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Adressbuch-Schwindel: Auersmacher in den Fängen der Datenhändler

Er war nur kurz Unternehmer. Doch dieser Lebensabschnitt holt den Auersmacher Ludwin Barth immer wieder ein. Jetzt sollte er im Internet für sich werben. Für 40 Euro im Monat. Barth ist empört. Und er ist nicht das einzige Opfer.

Auersmacher. Um sich die eine oder andere Mark nebenher zu verdienen, hatte der heute 76-jährige Ludwin Barth aus Auersmacher in jungen Jahren ein Elektro-Gewerbe angemeldet. Doch wegen beruflicher Veränderungen musste Barth sein Gewerbe 1969 wieder abmelden. Das liegt nun 41 Jahre zurück. Beendet ist das Thema Selbstständigkeit für den Rentner auch nach Jahrzehnten nicht. „Ich bekomme heute noch Anrufe oder Post, in der Firmen mir irgendetwas verkaufen wollen“, sagt der 76-Jährige. „Ich werde zu Messen eingeladen oder soll der Gebühren-Einzugszentrale angeben, wie viele Radios in unseren Firmenwagen sind“, sagt Barth kopfschüttelnd. Was sich skurril anhört, findet der Auersmacher nicht mehr komisch. Und seit der Post aus Düsseldorf ist für ihn das Maß voll. „Ich bekam einen Brief von einer Gewerbeauskunft-Zentrale. Diesen sollte ich ausfüllen und kostenlos zurückfaxen. Danach wäre ich im Internet gelistet. Auf der Seite stand klein gedruckt, dass das Ganze etwa 40 Euro pro Monat kostet“, sagt Barth. Er wandte sich an die SZ. „Das Ganze wurde mir zu bunt. Auf dem Brief stand weder ein Ansprechpartner noch eine Telefonnummer. Dennoch sah der Brief professionell aus, und eine Woche später bekam ich sogar ein Erinnerungsschreiben.“

IHK: Das fällt unter Adressbuch-Schwindel

Heike Cloß, Juristin bei der Industrie- und Handelskammer Saarland, kennt Fälle wie den von Barth zur Genüge. „Wir bekommen monatlich so viele Briefe, dass sie Schränke füllen. Darin beschweren sich Gewerbetreibende über solche Methoden. Das fällt unter Adressbuch-Schwindel. Die Gewerbetreibenden werden dabei skrupellos abgezockt“, erklärt Cloß.

Das bestätigt Hildegard Reppelmund, Juristin beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag in Berlin. „Diese Firmen lassen ihre Schreiben höchst offiziell und professionell aussehen. Meist wird der Bundesanzeiger systematisch ausgewertet, und das Angebot sieht häufig aus wie eine offizielle Rechnung des Handelsregisters oder wie ein kostenloser Interneteintrag. Das ist nicht nur ein deutschlandweites, sondern ein europaweites Problem“, sagt Reppelmund.

Sie arbeitet gegen Adressbuch-Schwindel eng mit dem Deutschen Schutzverband gegen Wirtschaftskriminalität (DSW) zusammen.

200 Millionen Euro setzen die Betrüger um

Beim DSW ist Jurist Peter Solf zuständig für diese Fälle. „Wir haben vor zwei Jahren hochgerechnet, dass in Deutschland pro Jahr 200 Millionen Euro durch Adressbuch-Schwindel umgesetzt werden“, sagt Solf. Er empfiehlt Gewerbetreibenden: „Wer sich getäuscht fühlt, sollte den Vertrag anfechten und gegebenenfalls einen Anwalt einschalten“, sagt der Jurist.

Das hat Ernst Arweiler, Inhaber einer Elektro-Firma in Schwalbach, getan. Er habe das Schreiben der Gewerbeauskunft-Zentrale gutgläubig zurückgefaxt und prompt eine Rechnung von knapp 1000 Euro bekommen. „Ich sollte 40 Euro pro Monat bezahlen und das zwei Jahre im Voraus. Ich habe alles meinem Anwalt gegeben. Wir gehen vor Gericht“, sagt er. Rentner Barth ist fassungslos. „Ich hätte nicht gedacht, dass Menschen so kriminelle Dinge veranstalten können. Man sollte einen Musterprozess führen, damit solche Betrügereien endlich aufhören.“ Er hofft zwar, dass er wegen seines seit 41 Jahren abgemeldeten Gewerbes nicht mehr belästigt wird. Aber glauben kann er noch nicht daran.

Die Gewerbeauskunft-Zentrale war trotz mehrfacher Versuche für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.
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