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90 Jugendliche bei der saarländischen Schüler Akademie für Hochbegabte

Linus Vornhusen und Fiona Metzinger arbeiten in der Projektgruppe Nachhaltigkeit. Foto: Konrad

Linus Vornhusen und Fiona Metzinger arbeiten in der Projektgruppe Nachhaltigkeit. Foto: Konrad

So voll wie in den Sommerferien war ihr Stundenplan noch nie. Um Punkt 8 Uhr gibt's Frühstück. Um 9 Uhr beginnt der Unterricht – mit Gruppenarbeiten, Diskussionsrunden und Vorträgen. Feierabend ist erst gegen 18.30 Uhr. Wer will, kann danach noch an Freizeitaktivitäten teilnehmen. „Für mich ist das kein Stress . Mir macht das Spaß“, sagt Saskia Rohrmann.

 

Die 18-Jährige nimmt dieses Jahr an der Saarländischen Schüler Akademie teil. Die ersten zwei Wochen der Ferien verbringt sie dazu im Haus Sonnental in Wallerfangen . Gemeinsam mit 89 weiteren hochbegabten Jugendlichen und 18 Dozenten arbeitet sie an verschiedenen wissenschaftlichen Themen. Die jüngeren Schüler beschäftigen sich beispielsweise mit Nachhaltigkeit, Physik und Geisteswissenschaften . Die älteren Schüler können zwischen unterschiedlichen Kursen wie etwa Kunst, Psychologie und Elektrotechnik/ Informatik wählen.

 

Saskia hat sich für Bioinformatik entschieden, da sie einmal in der Forschung arbeiten möchte. In der Akademie hat sie erstmals einen tieferen Einblick in die in ihren Traumberuf erhalten. „Wir haben am Computer Mutationen in Proteinen betrachten“, erzählt sie, „Das war schon spannend.“

 

In ihrer Freizeit trifft sich die Schülerin gerne mit Freunden und geht auf die Suche nach Geocaches. Zwei Wochen ihrer Ferien zu opfern, ist für sie allerdings kein Problem. „Ich mache das freiwillig. Die Akademie ist garantiert keine Zeitverschwendung“, sagt sie.

 

Auch Sören Engelmann (17) und Wendelin Karg (15) sehen das Hochbegabten-Camp eher als Freizeitbeschäftigung. Die beiden Jungs haben sich für den Kurs Elektrotechnik/ Informatik entschieden. „Ich bastele auch zu Hause gerne und baue Stromkreise“, erzählt Sören. Sein Kumpel Wendelin ergänzt: „Für mich ist das Camp hier wie Urlaub, in dem man was lernt.“

 

Bereits seit dem Jahr 1999 organisiert die Beratungsstelle Hochbegabung die Akademie. Gedacht ist sie für Schüler zwischen zwölf und 18 Jahren aus dem ganzen Saarland. Doch teilnehmen darf längst nicht jeder. Lehrer schlagen besonders talentierte Schüler vor. Diese müssen in einem Motivationsschreiben erklären, warum sie mitmachen wollen.

 

„Wir möchten nur Kinder dabei haben, die auch wirklich Lust dazu haben“, sagt Herbert Jacob. Doch der Leiter der Beratungsstelle Hochbegabung betont: Mit dem Frontalunterricht in der Schule habe die Akademie wenig zu tun. „Wir haben hier keinen vorgeschriebenen Lehrplan. Die Schüler können frei arbeiten“, sagt er.

 

Dozenten von der Universität des Saarlandes und Lehrer betreuen die Jugendlichen. Sie geben eine erste Einführung ins wissenschaftliche Arbeiten, stellen Studiengänge vor und begleiten sie zu Exkursionen.

 

Fiona Metzinger ist schon zum zweiten Mal an der Akademie. Die 13-Jährige besucht die Waldorfschule in Altenkessel und freut sich immer auf die Chemie- und Religionstunden. Im Hochbegabten-Camp hat sie allerdings das das Projekt Nachhaltigkeit besonders begeistert. „Wir haben uns über Kinderarbeit und Fair Trade unterhalten“, erzählt sie. Anschließend habe jeder selbst ein T-Shirt einfärben dürfen. „Da hat man mal gesehen, wie aufwendig das ist“, sagt sie. In der Schule langweilt sich Fiona hin und wieder. Der Unterricht ist ihr nicht anspruchsvoll genug.

 

Ein Problem, das auch Linus Vornhusen kennt. In seiner Freizeit belegt der 14-Jährige daher zusätzlich Kurse an der Volkshochschule. Zuletzt etwa Finanzbuchführung. Die Akademie hat außerdem sein Interesse an Geisteswissenschaften geweckt. „Ich habe viel über die 68er Bewegung erfahren und verschiedene Philosophen kennengelernt“, berichtet Linus.

 

Von seiner Teilnahme am Hochbegabten-Camp habe er nur seinen besten Freunden erzählt. Aus Angst, dass ihn seine Mitschüler auslachen. Denn für einen vollgepackten Stundenplan in den Ferien hätten nur wenige Verständnis.

 

Meinung:

 

Menschliche Nähe ist wichtig

Von  Margret Schmitz

 

Neue Anforderungen und Anregungen für hochbegabte Schüler gibt es bei dem Camp in Wallerfangen . Gut so, dass es eine Stelle gibt, die diesen Jugendlichen Lernstoff zu sie interessierenden Themen bietet, den die normale Schule nicht anbieten kann. Und doch bietet ein solches Camp viel mehr und vielleicht Wichtigeres als diesen Lernstoff. Durch ihre besonderen Begabungen geraten die Kinder und Jugendlichen unter ihren Mitschülern leicht in eine Randposition. Gerade für diese Schüler ist es wichtig, dass sie auch unter Gleichaltrigen menschliche Nähe erfahren. Das und die dadurch neu entstehenden sozialen Kontakte können ihnen auf ihrem Weg helfen.
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