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Abschied einer Ikone: Anne Clarke ist heute Abend zum letzte Mal live in Saarbrücken zu erleben

„Wasted Wonderland“-Tour: Unter diesem eher pessimistischen Titel sind Anne Clarke und herrB auf Abschieds-Tournee. Foto: Saarevent

„Wasted Wonderland“-Tour: Unter diesem eher pessimistischen Titel sind Anne Clarke und herrB auf Abschieds-Tournee. Foto: Saarevent

Todesfälle wie die von David Bowie , Lemmy Kilmister oder Glen Frey von den Eagles scheinen sich in der letzten Zeit zu häufen, Farewell-Tourneen von Bands wie The Who , Black Sabbath oder den Scorpions auch. Es macht sich da insgesamt schon fast wie ein Epochenbruch aus, dass auch eine Vertreterin innovativer, experimenteller und elektronischer Darkwave-Klänge der Achtziger nach 34 Jahren Karriere auf Abschiedstour ist: Anne Clark , Songwriterin, Poetin und Keyboarderin, ist mit ihrem musikalischen Partner, dem deutschen Musiker und Produzenten herrB und ihrer Band heute in der Saarbrücker Garage.

Hier hat man noch einmal die Möglichkeit, ihre größten Hits von „Darkest Hour“ über „Boy Racing“ bis „Abuse“ zu hören. Damit wird einem gewahr, wie weit die Zeit seit dem Beginn der Punkrockexplosion von 1976 bis heute schon fortgeschritten ist, denn Anne Clark war und ist zuvorderst ein Kind dieser Zeit und obendrein quasi ein Jahrzehnt nach den vorgenannten Bands und Künstlern angesiedelt. Denn ohne die Punkrockbewegung wäre Anne Clark , die mit 16 die Schule abbrach und zeitweilig in einem Londoner Punkrockplattenladen jobbte, niemals in die künstlerische Szene vorgestoßen, die damals durchlässig für jeden auf allen Ebenen florierte. Schon auf ihrer ersten Platte „The Sitting Room“ von 1982 experimentierte sie mit elektronischen Klängen, verfremdeten Instrumenten, Samples und Drumcomputern. Die auf diesem musikalischen Konzept basierenden Dancefloor-Knaller wie „Sleeper In Metropolis“ (1983) oder „Our Darkness“ (1984) verschafften der Künstlerin echte Hits der Musikhistorie und den internationalen Durchbruch.

Neben der musikalischen Form bildet sie ihren eindringlichen Sprechgesang als ihr Charakteristikum heraus. Die Texte, ihre Bildersprache, sind das zweite Standbein für die künstlerische Ausnahmestellung von Anne Clark . Die Lieder sind inhaltlich der Ausdruck der Kälte, Entfremdung und Vereinzelung im real existierenden Kapitalismus. Die politischen Basismomente, die Anne Clark nachhaltig geprägt haben, sind die damalige Antikriegsbewegung der zweiten Generation. Sie wollte der Atomkriegsgefahr und dem heraufdämmernden Neo-Neoliberalismus der Thatcher- und Reagan-Ära Anfang der Achtziger ein politisches und künstlerisches Gegengewicht bieten. Songs wie „Poems For A Nuclear Romance“ oder das aktuell ins Set aufgenommenen „Hope Road“ reflektieren diese Weltsicht und zeugen von einer Hoffnungslosigkeit, die auch zukünftige Generationen vor jeglicher Vertrauensseligkeit warnt: „Be you boy or be you girl/ Be very, very careful/ When people seem so nice…/ Later on you pay the price/ There's no Hope Road”, heißt es dort.

Als Künstlerin experimentierte Anne Clark sogar bis in jazzige Klangbereiche wie auf „Unstill Life“ von 1991 oder widmete sich der naturalistischen Dichtung eines Rainer-Maria Rilke, von dem sie 1997 auf „Just After Sunset“ Kurzgedichte auf Englisch in Zusammenarbeit mit Martyn Bates vertonte. Trotz differenzierter Ausgestaltung mit akustischen Instrumenten blieben ihr immer das Dramatische, die Eindringlichkeit und eine gewisse Melancholie inhärent. Live wird das zukünftig fehlen, aber ihre Musik, Texte und Inhalte bleiben bestehen.

Konzert heute, Donnerstag, 20 Uhr, in der Saarbrücker Garage.
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