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Ackermann "erschüttert" von systematischem Missbrauch



Trier. Die katholische Kirche kämpft. Um Glaubwürdigkeit, Wahrheit – und ihre Mitglieder. Der Skandal um den sexuellen Missbrauch von rund 1200 Kindern und Jugendlichen lässt die deutschen Bischöfe einfach nicht los. „Kein Zweifel, es liegt noch sehr viel Arbeit vor uns“, sagt der Missbrauchsbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Triers Bischof Stephan Ackermann, bei der Vorstellung des Abschlussberichts zur bundesweiten Telefonhotline der Deutschen Bischofskonferenz.

Doch nun stecken Deutschlands Bischöfe erneut in einer schweren Glaubwürdigkeitskrise. Das weiß auch Ackermann. Er war erst wenige Wochen in dieser Funktion, da schaltete die Bischofskonferenz eine bundesweite Hotline für Opfer sexuellen Missbrauchs. Anonym sollten Betroffene und deren Angehörige über ihre schlimmen Erfahrungen berichten können und auf Wunsch an Beratungsstellen weitervermittelt werden. Fast 8500 Gespräche verzeichnete das Angebot, nicht alle bezogen sich auf Fälle aus der Kirche.
Die Daten von rund mehr als 1800 Schicksalen bilden die Basis des Berichts, den Ackermann und der für die Hotline verantwortliche Leiter der Beratungsdienste des Bistums Trier, Andreas Zimmer, vorstellten.

Die Auswertung habe gezeigt, dass viele der Beschuldigten im kirchlichen Bereich nicht nur „die moralische Autorität des Amtes“ ausgenutzt hätten, sondern auch systematisch Riten wie Beichte oder Gebet, berichtet Zimmer. So hätten die Täter die „Schutzmechanismen“ der Kinder gesenkt, „um Macht über den emotional intimsten Bereich der Kinder und Jugendlichen zu gewinnen“. Manche Täter hätten den Minderjährigen auch vorgetäuscht, „die Delikte seien Ausdruck liebender Verbundenheit in Christus oder Auserwählung von Gott“, sagt Zimmer.
Was der Beauftragte auch betont: „Es gibt keine Hinweise auf Zufallstaten“ und bei rund 90 Prozent der Opfer habe es sich um männliche Kinder und Jugendliche gehandelt.

Dass viele der Beschuldigten gezielt und systematisch ihren Status als Vertrauenspersonen ausnutzten, noch dazu häufig in Situationen, in denen die Opfer bei ihnen um Hilfe nachsuchten, sei „abscheulich“, sagt Ackermann. Doch eine Antwort auf die Frage, wie die Kirche mit diesen Tätern verfahren soll, haben bislang weder der Trierer Bischof noch seine Kollegen aus den anderen deutschen Bistümern parat.

Nachdem die Bischofskonferenz die Zusammenarbeit mit dem Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen aufkündigte, ist Ackermann gestern ein weiteres Mal darum bemüht, den Aufklärungswillen der Kirche zu betonen. Man werde sich weiterhin „mit gleich bleibender Intensität und Konsequenz um eine gründliche und transparente Aufarbeitung bemühen“, versichert er. Deshalb bleibe auch das geplante kriminologische Projekt „ein wichtiger Baustein in unserem Maßnahmenpaket“, und es gebe durchaus Institute, die „allen Unkenrufen der vergangenen Tage“ zum Trotz sich die Bischofskonferenz als Projektpartnerin vorstellen könnten. Namen nannte er keine, wie er auch keinen Fahrplan für die weiteren Schritte nannte.

Zugleich räumt der Bischof ein, dass die Kündigung der Zusammenarbeit mit dem Forschungsinstitut auch für seine Kirche einen „herben Rückschlag“ bedeute. Einen Rückschlag auch für ihn persönlich, drei Jahre, nachdem ihn die Bischöfe mit dieser schwierigen Mission betrauten.
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