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Air Berlin-Pilot verweigert herzkrankem Saarländer Mitreise

Mehrmals im Jahr muss Axel Walzinger nach Berlin – die Reisen fallen ihm schwer, aber eine Wahl hat der Saarlouiser nicht. Seitdem er im Jahr 2010 im Herzzentrum der Berliner Charité ein Kunstherz bekam, muss er zur regelmäßigen Kontrolle in die Bundeshauptstadt. Allein die Strapazen dieser Reisen strengten ihn sehr an, meint er. Wegen einer Auseinandersetzung mit einem Flugkapitän hat er nun zusätzlich Ärger: Dem Air-Berlin-Piloten hatte es im vergangenen Jahr offenbar gar nicht gefallen, dass der kranke Saarländer in Berlin in seinem Flugzeug saß.

Das Flugzeug ist für Walzinger das einzige Transportmittel, um in die Bundeshauptstadt zu gelangen. Alle vier Stunden nämlich muss er die Akkus für sein Kunstherz wechseln. Länger darf deshalb keine Reise dauern. Seine Ärzte stellten ihm dazu erstmals 2010 eine entsprechende Bescheinigung aus, in der sie schrieben, dass es „dringend erforderlich“ sei, dass er „mit dem Flugzeug (...) transportiert wird“.

Die Mediziner erklärten Walzinger gleichzeitig für flugtauglich. Bei jeder Flugreservierung wird die Airline seitdem über seine Krankheit, seine Flugtauglichkeit und sämtliche Geräte, die er mit sich führen muss, informiert. Air Berlin bestätigt dies. Anschließend lässt Walzinger sein Ticket buchen. Zusätzlich hat er unterwegs das ärztliche Attest zu seiner Flugtauglichkeit bei sich. Mehrere Beteiligte aus Walzingers Umfeld bestätigten dieses Prozedere.

An einem Morgen im Oktober 2012 sollte ihm all das nichts nützen. „Ich hatte im Herzzentrum einen neuen Schrittmacher bekommen und wollte nach Hause fliegen“, erzählt Walzinger. Das Ticket für den Heimflug nach Saarbrücken sei nach dem üblichen Vorgehen gebucht und ausgestellt worden – auch das bestätigen mehrere Beteiligte. Am Flughafen Berlin-Tegel habe er schon im Flugzeug gesessen, „da kam eine Durchsage des Piloten, dass sich der Start verzögere, weil bei einem Passagier die Papiere nicht in Ordnung seien“, erinnert sich Walzinger.

Der Flugkapitän sei anschließend zu ihm gekommen, denn Walzinger war der Passagier, bei dem die Papiere nach Auffassung des Kapitäns nicht stimmten. „Ich habe ihm mein Attest gegeben und die Liste mit den Telefonnummern des Herzzentrums, damit er dort anrufen kann“, erzählt der Saarlouiser. Der Pilot sei mit den Schreiben kurz verschwunden, anschließend habe er ihm zu verstehen gegeben, dass er wünsche, dass Walzinger das Flugzeug verlasse.

„Was meinen Sie, wie man sich da fühlt?“, empört sich Walzinger. Nach dem Vorfall sei er mit dem Taxi zurück ins Herzzentrum gefahren, habe eine weitere Nacht dort verbracht, ein neues Ticket bei Air Berlin kaufen lassen und sei am nächsten Morgen heimgeflogen – diesmal ohne Beanstandungen.

Nun geht Walzinger gerichtlich gegen Air Berlin vor. Vor dem Amtsgericht Berlin-Wedding hat er eine Zivilklage angestrengt, um zumindest das Geld für sein Ticket zurückzubekommen, das er auf Wunsch des Piloten verfallen lassen musste. Zudem erwarte er „wenigstens mal eine Entschuldigung“, sagt er.

Air Berlin will gegenüber der SZ zu dem Vorfall nichts sagen und verweist auf das anhängige Verfahren. In einer schriftlichen Stellungnahme für das Gericht, die der SZ vorliegt, bestreitet das Unternehmen derweil, dass Walzinger sein Attest bei sich hatte. „Der Kläger hätte durch die Vorlage der Flugtauglichkeitsbescheinigung den ersten Anschein, der reibungslose Ablauf des Fluges könnte aufgrund des sichtbaren Kunstherzes gefährdet sein, mühelos ausräumen können. Da der Kläger diese Bescheinigung jedoch nicht vorlegen konnte, gelang ihm dies nicht“, heißt es in dem Papier vom 12. September 2013.

„Ich habe dem Piloten meine Flugtauglichkeitsbescheinigung gegeben“, erklärt Walzinger und bleibt so bei seiner Version. Und noch jemandem habe er das Attest gezeigt: seiner Sitznachbarin. Diese Frau, die in Berlin im Flieger neben ihm gesessen habe, bevor er aussteigen musste, sucht Walzinger nun. Mit ihr hoffe er beweisen zu können, dass nicht er, sondern Air Berlin einen Fehler begangen habe.
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