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Am Sonntag startet in Völklingen die dritte Urban Art Biennale

„Paradies“ nennt die Völklinger Hütte ihren verwunschenen Garten, in dem Natur und Industriearchitektur in aller Stille um die Vorherrschaft ringen. In diesem Sommer dürfte es aber mit der Ruhe vorbei sein. In dem idyllischen Landschaftsgarten entsteht gerade der „Urban-Art-Parcours“, in dem 30 Künstler ihre Werke zeigen werden, die eigens für die Urban Art Biennale erdacht wurden. Höhepunkt dürfte das 30 Meter hohe Werk von Ludo sein. Der Franzose hat es geschafft, das Thema „Industrie und Natur“ aufzunehmen und in eine eigene Sprache umzusetzen: Wie ein Mahnmal thront ein Baum inmitten moderner Errungenschaften.

Noch interessanter ist die Arbeit des Franzosen Thomas Canto, der Graffiti und Skulptur zu grandiosen Werken kombiniert. Seine Arbeit im Paradies wirkt, als sei eine Zeichnung in den Raum explodiert. Besser noch ist seine Arbeit in der Möllerhalle, dem eigentlichen Ausstellungsort. Canto hat eine lineare Abstraktion geschaffen, die aus dem Bildzentrum in den Raum zu wachsen scheint. Vor der zweidimensionalen Arbeit ist ein Gewirr aus Fäden gespannt ist, das Linien der Malerei aufgreift und in den Raum spiegelt, aber auch eine eigene Struktur hat. So wird das Bild hochdynamisch und gewinnt an Raum und Tiefe.

Stark sind auch die Arbeiten von Vermibus, der Interventionen im öffentlichen Raum schafft. Er nimmt Modeplakate aus Leuchtkästen von Bushaltestellen, verflüssigt die Druckfarbe mit Lösungsmitteln und bearbeitet sie. Mit den entstandenen Zombies in Designerkleidung hinterfragt er unsere Konsumwelt.

Erstmals setzt die Urban Art Biennale mit dem arabischen Raum einen geographischen Schwerpunkt. Hier zeigt sich besonders, wie kraftvoll und vital Urban Art ist, weil sie in der Region noch sehr nah an ihren künstlerischen Ursprüngen ist. Die Graffitikünstler waren an den Revolutionen des arabischen Frühlings beteiligt. Ihre Graffitis wurden zur Kunst des Aufstandes. In vielen Arbeiten wird die existenzielle Bedrohung der Künstler spürbar. Frust, Enttäuschung und Wut sprechen aus vielen Bildern. Nur wenige haben sich inzwischen vom rebellischen Impetus entfernt und sich einer Kunst zugewandt, die mit formalen und ästhetischen Prinzipien spielt. Herausragend sind die Bilder von Tarek Benaoum, der arabische Kalligrafien mit den modernen Techniken des Graffti-Writing vereint.

Auffällig ist die Bandbreite, die diesmal gezeigt wird. Anders als 2011 und 2013 setzt Kurator Frank Krämer nicht mehr nur auf große Namen, sondern vor allem auf Qualität. Kaum ein Werk ist Mittelmaß. Trotzdem ist die Biennale gewachsen: 100 Werke von 81 Künstlern aus 21 Ländern sind der Einladung nach Völklingen gefolgt und ermöglichen einen Überblick über die vielfältige Szene. Spannend ist die Hängung der Werke, die manche Entdeckung erlaubt und mit dem Ausstellungsort symbiotisch verschmilzt.

Läuft bis 1. November.
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