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Am Samstag startet im Weltkulturerbe Völklinger Hütte die Buddha-Ausstellung

Ist das Bild des Buddha abgenutzt? Zumindest für Nicht-Buddhisten? Speisekarten von Restaurants und Cafés schmückt sein Antlitz, in manchen Gärten blicken Buddhas aus dem Baumarkt zufrieden lächelnd auf den grünen Rasen. Lifestyle-Deko mit Hoffnung auf ein bisschen Erleuchtung.

 

Einen anderen, klischeefreien Blick auf den Buddhismus (und die Schönheit seiner Kunst) wirft ab morgen die Ausstellung „Buddha“ im Weltkulturerbe Völklinger Hütte. „Es gibt da zu viele Missverständnisse“, sagt Kulturerbe-Direktor Meinrad Maria Grewenig, „ein wenig Yoga und dann einenYogi-Tee trinken – das hat mit Buddhismus nichts zu tun, ist höchstens seine Karikatur“. 232 Werke aus grob 2000 Jahren sollen gegensteuern, geliehen von privaten Sammlern der ganzen Welt und nicht bei Museen – so seien die meisten Werke zum ersten Mal öffentlich zu sehen. Einen Etat von zwei Millionen Euro hat die ambitionierte Schau, deren Exponate laut Grewenig „hoch versichert“ sind; er hofft auf sechsstellige Besucherzahlen und eine Refinanzierung durch Einnahmen und Sponsoren. Das wäre das schöne Ende eines „Traums, der uns seit zehn Jahren bewegt“. Beteiligt ist das Frankfurter Kulturinstitut Tibethaus Deutschland, deren Vorstand Elke Hessel mit der Ausstellung „nicht missionieren“ will, sondern „Gutes bewirken“. Die Buddhistin hofft darauf, dass „ein Dialog beginnt, sobald man einen Buddha ansieht.“

 

Ob dieser innere Dialog bei jedem beginnt? Denn trotz der enormen Pracht der Exponate und des goldenen Schimmers zwischen den nachtschwarzen Maschinen der Gebläsehalle muss man sich das Gesehene ein wenig erarbeiten: Ohne etwas Vorkenntnisse und das genaue Lesen der längeren Erläuterungstexte vor den jeweiligen Stationen könnten die Buddha-Statuen in ihrer Vielzahl im Kopf des Betrachters irgendwann verschwimmen und sich überlagern. Sich zuhause kurz ins Thema einlesen empfiehlt sich also – zu Beginn des Weges führt zudem ein großes Zeitdiagramm in die Geschichte des Buddhismus ein. Kurator Eberhard Rist (Stuttgart) hat die Schau in Regionen geteilt: Südasien mit Stücken aus Indien und Sri Lanka, Ostasien mit China und Japan, Südostasien mit Kambodscha, Thailand, Indonesien und Burma, zuletzt Himalaya mit Nepal und Tibet sowie die Mongolei.

 

Das älteste Stück ist ein männlicher Kopf aus Nordindien aus dem zweiten Jahrhundert vor Christus – zu sehen ist da nicht der Ur-Buddha Siddharta Gautama, der im fünften Jahrhundert zur Welt kam. Denn die ersten knapp 500 Jahre der buddhistischen Kunst waren „anikonisch“ – die Gegenwart Buddhas wurde nur symbolhaft dargestellt, nicht mit menschlichen Abbildern. Grund mag die in vielen Religionen präsente Bilderfurcht sein, die vor der bildhaften Darstellung des Verehrten abschreckte – oder die bewusste Abkehr von einem Personenkult, passend zu Siddharta Gautamas Lehre, dass die Idee im Zentrum steht, nicht der, der die Idee hat. Später zog die bildhafte Darstellung dennoch auch in die buddhistische Kunst ein.

 

Deren enorme Detailfreude und kunstvolle Gestaltung zeigen sich etwa in einer feingliedrigen, reich ornamentierten Bronze der weiblichen Gottheit Tara aus dem Tibet des 14. Jahrhunderts oder einem 100 Jahre jüngeren, fein gearbeiteten Dolch mit drei Klingen. Eine buddhistische Stichwaffe also? Nein, nur ein Ritualsymbol, gefertigt aus harmlosem Hartholz. Eine der kunstvollsten Objekte, das man ob seiner Detailfülle mit einer Lupe betrachten möchte, ist eine Bronze der Gottheit Guhyasamaja – sie erlebt eine zehnarmige, meditative Vereinigung mit ihrem Partner.

 

Die Ausstellung endet mit einem Schlenker in die Gegenwart – mit einer Kunstharz-Statue eines für unsere Augen „klassischen“ Buddhas. Gonkar Gyatso (54) beklebt ihn mit zahllosen Werbelogos und -slogans, doch zum Kopf hin werden diese spärlicher – als entschwebe er mit dem Kopf voran den Buddha-Klischees. Das wäre ganz im Sinne dieser Ausstellung.

 

Bis 19. Februar 2017. Zur Ausstellung erscheint ein prächtiges (und sechs Pfund schweres) Buch (29,90 Euro), in dem alle Exponate ausführlich vorgestellt sind.
 

Der "achtfache Pfad der Erkenntnis" und das Rahmenprogramm




Völklingen. Am Begleitprogramm zur Ausstellung wird zurzeit noch gearbeitet – was wohl auch daran liegt, dass die Schau wegen terminlicher Vorgaben und enger Zeitfenster bei den Leihgaben aus aller Welt in einem halben Jahr kuratiert wurde: wenig Zeit für eine derart große Ausstellung. In drei Wochen soll das Pro-
gramm nun präsentiert werden; fest steht eine wissenschaftliche Ringvorlesung, die in Zusammenarbeit mit den Universitäten von Saarbrücken und Trier entstehen wird. Es wird spezielle Angebote für Kinder geben, außerdem ein Konzert zum Thema und interreligiöse Dialoge – eventuell werden buddhistische Mönche zur Schau kommen, mit deren Hilfe man vor Ort in einem speziell geweihten Raum wird meditieren können. Ende Juli schließlich soll ein „Achtfacher Weg der Erkenntnis“ auf dem Gelände der Völklinger Hütte eröffnen – auf
einer Länge von sieben Kilometern sollen acht besondere Orte zur geistigen Einkehr und zur Ordnung der Gedanken einladen.

Begleitend zur Buddha-Schau sind auch weiterhin (bis zum 6. November) die 40 großformatigen Werke des Magnum-Fotografen Steve McCurry zu sehen: Die Ausstellung „Buddhismus –
Fotografien 1985 bis 2013“ zeigt Bilder, die McCurry unter anderem in Tibet, Kambodscha, Japan, Thailand und Sri Lanka aufgenommen hat. tok

Programm und Informationen:
 www.voelklinger-huette.org




Kommt der Dalai Lama nach Völklingen?

 

Völklingen. Schirmherr der Buddha-Ausstellung ist Seine Heiligkeit der XIV. Dalai Lama. Die „größtmögliche Ehre und Freude“ sei das, sagte gestern Meinrad Maria Grewenig, Generaldirektor des Weltkulturerbes Völklinger Hütte, „das gewährt er sehr selten“. Da liegt die Frage nahe, ob der Friedensnobelpreisträger von 1989 auch mal in Völklingen durch die Ausstellung wandeln wird. „Wir haben Signale“, deutete Grewenig an, „aber konkret ist das noch nicht.“ Bedenken müsse man die Sicherheitsvorkehrungen, die denen beim Besuch eines Staatspräsidenten gleichkämen. „Das ist keine triviale Frage.“ tok
 

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