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Aktion Anti-Abtreibung: Plastik-Embryos im Briefkasten

Saarbrücken. Mit einer provokanten Aktion will der Verein Durchblick darauf aufmerksam machen, dass auch das ungeborene Kind bereits ein vollwertiger Mensch sei. Ab Dienstag, 17. August, will der Verein an alle Haushalte im Saarland mit Tagespost ein Modell eines Embryos im Alter von zehn Wochen verschicken. Diese Aktion werde allein durch Spenden finanziert und koste 63.000 Euro, sagt Vorsitzender Thomas Schührer. „Eine Kampagne, die sich für das Leben ausspricht, ist zu begrüßen“, erklärt Hermann Scharf, sozialpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion.

Kinderschuhe symbolisieren Abbrüche

Der Verein Durchblick kommt aus Baden-Württemberg und ist grundsätzlich gegen Abtreibungen. Zusätzlich zu dem Verschicken der Embryomodelle stellten die Mitglieder gestern in der Saarbrücker Innenstadt 1278 Paar Kinderschuhe auf. Die Zahl entspricht den Abtreibungen, die im vergangenen Jahr an saarländischen Frauen vorgenommen wurden, wie das Statistische Amt Saarland auf Anfrage der Saarbrücker Zeitung bestätigte.

In Deutschland dürfen Frauen bis zum Ende der zwölften Schwangerschaftswoche strafffrei abtreiben lassen, wenn sie vorher an einer staatlich anerkannten Beratung teilgenommen haben. Diese Beratung geht Thomas Schührer nicht weit genug.  „Wenn ich schon auf der Internetseite von Pro Familia lese, dass bei einer Abtreibung nur Schwangerschaftsgewebe entfernt wird“, sagt Schührer. Der katholische Verein wolle darauf aufmerksam machen, dass bei jeder Abtreibung ein Mensch getötet werde.



Die Frauenbeauftragte der Stadt Saarbrücken, Petra Messinger, lehnt die Aktion des Vereins ab. „Hier werden Methoden angewandt, die Frauen an den Pranger stellen und durch Begriffe wie ‚vorgeburtliche Kindstötung’ kriminalisieren“, sagt sie. 300.000 saarländischen Haushalten ein Embryomodell zu schicken, wie es der Verein vor hat, halte sie „für einen Übergriff auf arglose und völlig unbeteiligte Menschen. Ich empfehle, den Umschlag ungeöffnet zu entsorgen.“

„Zur Vorbeugung ungewollter Schwangerschaften sind aus unserer Sicht eine verbesserte Sexualaufklärung sowie ein partnerschaftlicher Umgang mit Verhütungsmitteln erforderlich“, sagt die frauenpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, Claudia Willger-Lambert. Ähnlich sieht das Birgit Huonker, Sprecherin der Linken im Saarland. „Jede Frau hat das Recht, allein und ohne staatliche Bevormundung oder Belehrungsversuche über sich und ihren Körper zu entscheiden.“ Eine vorurteilslose Aufklärung sei die Basis, damit Frauen die Entscheidung für oder gegen eine Abtreibung „verantwortungsvoll, eigenständig und unbeeinflusst treffen können“, erklärt Christoph Kühn, frauenpolitischer Sprecher der FDP-Fraktion. Die SPD gab keine Stellungnahme ab.

Durchblick will mit dem Embryomodell auch auf die Folgen von Abtreibungen für betroffene Frauen hinweisen. Dazu gehöre das so genannte Post Abortion Syndrome. Damit seien alle psychischen Symptome gemeint, die nach einer Abtreibung auftreten könnten. „Es gibt kein Post Abortion Syndrom. Das ist von christlichen Sektierern erfunden und eingeführt worden, um den Frauen ein schlechtes Gewissen einzureden“, sagt der Leiter der Beratungsstelle Pro Familia in Saarbrücken, Heinz Krämer.
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