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Altenheime: Bewohner sollen sich auf Keime testen lassen

Die rund 12.000 Bewohner der saarländischen Alten- und Pflegeheime sollen in den kommenden Wochen auf multi-resistente Keime untersucht werden. Diese Keime – am bekanntesten ist der Krankenhauskeim Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus (MRSA) – sind mit Antibiotika kaum noch zu bekämpfen und stellen bei einer Infektion daher ein großes Gesundheitsrisiko dar. Ältere und pflegebedürftige Menschen hätten ein höheres Risiko, solche Keime zu tragen, sagt Professor Mathias Herrmann, Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene am Homburger Uniklinikum, der SZ. Daher sei es naheliegend, nach Krankenhauspatienten im Jahr 2010 nun die Bewohner von Alten- und Pflegeheimen zu untersuchen. Herrmann koordiniert das landesgeförderte „MRSAar“-Netzwerk, in dem sich ambulante und stationäre Gesundheitseinrichtungen im Saarland zum Ziel gesetzt haben, die Verbreitung multi-resistenter Keime zu reduzieren.

Die Untersuchung in den Heimen, die Anfang September beginnen wird, ist auf vier bis sechs Monate angelegt. Ziel sei es, die Verbreitung multi-resistenter Keime im stationären Alten- und Pflegebereich „möglichst umfassend und lückenlos“ zu erfassen, teilte Sozial-Staatssekretärin Gaby Schäfer (CDU) jüngst mit. Es sei die bundesweit erste Untersuchung im Pflegebereich, die ein gesamtes Flächenbundesland umfasse. Bei den Bewohnern der Alten- und Pflegeheime sollen, wie Herrmann erläuterte, mit Tupfern Abstriche genommen werden, und zwar an den Naseneingängen, im Rachen und im Analbereich. Dies können entweder das für die Untersuchung geschulte Pflegepersonal oder die Bewohner selbst tun. Die Teilnahme an der Untersuchung sei freiwillig. Bei auffälligen Befunden würden die Bewohner informiert. Wer mit MRSA besiedelt sei, erhalte Desinfektionsmittel beispielsweise für Haut und Haare. 60 bis 80 Prozent der MRSA-Besiedelten könnten den Erreger auf diese Art und Weise wieder loswerden und sich so vor einer Infektion schützen. Eine einmal eingetretene Infektion erfordere in der Regel jedoch ärztliche Behandlung.

Das Bakterium Staphylococcus aureus ist nach Herrmanns Worten weit verbreitet; jeder dritte Saarländer trage es immer mal wieder. Seine Antibiotika-resistente Variante MRSA sei zwar deutlich weniger verbreitet und betreffe dann am ehesten Menschen in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen. Hier bestehe allerdings die Gefahr, dass der Keim – beispielsweise bei medizinischen Eingriffen wie Operationen – unter die Haut gelange und dort schwere Komplikationen wie Knochenmarkeiterungen, tiefe Abszesse oder Infektionen des Herzens oder der Gefäße auslöse. Infektionen durch den MRSA-Erreger kosten laut Herrmann pro Jahr deutschlandweit 10.000 bis 15.000 Menschen das Leben. „Das ist ein Preis unseres medizinischen Fortschrittes“, sagt der Institutsdirektor. „Ihn klein zu halten, ist durch neue Antibiotika nur noch sehr begrenzt möglich. Deshalb müssen wir andere Wege finden, die Übertragung des Erregers, die unerkannt passiert, zu unterbrechen. Dazu brauchen wir Hygiene-Standards, Kenntnis der regionalen Belastung mit dem Erreger und die Sensibilisierung aller im Gesundheitssystem Tätigen.“ Dabei soll die neue Untersuchung helfen.

Im Jahr 2010 hatte es eine ähnliche Untersuchung in den 24 saarländischen Krankenhäusern gegeben. Damals wurden innerhalb von zwei Monaten 20.027 Patienten untersucht, von denen 436 positiv auf den Erreger MRSA getestet wurden. Das Risiko, von einem multi-resistenten Erreger besiedelt zu sein, war laut Herrmann in gerontologischen Abteilungen vier Mal höher als im Durchschnitt. Fast alle MRSA-Träger seien über 60 Jahre alt gewesen.

MRSA-Risikofaktoren seien die typischen Begleitumstände älterer Menschen, etwa Diabetes, chronische Hautwunden oder Pflegebedürftigkeit. „Diese neue Untersuchung in den Heimen ergänzt daher die bereits vorliegenden Erkenntnisse und macht das Saarland zu einer Beispielregion hinsichtlich flächendeckender Erfassung und Prävention von multiresistenten Erregern“, so Herrmann.
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