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Alle Notrufe landen jetzt auf dem Winterberg

Disponenten nehmen an hochmodernen Arbeitsplätzen in der Integrierten Leitstelle die 112-Notrufe an. Fotos: ZRF Saar

Disponenten nehmen an hochmodernen Arbeitsplätzen in der Integrierten Leitstelle die 112-Notrufe an. Fotos: ZRF Saar

Am 1. Januar 2016 wird auf dem Saarbrücker Winterberg etwas passieren, was viele schon nicht mehr für möglich gehalten haben. Die Integrierte Leitstelle (ILS) für Feuerwehr und Rettungsdienst nimmt ihren Betrieb auf – mit siebenjähriger Verspätung. Wer vom 1. Januar an den Rettungsdienst oder die Feuerwehr ruft und die 112 wählt, landet immer bei einem Mitarbeiter der Leitstelle auf dem Winterberg. Träger der ILS ist der Zweckverband Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung Saar (ZRF), ein Zusammenschluss der fünf Landkreise und des Regionalverbands Saarbrücken .

„Der jahrelang beklagte Missstand, dass die Notrufnummer 112 je nach Standort und Telefon (Handy oder Festnetz ) bei drei unterschiedlichen Leitstellen – nämlich der Einsatzzentrale der Vollzugspolizei, der Haupteinsatzzentrale der Berufsfeuerwehr Saarbrücken oder der Rettungsleitstelle Winterberg – angenommen wurde, ist damit ab 1.1.2016 endgültig behoben“, teilte der ZRF mit. Für hilfesuchende Bürger werde es künftig einfacher.

In der Vergangenheit gab es einen regelrechten Flickenteppich beim Notruf 112: In einigen Landkreisen kam man bei der Saarbrücker Berufsfeuerwehr raus, in anderen auf dem Winterberg, im Regionalverband bei Anrufen aus dem Festnetz bei der Berufsfeuerwehr, über Handy oder über IP-Telefonanschlüsse bei der Polizei . Einiges wurde bereits vor mehreren Monaten umgestellt, zum 1. Januar 2016 folgt nun die Umstellung im Regionalverband.

Eine Integrierte Leitstelle mit einer gemeinsamen Notrufnummer für Rettungsdienst und Feuerwehr ist in vielen Regionen Deutschlands längst Standard. Im Saarland brauchte es länger dafür. Zwar schrieb der Landtag schon 2006 ins Gesetz: „Die Integrierte Leitstelle des Saarlandes soll spätestens zum 1. Januar 2009 in Betrieb genommen werden.“ Doch es passierte: nichts. Denn die Konstruktion mit zwei Standorten (Rettungsleitstelle Winterberg und Haupteinsatzzentrale der Saarbrücker Berufsfeuerwehr im Hessenweg), die sich der Landtag 2006 ausgedacht hatte, kam nicht zustande. Der ZRF und die Stadt Saarbrücken , die die ILS gemeinsam betreiben sollten, wurden sich nicht einig. Der erforderliche Vertrag scheiterte am Streit über Personal, Technik, Kosten und Zuständigkeiten. Beide Seiten beschuldigten sich gegenseitig, das Projekt torpedieren zu wollen – bis die Verhandlungen am 8. Oktober 2014 schließlich für gescheitert erklärt wurden.

Damit war der Gesetzgeber wieder am Zug. Die große Koalition räumte ein, „dass der Weg, die Integrierte Leitstelle des Saarlandes auf vertraglicher Grundlage zwischen den beiden Trägern ins Leben zu rufen, nicht zielführend verlaufen ist und sich angesichts der aktuellen Situation auch keine Wende abzeichnet“. CDU und SPD änderten daraufhin das Gesetz und kegelten die Stadt Saarbrücken als Träger aus dem Projekt. Zum alleinigen Träger der ILS wurde der ZRF bestimmt. Laut Gesetz koordiniert der ZRF nicht nur alle Rettungsdienst-Einsätze im Saarland, sondern ist auch für die Alarmierung der Feuerwehren im gesamten Saarland zuständig. Für den Regionalverband Saarbrücken , wo die Freiwilligen Feuerwehren traditionell von der Berufsfeuerwehr in die Einsätze geschickt werden, gibt es eine Sonderkonstruktion: Hier soll die Haupteinsatzzentrale der Berufsfeuerwehr in die Alarmierung „eingebunden“ werden. Ruft jemand aus dem Regionalverband per Notruf die Feuerwehr um Hilfe, so landet er zwar auf dem Winterberg, wird von dort aber sofort zur Saarbrücker Berufsfeuerwehr durchgestellt.

Mit der Integrierten Leitstelle wird sich auch die Funktion der Rufnummer (0681) 19222 ändern. Mit ihr kommt man direkt zur Rettungsleitstelle, weshalb sie in den letzten Jahren wie eine Notrufnummer beworben wurde. Sie soll künftig zu einer Service-Nummer umfunktioniert werden, über die man beispielsweise Krankentransporte anfordern kann.

 

Meinung:
 

Das darf sich nicht wiederholen

Von SZ-RedakteurDaniel Kirch

Mit Ruhm bekleckert haben sich die Beteiligten beim Projekt Integrierte Leitstelle wahrlich nicht. Dass sich die Landkreise und die Stadt Saarbrücken seit dem Landtagsbeschluss im Jahr 2006 nicht einigen konnten, bleibt eine dicke Blamage für das gesamte Land. Daher sollte man sich nun, da das wichtige Projekt endlich steht, über die Lehre aus dem Trauerspiel klar werden. Sie lautet: Verhandlungen sind gut und schön – wenn sie denn zum Ziel führen. Wenn das nicht klappt, wie im vorliegenden Fall, muss die Landespolitik den Mut aufbringen, Beteiligten rechtzeitig auf die Füße zu treten und Fakten zu schaffen. Anzuwenden wäre das künftig etwa bei der Zusammenarbeit von Kommunen. Wenn es hier beim Schneckentempo der vergangenen Jahre bleibt, muss der Gesetzgeber handeln.
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