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Am 12. Dezember spielen Silbermond in Saarbrücken

Herr Nowak, Sie sind vor einiger Zeit nach mit „Wir sind Helden“ oder „Juli“ verwechselt worden. Von beiden hört man inzwischen nur noch wenig. Habt Ihr diese Welle des „Neuen Deutschen Rocks“ am besten genutzt?
Andreas Nowak: Wir kennen uns als Kollegen, haben uns oft auf Festivals getroffen, aber die letzten Jahre haben wir uns live nicht mehr gesehen. Wie die Situation bei den anderen Bands ist, kann nicht sagen. Sie sind ja auch älter geworden und wenn man als Musiker Vater oder Mutter wird, muss man die Prioritäten neu setzen. Aber wir mögen Wir sind Helden oder Juli und haben immer gerne zusammengespielt.

Angenommen Sie wären nicht Silbermond, sondern ganz normale Leute: Wann würden Sie sich Silbermond-Musik anhören?
Nowak: Wenn wir an einem Album arbeiten, hören wir die Lieder gefühlte tausend Mal. Und wenn das Album fertig ist, sind wir froh, dass es fertig ist. Ich glaube keiner von uns hört privat noch mal das Album auf der Couch. Denn da hört man Dinge heraus, die man hätte anders machen können. Das ist immer Arbeit, wenn man seine eigenen Stücke hört. Aber wir spielen die Lieder immer gerne live.

Manche Musiker, die Jahrzehnte lange ihre Hits runterdudeln, entwickeln eine regelrechte Antipathie gegen ihre Erfolgsstücke. Ist das bei Ihnen schon ähnlich?
Nowak: Nein, gar nicht. Wir können froh sein, Stücke zu haben wie Symphonie, die vieles ermöglicht haben. Wir kennen das aus eigener Erfahrung, wenn wir zu den Konzerten unserer Lieblingsbands gehen und genau der Hit fehlt, den wir gerne hören würden. Das ist dann ärgerlich.

Was sind denn Ihre Lieblingsbands?
Nowak: Jeder uns von uns hat einen anderen Geschmack und hier gibt es ja viele Möglichkeiten, Konzerte zu besuchen (die Bandmitglieder leben in Berlin, Anmerkung d. Red). Wir mögen Dredg sehr, aber auch die neuen deutschen Bands. Wir sind sehr offen und konzertgierig.

Wie oft besuchen Sie denn Konzerte?
Nowak: Das kommt drauf an, ob wir eine Phase haben, in der wir selber viel unterwegs sind oder ob wir aufnehmen. Da hat man in der jeweiligen Stadt viel Zeit. Generell aber mindestens zweimal im Monat.

Haben Sie bei den vielen Konzertbesuchen auch schon Kontakte geknüpft, etwa bei internationalen Künstlern selbst ins Vorprogramm zu rutschen?
Nowak: Wir haben ja schon mal vor Pink gespielt, vor Lenny Kravitz. Und auf Festivals bei Rock am Ring oder dem Hurricane vor den Foo Fighters. Da kommt man schon in Kontakt kurz vor dem Auftritt.

Ist Ihnen da eine Begegnung besonders im Gedächtnis geblieben?
Nowak: Das war eben Dave Grohl von den Foo Fighters. Beim Highfield-Festival war er da und wir standen ehrfürchtig und eingeschüchtert in seiner Nähe. Irgendwann haben wir uns dann getraut, mit ihm ins Gespräch zu kommen. Die Begegnung ist uns sehr stark in Erinnerung geblieben.

Was entgegnet ihr Kritikern, die sagen, Sie klingen immer ähnlich und sind auf Herzschmerz-Stücke festgelegt?
Nowak: Wer das neue Album hört, weiß, dass das nicht so ist. Natürlich sind die Singles oder Lieder, die präsenter sind, immer die ruhigeren Nummern. Aber letztendlich hören die Leute das gerne und das Radio spielt die Lieder gerne. Wenn man unser neues Album „Himmel auf“ hört, erkennt man, dass es stärkere Gitarren gibt und neue Sounds und Themen, die gesellschaftskritisch sind. Nicht nur „der Freund hat mich verlassen und ich trauere ihm nach“.

Inwiefern beruhen die Texte auf wahren Begebenheiten?
Nowak: Auf Erfahrungen von Anderen und auch auf persönlichen Erfahrungen und natürlich Fantasie. Wichtig ist, sich in Situationen reinversetzen zu können.

Welches ist Ihr Lieblingslied auf der aktuellen CD und warum?
Nowak: Das ist schwer. So wie wenn man 14 Kinder hat und eins bevorzugen soll. Wir mögen das Album als ganzes, haben uns bei der Produktion sehr reingehängt und besonders viel mit dem Klang beschäftigt und sehr in die Texte reingehangen. Ich finde es wichtig, dass man als Band sagen kann, wir haben es zu 100 Prozent so gemacht, wie wir es machen wollten. Wenn wir live spielen, hat aber sicher jeder ein anderes Lieblingsstück.

Wie ist das bei Ihnen – die Songs mit ordentlich Schlagzeug-Einsatz?
Nowak: „Krieger des Lichts“ gefällt mir sehr gut, das hat eine tolle Aura. Und vom neuen Album „Ja“, da spiele ich ein wenig Klavier und finde das ganz spannend. Ich mag das Outro des Liedes, ja und „Unter der Oberfläche“ unseren neuen Opener mag ich auch besonders.

In den PR-Texten zu Ihrem neuen Album sagen Sie, Sie wollten sich selber überraschen und Dinge finden, die Sie nicht langweilen. Wie überrascht man sich denn auf Ansage selbst?
Nowak: Auf Ansage, na ja. Dadurch, dass wir vier Musiker sind, kann der eine schon den anderen überraschen. Unser Gitarrist Thomas hat viele Demos gemacht und viel ausprobiert. Wenn man die Demo hört und sagt: „Krass, das ist eine tolle Idee aber ich hätte nicht gedacht, dass das zu uns passt“, dann ist das so eine Überraschung. Oder wenn ich einen Beat anbiete, und die andren sagen: „Das ist gut um die Ecke gedacht“. Es ist wichtig, die Dinge nicht von vorneherein zu verurteilen. Wir haben uns da eine gewisse Naivität erhalten.

Gibt es eine feste Rollenverteilung, wer schreibt, wer komponiert?
Nowak: Thomas ist der Häuptling, er hat die Melodien und Harmonien im Kopf und ist in der Technik sehr bewandert, was das aufnehmen angeht.

Und die Texte?
Nowak: Die schreiben wir zusammen, hauptsächlich Thomas und Stefanie. Ich und Johannes leisten auch unseren kleinen Beitrag.

Was war bei Himmel-auf Ihr Beitrag?
Nowak: Wir haben uns meistens zu zweit oder zu dritt hingesetzt. Ich habe ein paar Zeilen gesagt oder angeboten, denn wurden Zeilen oder Wortgruppen genommen. Bei dem Album kam das Meiste von Thomas und Stefanie. Bei den Alben zuvor war das ein bisschen anders.

Wenn um jedes Wort gefeilscht wird, klingt das nach enormem Zeitaufwand?
Nowak: Ja, Texten ist das Zeitaufwändigste, das Schwierigste. Es ist ein ganz ganz langer Weg. Man schmeißt so viele Texte und Ideen weg. Das ist ein Alptraum. Vor allem weil die Leute kritischer sind, weil wir auf Deutsch singen. Bei englischen Texten wäre da mehr möglich. Wir müssen jedes Wort genau überprüfen. Wenn die Fans manche englische Liedtext genau verstehen würden, würden Sie den Machern den Vogel zeigen.

Was sind die Unterschiede von „Himmel auf“ zu den Vorgängern?
Nowak: Es gibt Themen wie bei „Weiße Fahnen“, einem Lied über Kindersoldaten. Das hätte es bei den Alben davor nicht gegen, da war jetzt der Zeitpunkt reif. Es ist ein wichtiger Punkt, dass dieser Schritt nun passiert ist. Und bei der Produktion haben wir viel mehr selbst übernommen.

Was war denn für Sie mal so ein „Himmel-Auf-Moment“?
Nowak: Gute Frage. Da gibt’s viele. Wir sind leidenschaftliche Fußballer, aber wir können nur spielen, wenn wir ein Album schreiben oder aufnehmen. Wenn wir während der Tour spielen und es verletzt sich einer, dann müssen wir Auftritte absagen. Das geht nicht. Also haben wir es in der letzten Saison genossen, Fußball zu spielen. Und wenn man als Abwehrspieler ein Tor schießt, dann ist das so ein „Himmel-auf“-Moment.

Sind Sie der Abwehrspieler?
Nowak: Genau. Thomas ist der Mittelfeldspieler, ich würde sagen der Khedira in unserem Team. Und Johannes steht vorne rum und macht die Dinger dann rein.

Er ist der Mario Gomez im Team?
Nowak (lacht): Ja genau das ist er.

Mal kurz weg von der aktuellen CD: Sie haben bei "Bis zum Schluss"  zusammen mit Rapper Curse gearbeitet. Wie kam es dazu?
Nowak: Das ist ganz klassisch entstanden. Wir haben uns bei einem Schweizer Festival kennengelernt. Wir haben bis um halb eins oder halb zwei gespielt, waren als letztes fertig. Dann wollten wir Backstage noch was trinken, doch die Bands vor uns hatten alle Bestände an der Bar leergetrunken. Curse stand an der bar, Stefanie hat sich mit ihm unterhalten, die Nummern getauscht und irgendwann hat er gefragt, ob wir ein Duett machen wollen. Das war bereichernd und ganz toll, da sind Welten aufeinandergeprallt, wir haben ganz viel Freude gehabt.

Also könnten Sie sich so eine Zusammenarbeit noch mal vorstellen?
Nowak: Ja klar, und mit Udo Lindenberg oder Jan Delay haben wir so was auch schon gemacht.

Sie haben für Ihre Konzerte regionale Vorbands gesucht. Wie kam die Idee zustande?
Nowak: Die Idee gibt’s bei uns sei der ersten Tour. Wir wissen es zu schätzen, so unterwegs zu sein und wollen von unserem Glück auf Tour zu sein, etwas abgeben. Gerade kleine Bands haben es in vielen Regionen schwer an Auftritt zu kommen. Dass die Leute in der Stadt sie bei einem Konzert von uns als Vorgruppen hören, das hat sich bewährt. Die Bands sind froh. Für uns ist es natürlich viel Arbeit, wir hatten jetzt über 1000 Bewerbungen für die Tour. Man muss da genau hinhören, ob gewisse Grundlagen da sind, ob die Bewerber live spielen können.

Und wer hat für Saarbrücken warum den Zuschlag bekommen?
Nowak: “The Outset” werden spielen, das ist eine sehr junge Band, fünf Leute. Wir hatten auch stilistisch ganz unterschiedliche Bewerbergruppen, Reggae-Bands oder punkigere, möglichst sollen sie nicht so klingen wie wir (lacht) Wir haben auch Tom Lüneburger, einen Singer-Songwriter, dabei. Ein toller Typ, wir schauen, ob wir live zusammen performen. Stefanie hat mit ihm ein Duett gemacht.

Welche Neuerungen, speziellen Momente oder Ideen wird es bei dieser Tour geben?
Nowak: Wir haben uns seit einem Jahr mit der Tour beschäftigt. Wichtig ist uns, dass die Konzerte sehr intim, sehr persönlich sind, wir nah an den Leuten spielen. Auch wollen wir die Preise sehr moderat halten. Da kannst du natürlich keine Madonna-Show abfeuern.

Inwiefern haben Sie überhaupt Einfluss auf die Preise?
Nowak: Den entscheidenden. Wenn wir sagen, das Ticket soll nur um die 30 Euro kosten, dann wird es so gemacht. Dann kann man natürlich nicht 30 Tänzer auf der Bühne haben oder 50 Kostüme. Aber letztlich zählt ja die Musik, sie soll im Mittelpunkt stehen.

Manche Bands versäumen es, im richtigen Moment abzutreten. Sie seid zwar noch jung, aber was müsste passieren, damit auch Sie sagen: Jetzt machen wir doch lieber Schluss?
Nowak: Ich sage immer, wenn meine Kinder mal sagen „Papa, was du da auf der Bühne machst, ist ganz schön peinlich“ – dann höre ich auf. Kinder haben da einen ganz objektiven Blick.

Und wenn Ihnen Ihre Musik mal langweilig wird und Sie ein Album aufnehmen wollen, das so ganz anders klingt: Wie würde sich das anhören?
Nowak: Das ist schwierig zu sagen. Wir haben Bock mal ganz andere Dinge zu machen. Es ist wichtig, wenn man als Band mal kurz in andere Richtungen strömt und neue Dinge aufsaugt. Wir haben auch einige Klänge im Kopf. Aber wie sich das dann genau anhören würde, kann ich nicht sagen.

Sie haben ja ein Pärchen in der Band, Stefanie und Thomas. Was machen Sie als Band, wenn es da mal kriselt? Würde Silbermond auch eine Trennung überstehen?
Nowak: Ich habe noch keinen Streit mitbekommen. Es hat sich nichts geändert. Man diskutiert über gewisse Dinge ganz demokratisch, versucht objektiv zu sein. Über eine Trennung brauen wir jetzt nicht zu reden.

Könnten Sie sich vorstellen, Deutschland mal beim Eurovision Song Contest zu präsentieren? Zum Abschluss der Karriere vielleicht?
Nowak: Ich kenne die Modalitäten nicht genau, aber ich glaube ganze Bands dürfen da ja nicht teilnehmen. Daher käme es wohl nicht infrage. Wenn doch, dann müsste es Stefanie entscheiden. Aber es gibt talentierte Sänger, die Deutschland gut vertreten können.
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