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Aktion „Nette Toilette“kommt in St. Ingbert gut an

 Symbolfoto

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Maria Di Marco, Inhaberin von „Marie's Café“ in der Ludwigstraße ist symphatisch und nett. Es ist also keine Frage, dass sie zu den fünf Gastronomen St. Ingberts gehört, deren Toilette ebenfalls eine „Nette“ ist. Es käme ihr nie in den Sinn, einem Passanten den Besuch ihres stillen Örtchens zu verwehren, auch wenn er im Café nichts konsumiert hat. „Das kann ich doch nicht machen“, so ihr Selbstverständnis vom Service für alle. Und das war auch schon so, bevor der „Nette Toilette“-Aufkleber Anfang Juli an die Eingangstür kam.

Nachdem das Projekt der „Netten Toilette“ schon länger in Planung war, wurde es vor knapp zwei Monaten umgesetzt. Grund war die mangelhafte „Versorgung“ mit öffentlichen Toiletten in der Innenstadt, die immer wieder für Diskussionen sorgte. Selbst solch ein Kaufhaus wie H&M oder auch die Geschäfte in der Fußgängerzone können ihren Kunden bei einem „dringenden Geschäft“ nicht helfen. Manchmal drücken Verkäufer und Inhaber bei Stammkunden ein Auge zu und lassen den Gang auf die Personaltoilette zu.

Verpflichtet sind sie dazu nicht. In anderen Fällen verweisen sie automatisch auf die umliegenden Lokale. Ungeschriebenes Gesetz ist es aber, dass man nicht auf die Toilette eines Restaurants geht, wenn man dort nicht zu Gast ist. Obwohl die meisten Gastronomen in St. Ingbert kein Problem damit haben, wenn man nett fragt, ist es vielen unangenehm, den Gastraum nur für die Toilettenbenutzung zu durchqueren. Also war es Zeit für das Konzept der „Netten Toilette“, bei dem den teilnehmenden Wirte aus Mitteln des städtischen Haushalts eine monatliche Aufwandsentschädigung dafür bezahlt wird, dass jedermann das Klo benutzen darf.

Bei Maria Di Marco wird davon Gebrauch gemacht. Sie kann zwar nicht beziffern, wie viele Leute es nutzen, sie registriert aber schon, dass Passanten das Schild mit der hellgrünen Aufschrift suchen und dann erst das Café betreten, um austreten zu gehen. Auch das „Bistro SoHo“ ist so nett, seine Toilette auch dem „Nicht-Gast“ zu öffnen. Gast Reinhardt Willi kennt das St. Ingberter-Toiletten-Problem. Als er in St. Ingbert unterwegs war, bevor es die „Nette Toilette“ gab, begab er sich auf die öffentliche am Busbahnhof. „Doch was sollen die machen, die es nicht aushalten können oder inkontinent sind?“, fragt der 72-Jährige, der die Initiative begrüßt.

 

Dank an Seniorenbeirat

„Ich finde es ganz wichtig, dass die Lokale da mitmachen“, sagt der St. Ingberter und schiebt nach, dass auf dem (Toiletten-)Sektor in St. Ingbert nichts los ist. „Ich finde es vor allem sehr gut, dass sich der Seniorenbeirat so dafür eingesetzt hat.“ Am Restaurant „Toscana" wurde am 5. Juli der allererste Aufkleber angebracht. Für Jerome Bour war es gar keine Frage bei der Aktion mitzumachen, da schon vorher jeder seine Toilette im Obergeschoss benutzen durfte. Vielleicht auch deshalb, weil er mit zwei Kindern weiß, wie schwierig es in St. Ingbert ist, eine Toilette zu finden, wenn man mal dringend muss. Das bestätigt seine Frau Denise, die auch schon die Dankbarkeit von Toilettenbenutzern erlebte. Eine Frau hätte ihr gesagt, dass sie doch eine Kasse aufstellen solle. Für eine saubere Toilette und allein für die Freundlichkeit, sie nutzen zu dürfen, würde sie gern extra bezahlen. Beim „Eiscafe Europa“ hat man gleich ganz auf den Sticker verzichtet. „Bei uns kamen schon vorher die Leute, auch von den umliegenden Geschäften, rein, um auf die Toilette zu gehen. Das ist schon seit Jahren so. Schließlich haben wir die einzige Toilette, die ohne Stufen erreichbar ist. Das ist bequem für die Leute“, so Romeo Da Col. Bei ihm könne man sogar mit Rollschuhen auf die Toilette fahren, wie er lachend versichert.

 

Nett waren alle fünf „Nette Toilette“-Inhaber, zu denen auch das „Bellini“ gehört, schon vorher. Das Klebe-Emblem ist also nur das äußere Zeichen einer inneren Einstellung.
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