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An der Saar-Uni wird im Hörsaal getwittert

Trier. Wenn Studenten während einer Vorlesung das Handy benutzen, dann geschieht das meistens nur verstohlen unter der Bank. Doch an der Universität Trier werden angehende Medienwissenschaftler jetzt zur Nutzung von Handy und Laptop im Hörsaal ermutigt: Seit dem letzten Wintersemester kommt eine sogenannte „Twitter-Wall“ zum Einsatz. Per SMS oder via Internet können Studenten Kurznachrichten mit bis zu 140 Zeichen versenden, die auf einer Leinwand im Hörsaal für alle sichtbar dargestellt werden.

Mit der systematischen Verwendung von Twitter im Hörsaal betrat die Trierer Medienwissenschaft akademisches Neuland – bei der Twitter-Wall handelt es sich um ein Pilotprojekt. „Studenten können Fragen einbringen oder Einwände machen, ohne dass die eigentliche Vorlesung unterbrochen wird“, beschreibt Professor Hans-Jürgen Bucher die Vorzüge des Projektes.

Die VW-Stiftung fördert den interdisziplinären Forschungsverbund „Interactive Science“, bei dem das Twitter-Projekt angesiedelt ist. Der Verbund arbeitet an der Entwicklung von neuen Arten der Wissenschaftskommunikation. Die Verwendung von Twitter ist ein Versuch, die klassische Vorlesung interaktiver zu gestalten. So können Studenten beispielsweise Fragen stellen, wenn sie einen Punkt nicht richtig verstanden haben. „Manche twittern auch konkrete Fragen zum Studium – etwa, welches Seminar man belegen soll. Und manchmal korrigiert man mich auch“, erzählt Hans-Jürgen Bucher. Denn wenn der Vortragende einen Fehler macht, gibt die Twitter-Wall den Studenten die Möglichkeit, darauf hinzuweisen.

„Das ist ein bisschen wie der Zwischenruf im Bundestag. Wenn ich etwas Falsches erzähle, kann es sein, dass ein Student die richtige Antwort bei Google sucht und mich korrigiert“, sagt Professor Bucher.

Rike Albrecht gehört zu den regelmäßigen Benutzern des neuen Angebots – sie twittert nicht nur im Hörsaal, sondern auch privat. „Ich finde die Twitter-Wall eine tolle Idee. Normalerweise lässt man sich in einer Vorlesung nur beschallen. Mit Twitter kann man sich wenigstens ein bisschen einbringen.“

Und sie sieht noch einen weiteren Vorteil: „Viele Leute trauen sich nicht, sich in einer Vorlesung zu melden, wenn sie eine Frage haben, weil sie sich keine Blöße geben wollen. Mit Twitter ist das kein Problem, weil man anonym bleiben kann.“ Allerdings findet Albrecht auch negative Aspekte: „Irgendwie ist es auch unpersönlich, wenn man eine Frage twittert, statt sie selbst zu stellen. Man könnte sich ja eigentlich auch einfach melden.“ Spaß macht ihr die Verwendung von Twitter trotzdem. Schließlich haben nicht alle Beiträge auf der Twitter-Wall auch akademischen Gehalt: Bis zum Beginn der Vorlesung darf auch ganz einfach geplaudert werden. Und das ist dann tatsächlich wie der klassische Griff zum Handy im Hörsaal: „Ich grüße die fünfte Reihe von vorne, hab euch ganz doll lieb!“.

Getwittert wird auch an der Saar-Uni, berichtet Christoph Igel, Leiter des Competence Centers der Virtuellen Saar-Universität, der sich mit modernen Lerntechnologien auseinandersetzt. „In einigen Fachrichtungen wird bereits getwittert, und es gibt Überlegungen, es auch systematisch in Lehrveranstaltungen anzubieten.“ Er stehe dem Twittern im Hörsaal aber skeptisch gegenüber. „Der didaktische Mehrwert ist fraglich, das hat höchstens einen kurzfristigen Motivationseffekt“. Michael Brächer 
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