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An Plastikmüll verendet: Drama um Webenheimer Storchenkinder

Zwei der Jungstörche mit den Plastikteilen, die sie nicht verdauen konnten.

Zwei der Jungstörche mit den Plastikteilen, die sie nicht verdauen konnten.

Einen Verlust beim Storchennachwuchs im Bliestal meldet der Naturschutzbund (Nabu). Vier Jungstörche konnten in der vergangenen Woche in Webenheim nur noch tot geborgen werden. „Wir haben durch nochmalige Befragungen unter den Anwohnern versucht, die Vorgeschichte dieses traurigen Ereignisses zu rekonstruieren“, so Christoph Braunberger von der Nabu Storchen AG. Zuerst sei es nach Mitteilung von Anwohnern zu einem ungewöhnlichen Vorfall gekommen. Ein angreifender Storch vertrieb den am Nest stehenden Brut-Storch auf ein Hausdach und hieb mit gezielten Schnabelstößen auf die vier im Nest befindlichen, etwa fünf bis sechs Wochen alten Jungstörche ein. Ein Junges überlebte die Attacke nicht, während die anderen drei scheinbar unversehrt blieben. Die Naturwacht konnte den Jungvogel bergen, er starb an einer Kopfverletzung.

Genaue Beobachtungen ergaben in den Folgetagen, dass die Jungstörche weiter regulär von den Altstörchen versorgt wurden. Danach wurde regelmäßiges und intensives Futterbetteln der Jungstörche festgestellt. Die Fütterungen verliefen bis dahin vergleichsweise normal. „Am Freitag war von den Jungen dann plötzlich nichts mehr zu sehen oder zu hören. Es konnten auch keine Fütterungen mehr am Nest festgestellt werden. Die Altstörche saßen nur apathisch am Nest“, teilt Braunberger mit. Die Anwohner gingen davon aus, dass die Jungstörche nicht mehr am Leben waren und alarmierten die Naturwacht.

In Absprache mit dem Nabu wurde dann die Webenheimer Feuerwehr kontaktiert, die sofort ausrückte und gemeinsam mit den Naturschützern das Nest mittels Drehleiter anfuhr, um gegebenenfalls geschwächte Jungstörche auszuhorsten. „Leider konnte nur noch der Tod festgestellt werden. Um möglicher Weise näheren Aufschluss über die Todesursachen zu erhalten, wurden die drei toten Jungstörche obduziert. Die Ergebnisse sind schockierend: In den Mägen der jungen Störche wurden über 100 Plastik- und Silikonteile gefunden. Die Altstörche hatten diese Teile an die Jungtiere verfüttert. Die Jungstörche konnten diese nicht verdauen und starben qualvoll an einem mit Müll gefüllten Magen“, berichtet Braunberger. Der Vorfall am Webenheimer Nest stehe keinesfalls allein da. Ähnliches passiere Tag für Tag in unseren Meeren. „Seevögel verwechseln umherschwimmende Plastikteile mit natürlicher Nahrung. Störche verschlingen bei uns Plastik- und Silikonteile von Gewerbe- und Landwirtschafts-, aber auch Siedlungsmüll, die in ihren Nahrungsbereichen umherliegen, und verfüttern diese unverdaulichen Teile an ihre Jungen. Überdies verwenden die Vögel Bindegarne als Nistmaterial, bei Beringungsaktionen werden immer wieder Plastikteile und Garne in den Horsten gefunden“, so Nabu-Mann Christoph Braunberger abschließend.

nabu-saar.de

Hintergrund

Vom langjährigen Engagement des Nabu für seinen Wappenvogel hat der Weißstorch im Bliesgau in den vergangenen Jahren stark profitiert. Dennoch brauchen Störche weiterhin eine starke Lobby, denn in ihrem Lebensraum, Feuchtgrünland und Flussauen, ist es gefährlich „müllig“ geworden. Weitere Infos bei der Nabu Storchen AG, Christoph Braunberger, Tel. (0175) 8 58 12 08. ert

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