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AKW-Stresstests: Cattenom wirklich unsicher?

Nicht nur das AKW in Cattenom - auch Deutsche Meiler stehen in der Kritik.

Nicht nur das AKW in Cattenom - auch Deutsche Meiler stehen in der Kritik.



Die Sicherheitsmängel bei den 145 europäischen Reaktorblöcken sind noch drastischer als zunächst befürchtet. EUEnergiekommissar Günther Oettinger, der die Ergebnisse des Stresstests gestern in Brüssel vorstellte, nannte die Standards zwar „im Allgemeinen hoch“. Auch spreche derzeit „nichts für eine Abschaltung“. Die nun veröffentlichten Fakten passen aber nicht zu derart zurückhaltenden Worten. Bei 54 der 145 Meiler fehlen Maßnahmen zum Schutz vor Erdbeben. 62 Prozent der Reaktoren sind nicht ausreichend gegen Hochwasser und Überflutung gesichert. In 81 Anlagen ist die Notfallausrüstung, die bei schweren Zwischenfällen gebraucht wird, nicht so gelagert, dass sie erreichbar ist. In drei Meilern droht schon eine Stunde nach Ausfall der Notstromversorgung ein gefährliches Aufheizen des Reaktorkerns.

32 Anlagen sind nicht mit moderner Technik ausgerüstet, die bei einem Unfall im Gebäude ein Entweichen von Radioaktivität verhindern könnten. 24 Anlagen verfügen über keinen Ersatzkontrollraum, der etwa bei einem Brand im Hauptsteuerstand die geordnete Leitung des Kernkraftwerks übernehmen kann. Schlechte Noten bekamen auch die zwölf deutschen Standorte mit 17 Meilern. Fast alle sind nicht genügend gegen seismische Aktivitäten geschützt. In mehreren Reaktoren wurden international geltende Richtlinien zum Schutz gegen Hochwasser oder Flugzeug-Abstürze nicht weitreichend genug umgesetzt. Die Nachrüstung kann teuer werden: Experten zufolge sind EU-weit zwischen zehn und 25 Milliarden Euro nötig, um alle europäischen Meiler zu sichern. „Die Stresstests haben gezeigt, wo unsere Stärken liegen und was wir noch verbessern müssen“, erklärte EUKommissar Oettinger. Er nannte die Situation „zufriedenstellend, aber zufrieden geben dürfen wir uns damit nicht“.

Viel deutlichere Worte kamen aus dem Europäischen Parlament: „Die Ergebnisse der Stresstests sind alarmierend“, sagte der sozialdemokratische Abgeordnete Bernd Lange und forderte, alle Meiler, die die Tests nicht bestanden haben, „sofort vom Netz zu nehmen“. Sein christdemokratischer Kollege Peter Liese sagte, beim „Schutz der Bevölkerung vor nuklearen Unfällen darf es keinen Rabatt geben“. Gefahren von Atomkraftwerken machten vor Landesgrenzen nicht Halt. „Das für Deutschland gefährlichste AKW heißt Fessenheim und steht in Frankreich im Elsass.“ Die EU-Kommission will bis Ende des Jahres in Zusammenarbeit mit den nationalen Aufsichtsbehörden Aktionspläne für jedes Mitgliedsland ausarbeiten. Mitte 2014 soll Bilanz gezogen werden, ob die vorgeschlagenen Nachrüstungen auch in Angriff genommen wurden.

Mehr Instrumente hat Brüssel nicht. Für die Sicherheit der Meiler sind die 14 Regierungen zuständig, die nach wie vor auf Atomkraft setzen. Bundesumweltminister Peter Altmaier sagte in Berlin, man werde die Ergebnisse der Stresstests nicht „ad acta“ legen. Die Untersuchung der Meiler müsse Konsequenzen nach sich ziehen. Das wird, wie die Ergebnisse des EU-Stresstests zeigen, dringend nötig sein, weil die Risiken mit dem Abschalten der Reaktoren im Jahre 2022 nicht beseitigt sind. Schließlich kritisierten die Prüfer nicht nur die erheblichen Sicherheitsmängel von nach wie vor aktiven Meilern, sondern auch von bereits stillgelegten. Und die fielen nicht weniger drastisch aus.

Stresstest bestätigt Sicherheitslücken in Cattenom


Saarbrücken/Brüssel. Der abschließende Bericht der EU zur Sicherheit europäischer Kernkraftwerke hat für die vier grenznahen Meiler in Cattenom die Mängel in der Auslegung gegen schwere Erdbeben bestätigt. Demnach müsste der Erdbebenschutz in französischen Kraftwerken, damit auch in Cattenom, nachgebessert werden. Der entsprechende Bericht für den gesamten Kraftwerkspark der EU wurde gestern im Internet veröffentlicht. Darin wird unter anderem die umgehende Einführung zusätzlicher Sicherheitsstandards gegen Erdbeben verlangt. Allerdings geht der jüngste Bericht der EU nicht über jene Erkenntnisse hinaus, die in Luxemburg, Rheinland-Pfalz und dem Saarland schon seit längerer Zeit diskutiert werden.

So hatte der von der Großregion Saar-Lor- Lux nominierte Beobachter der Stresstests, Dieter Majer, bereits im Frühjahr eine Reihe von Mängeln in dem Kernkraftwerk an der Mosel festgestellt. Dabei ging es auch um Sicherheitslücken beim Absturz von Flugzeugen oder zusätzliche Risiken bei extremen Niederschlägen. Damals erklärte der Atomexperte Majer, Cattenom habe den Test nicht bestanden. Falls ihm in Frankreich die gleichen Mittel zur Verfügung stünden wie in Deutschland, würde er die Meiler schließen lassen, um sie auf den neuesten Stand der Technik zu bringen.

Im Sommer hatte aber auch die französische Atomaufsichtsbehörde ASN bereits auf die Diskussion um mangelnde Erdbebensicherheit reagiert und erhebliche Nachbesserungen, unter anderem in Cattenom, gefordert. Dabei hatte sie festgestellt, dass in dem Gebäude für die hochstrahlenden abgebrannten Brennelemente gerade bei Erdbeben Probleme entstehen könnten. Bei einem längeren Ausfall des Ventilationssystems könnten die Pumpen in den Abklingbecken nicht mehr funktionieren, was eine Überhitzung der Brennelemente zur Folge hätte. gf

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