt“ gewesen. „Gerade die älteren Kollegen fragen sich, welche Möglichkeiten sich für sie nun überhaupt noch auf dem Arbeitsmarkt bieten“, sagt Birk.

Derzeit befinden sich Unternehmen und Gewerkschaft in der Informationsphase. „Wir werden wirtschaftliche Prüfungen einleiten“, berichtet Birk. Außerdem sei die IG Metall bereit, über alternative Konzepte für die Weiterführung der Produktion am Standort zu sprechen.

 

Zum Thema:

HintergrundTh. Jansen stellt Armaturen für Hütten- und Stahlindustrie, Wasser- und Kraftwerkstechnik sowie die Chemische und Petrochemische Industrie her. Das Unternehmen wurde 1903 in Saarbrücken gegründet und 1940 nach Rohrbach verlegt. 1953 erreichte das Unternehmen mit insgesamt 470 Beschäftigten einen Höchststand. Seit dem 17. Oktober 2011 ist es ein Tochterunternehmen von IMI, einem börsennotierten Industriekonzern mit Sitz in Birmingham in Großbritannien. Ein Jahr zuvor integrierte der Konzern außerdem den ehemaligen Hauptkonkurrenten Z&J Technologies in Düren. pam
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