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Acument: Inder kaufen Beckinger Schrauben-Werk

Beckingen/Düsseldorf. Die Schraubengruppe Acument, die auch ein Werk in Beckingen hat, kann die Insolvenz verlassen. Der Unternehmensverbund wird mit seinen fünf Standorten an die indische Ruia Group verkauft. Das teilte gestern Insolvenzverwalter Wolf von der Fecht mit. Er geht davon aus, dass bis Jahresende alles unter Dach und Fach ist. „Ruia wird die Standorte Beckingen, Neuss, Neuwied, Schrozberg sowie das Logistikzentrum in Köln übernehmen und fortführen“, sagt von der Fecht. Vor einem Monat war das Acument-Werk in Dürbheim (Baden-Württemberg) bereits an den osterreichisch-kanadischen Automobilzulieferer Magna verkauft worden.

An den fünf Standorten, die jetzt zur Ruia Group kommen, mussten nach Angaben des Insolvenzverwalters 187 Arbeitsplätze abgebaut werden. Insgesamt arbeiten dort jetzt noch1480 Frauen und Männer. In Beckingen sind bei Acument noch etwas mehr als 300 Arbeitnehmer beschäftigt. Auch im saarländischen Werk kam es zu einem Arbeitsplatz-Abbau. 46 Mitarbeiter mussten gehen. Rund 35 kamen in eine Beschäftigungsgesellschaft. „Als die Automobil-Konjunktur wieder anzog, wurden sie allerdings im Werk wieder gebraucht oder hatten anderswo Arbeit gefunden“, sagt Guido Lesch, 2. Bevollmächtigter der IG Metall-Verwaltungsstelle Völklingen. „Die Belegschaft hat seit der Insolvenz am 6. August vergangenen Jahres um ihr Werk gekämpft“, lobt Lesch die Mitarbeiter.

„Ich sehe für alle Standorte eine gute Zukunft“, meinte Insolvenzverwalter von der Fecht in einer Telefonkonferenz. Die Auftragslage sei über Plan und es werde profitabel produziert. Alle Autohersteller, die Acument-Schrauben in ihre Fahrzeuge einbauen, seien bei der Stange geblieben. Allerdings sei auch einiges investiert worden, um Synergien zu erreichen. So hätte bis zur Insolvenz jedes Werk sein eigenes IT-System gehabt. Jedes gebe es eine einheitliche IT-Plattform.

Erleichtert ist auch Gerfried Lauer, der Betriebsratsvorsitzende des Beckinger Acument-Werks. „Es war eine schwere Zeit. Quälend war vor allem die Ungewissheit“. Denn es habe lange danach ausgesehen, dass ein Insolvenzplan-Verfahren in Eigenverwaltung greifen würde. Das hätte zum Schluss zur Folge gehabt, dass der alte wieder der neue Eigentümer gewesen wäre. Die Acument-Gruppe gehörte seit 2006 dem US-amerikanischen Private-Equity-Fonds Platinum Equity mit Sitz in Beverly Hills (Kalifornien). „Dagegen haben wir uns gewehrt“, sagen Lesch und Lauer. Die Folge war, dass der Insolvenzverwalter auf Investorensuche ging. „Zum Schluss sind noch drei übrig geblieben“, erläutert von der Fecht. Die Ruia Group habe das beste Konzept vorlegen können. Auch Betriebsrat-Chef Lauer ist mit dieser Entscheidung zufrieden. „Die indische Gruppe will in Europa wachsen und investieren. Das hat sie glaubhaft darstellen können“, sagt er. Außerdem habe man die Zusage, dass 20 neue Mitarbeiter eingestellt werden dürfen. Darüber hinaus seien Investitionen in Maschinen geplant, sagt Lesch.

Die Ruia Group steuert von Kalkutta aus einen Autozulieferer- und Maschinenbau-Konzern. Im Programm hat man unter anderem Reifen und Gummidichtungen. Der Konzern beschäftigt weltweit 100.000 Mitarbeiter. In Deutschland gehört unter anderem der Germersheimer Reifen-Hersteller Gumasol Rubber zur indischen Gruppe.

Meinung

Eine gute Nachricht
Von SZ-Redakteur Lothar Warscheid

 
Eine bessere Nachricht konnte der Insolvenzverwalter des Schrauben-Herstellers Acument den Mitarbeitern kurz vor Weihnachten nicht überbringen. Auch in Beckingen sind mehr als 300 Acument-Beschäftigte erleichtert. Die Auftragslage ist gut, es darf wieder investiert werden. Außerdem werden weitere Mitarbeiter gebraucht. Mit der indischen Ruia Group wurde offenbar ein Übernehmer gefunden, der etwas vom Geschäft versteht. Von reinen Finanzinvestoren wollte man nichts mehr wissen. Damit hat ein saarländisches Traditionsunternehmen das auf eine mehr als 140-jährige Geschichte zurückblicken kann, wieder eine Zukunft. Jetzt kann man nur hoffen, dass für die beiden anderen Autozulieferer von der Saar, die noch in der Insolvenz arbeiten – Halberg Guss und Saargummi – ebenfalls ein gutes Ende in Sicht ist. Auch dort müssen Entscheidungen her, die quälende Ungewissheit muss ein Ende haben.

 

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