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Alptraum Zwangsheirat: Das Saarland will Betroffenen beistehen

Saarbrücken. Die Hochzeit gilt als der schönste Tag im Leben einer Frau. Doch nicht jede Braut nimmt gute Erinnerungen von diesem Fest mit auf ihrem weiteren Weg. Im vergangenen Jahr gab es allein im Saarland 20 konkrete Fälle, in denen eine Frau gegen ihren Willen verheiratet worden ist oder kurz davor stand. Die Dunkelziffer dürfte weitaus größer sein. Gegen diese Form der Diskriminierung möchte das Land nun ein Zeichen setzen. Das saarländische Ministerium für Arbeit und Soziales hat am Freitag zusammen mit dem Runden Tisch gegen Menschenhandel, dem Deutsch-ausländischen Jugendclub (DAJC) und weiteren saarländischen Migrantenorganisationen die Kampagne „Nein zur Zwangsheirat“ ins Leben gerufen. „Sich den Partner selbst aussuchen zu können, zählt zu den existenziellen Menschenrechten dazu, und es gibt keinen Grund, dieses Recht einzuschränken“, erklärte Ministerin Anne Kramp-Karrenbauer (CDU) bei der Online-Schaltung des Projekts. Mit jenem Internet-Auftritt , Postkarten, Broschüren in mehreren Sprachen und einer Telefon-Hotline unter Tel. (0800) 1 61 11 11 sollen Betroffene sowie bedrohte Mädchen und Jungen über präventive Maßnahmen informiert werden und Hilfe erhalten, so die Ministerin. Im Zentrum der Kampagne steht das Online-Portal, über das Hilfesuchende in einem ersten Schritt mit dem Mädchenhaus in Bielefeld verbunden werden. Dort erhalten sie professionelle Hilfe.

„Die Lage kann in extremen Fällen sogar lebensbedrohlich sein"

Diese ist auch erforderlich, da sich die jungen Frauen möglicherweise in sehr schwierigen Situationen befinden und innerhalb kürzester Zeit sich von ihrer kompletten Familie und ihrem sozialen Umfeld trennen müssen. „Die Lage kann in extremen Fällen sogar lebensbedrohlich sein“, erklärt Birgit Mohns-Welsch vom Runden Tisch. Aus diesem Grund können Betroffene auch anonym an die Kontaktstellen wenden. Es sei wichtig, in diesem Zusammenhang über kronkrete Hilfe hinaus auch das Selbstvertrauen junger Mädchen mit Migrationshintergrund zu stärken und deren Vertrauen zu gewinnen, so Annegret Kramp-Karrenbauer.Die Hilfskräfte möchten mit den Betroffenen dann auch erarbeiten, wie diese auch nach einer Trennung von ihrem Umfeld finanziell auf den eigenen Beinen stehen können. An dem Projekt haben neben den Institutionen auch Jugendliche mitgeholfen, denen die Kampagne am Herzen liegt. Wie viele andere zeigt die 19-jährige Peri Özdemir ihr Gesicht auf den Plakaten und Flyern, die nun verteilt werden sollen. Sie hat von einem aktuellen Fall von Zwangsheirat in der Osttürkei, bei das Mädchen von ihren verwandten ermordet wurde, über die Medien erfahren und möchte nun bei dem Projekt helfen. „Aus meinem direkten Umfeld ist mir kein Fall bekannt, aber ich möchte ab sofort auf das Thema aufmerksam machen“, erklärt die Saarländerin.
 
:: www.zwangsheirat-saarland.de

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