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Altenkessel: Mann provoziert beim Frauenbad

Die Aufregung hat sich gelegt: Das Altenkesseler Frauenschwimmen wird zur Normalität.

Die Aufregung hat sich gelegt: Das Altenkesseler Frauenschwimmen wird zur Normalität.

Altenkessel. Die Wogen hatten sich auf den ersten Blick geglättet. Das zweite „Interkulturelle Frauenschwimmen“ begann am Samstag im Altenkessler Alsbachbad ruhiger. Kein Verkehrschaos, keine Demonstranten, keine Fernsehkameras, niemand aus der Politik. Aber es war trotzdem eine Menge los. 240 weibliche Badegäste, viele von ihnen Muslimas, zählte Peter Schade, Geschäftsführer der Bäderbetriebsgesellschaft, zwischen 15 und 18 Uhr. Und es fehlte noch etwas, das in den vergangen Wochen, die Gemüter erhitze: Der Sichtschutz, der beim ersten Frauenschwimmen vor vier Wochen noch draußen am Zaun den Einblick ins Schwimmbad versperrte, war ebenfalls weg. Männern sollte der Blick in die Schwimmhalle verwehrt werden, weil nach dem großen Medienrummel nicht abzusehen war, „wer alles aus Protest vor das Schwimmbad kommt“, so Ingrid Scholz vom Völklinger Verein „Baris – Leben und Lernen“.

„Ich darf nicht schwimmen, wenn Männer da sind“

„Ich darf nicht schwimmen, wenn Männer da sind“, erläuterte die strenggläubige Hülya Öztek (36) aus Völklingen am Beckenrand. Sie war schon beim ersten Frauenschwimmen dabei. Ihre Schwimmkleidung unterscheidet sich von gewöhnlicher Badebekleidung, die hier von fast allen Frauen getragen wurde. „Ich trage Haschema“, weil sie sich so wohler fühle. Anders als ein Burkini, der den ganzen Körper verhüllt, gehen ihre Hosen nur bis zu den Knien. „Ich habe erst letztes Jahr schwimmen gelernt.“ Dafür sei sie einmal die Woche nach Burbach gefahren. Dort veranstaltet der Deutsch-Ausländische Jugendclub (DAJC), der auch das Frauenschwimmen in Altenkessel organisiert, seit 2009 im Lernschwimmbecken der Gesamtschule Rastbachtal Frauenschwimmkurse. Eine erfolgreiche Teilnehmerin war Öztek. „Ich kann sogar tauchen“, schmunzelte die dreifache Mutter, die seit 16 Jahren in Völklingen lebt.

"Hier ist viel mehr los als in Burbach"

Dass sie hier mit vielen Frauen nun einmal im Monat drei Stunden schwimmen kann, freut die Türkin. „Hier ist viel mehr los als in Burbach. Dort konnten nur 20 Frauen schwimmen, weil das Becken so klein ist.“ Dass der Sichtschutz am Zaun verschwunden ist, störte sie nicht. „Da ist ja niemand.“ Im Becken tastet sich vorsichtig eine Türkin voran. Erste Schwimmversuche, die von einer Bademeisterin begleitet werden. Auf Türkisch sagt Öztek etwas Aufmunterndes, die Frau lächelt vorsichtig.

Was die vielen Frauen und Kinder in der Schwimmhalle bei all dem Trubel und fröhlichem Geplantsche nicht bemerkten, war die schlechte Stimmung in der Gaststätte des Kombibades. Hier saßen an einem Tisch Stammgäste, die sich ärgerten, dass die Fensterfront mit Blick auf die Schwimmhalle von dicken Vorhängen versperrt war. „Ich guck’ den Frauen doch nichts weg“, schimpfte eine Altenkesselerin. „Beim letzten Mal sind einige Frauen auch in Straßenkleidung wie Jogginghose ins Wasser gestiegen. Das geht doch nicht.

Ob das heute auch so ist, kann ich nicht sagen, ich sehe ja nichts“. Ingrid Scholz (Baris), die hier ihre Kolleginnen von DAJC unterstützte, war enttäuscht, dass ein Mann „ständig auf die Terrasse“ der Gaststätte ging. „Er will provozieren. Von dort aus kann man auf das Becken schauen. Wir hatten gehofft, dass die Terrasse geschlossen bleibt und die Frauen in Ruhe schwimmen können.“

Ein „geschütztes Schwimmen“, bei dem Muslimas, aber auch deutsche Frauen mit Operationsnarben oder einem anders begründeten Schamgefühl, ungeniert bewegen können, sei so nicht gewährleistet. „Wenn Männer hier auf der Terrasse rumlaufen, kann ich das Frauenschwimmen unseren Frauen nicht mehr empfehlen.“ Der 57-jährige Mann widersprach. Er sei „seit kurzem Stammgast“ und wolle sich „in einem christlichen Land frei bewegen.“ Sein Kumpel gab ihm Recht.

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