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Aggressive Preispolitik? Naturlandstiftung wehrt sich gegen Kritik

Das Umweltministerium und die Naturlandstiftung Saar haben zu den Bauern-Protesten Stellung bezogen. Rund 40 Landwirte hatten zuletzt an Pfingsten gegen massive Grundstückskäufe der Firma Ökoflächenmanagement (ÖFM) – einer hundertprozentigen Tochter der Naturlandstiftung Saar (NLS) – protestiert. Sie werfen der Stiftung unter anderem vor, mit einer „aggressiven Preispolitik“ immer mehr Ackerfläche im Saarland aufzukaufen und damit die Existenz der Landwirtschaftsbetriebe zu gefährden.

Umweltminister Reinhold Jost (SPD), zugleich „in guter Tradition“ Vorstandsvorsitzender der Naturlandstiftung, bezog nun gemeinsam mit Vertretern der Naturlandstiftung Stellung und wehrte die Vorwürfe ab. Sowohl Stiftung als auch Ministerium verfolgten die Absicht, landwirtschaftliche Fläche zu schonen, wo immer das möglich sei, erklärte Jost. „Der Naturschutz hat noch nie einen landwirtschaftlichen Betrieb gefährdet“, betonte auch Eberhard Veith, Geschäftsführer von Naturlandstiftung und ÖFM.

Die Stiftung ist inzwischen nach eigenen Angaben der größte Landeigner im Saarland. Ihr und ihrer Tochterfirma ÖFM gehören derzeit 1887 Hektar Boden. Davon seien aber 676 Hektar an 109 Landwirte verpachtet. „Viele Flächen werden weiter bewirtschaftet – wenn auch in anderer Form“, erklärte Veith. Zudem vergebe die ÖFM an Landwirte Aufträge, zum Beispiel für Rodung oder Mähen, im Umfang von rund 60?000 Euro im Jahr. Viele Bauern im Saarland verdienten sogar an der ÖFM, stellte Veith dar. Den Vorwurf einer „aggressiven Preispolitik“ und „Zerstückelung der Ackerflächen“ wehrte er ab. Den Unmut der Bauern könne er nicht verstehen: NLS und ÖFM hätten sogar neue Weideflächen geschaffen, etwa durch Entsiegelung von Industriebrachen. Durch verschiedene Projekte seien so über 600 Hektar neue landwirtschaftliche Fläche gewonnen worden. Durch Pflanzmaßnahmen der ÖFM seien hingegen lediglich 30 Hektar verlorengegangen.

Durch Ausgleichsmaßnahmen jenseits der Äcker, zum Beispiel an Fließgewässern, im Wald oder durch Rückbau von Campingplätzen, werde die Landwirtschaft bereits geschont. Hans Lauer, Geschäftsführer des Saar-Bauernverbands, hält dagegen: „Es hätten wesentlich mehr Ackerflächen in Anspruch genommen werden müssen, um dieselbe Zahl an Ökopunkten zu erreichen“, betonte Veith.

„Die Bauern entschließen sich nicht aus Mutwill oder Langeweile zu einem Protest.“ Der Verband stehe hinter den Bauern und teile die Auffassung, dass landwirtschaftliche Fläche in Bauernhand gehöre. Lauer kritisiert vor allem, dass ein ökologischer Ausgleich auf Ackerfläche am lukrativsten sei. „Wenn ein Maisfeld in eine Streuobstwiese umgewandelt wird, bringt das die meisten Punkte.“ „„Das ist ein Manko, das politisch beseitigt werden kann.“ Die Landwirte fordern, auf den weiteren Ankauf von Ackerland als ökologische Ausgleichsfläche zu verzichten. Am Montag sollen sie in einem Gespräch mit der Stiftung und Umweltminister Jost erneut Gelegenheit dazu haben.

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