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Angst vor Drogen-Szene im Nauwieser Viertel

Zur Versammlung im AWO-Café im Nauwieser Viertel waren viele Anwohner gekommen.

Zur Versammlung im AWO-Café im Nauwieser Viertel waren viele Anwohner gekommen.

St. Johann. Verschlechtert ein Buchladen, in dem drei ehemalige Drogenabhängige arbeiten, die Lebensqualität im Nauwieser Viertel? Davon sind die meisten der Bürgerinnen und Bürger überzeugt, die am Mittwochabend zu einer Informationsveranstaltung der Arbeiterwohlfahrt (Awo) kamen. Über 20 Jahre habe man daran gearbeitet, dass das Viertel kein Treffpunkt der Drogenszene mehr sei. Der Buchladen, den die Awo am 1. April in der Försterstraße eröffnet, mache das zunichte.

Die Angst von Anwohnern und Geschäftsleuten: Die ehemaligen Drogenabhängigen, die mit Hilfe des Ersatzstoffes Methadon ein neues Leben anfangen wollen, „ziehen Drogenabhängige an wie das Licht die Motten“, wie eine Anwohnerin sagte. Es werde sich eine neue Szene entwickeln. Man müsse wieder Angst haben, dass Spritzen herumlägen und Kinder von Drogenabhängigen belästigt würden. Die Folge: Die Häuser verlören ihren Wert, die Mieten fielen, Geschäfte gingen vor die Hunde. Die Stimmung war gereizt. Was auch daran lag, dass sich Anwohner von der Awo schlecht bis überhaupt nicht informiert sahen. Man wolle die Leute vor vollendete Tatsachen stellen, so der Vorwurf. Aber, sagte eine Frau: „Wir lassen uns unser Chinesenviertel nicht kaputtmachen.“ Unterschriften sollen gesammelt, rechtliche Schritte geprüft werden. Die teilweise sehr aggressiv vorgetragene Ablehnung des Awo-Projekts fand viel Zustimmung, stieß aber auch auf Widerspruch. Sie sei „empört“, dass gegen ein solches Projekt Unterschriften gesammelt werden, sagte Katja Kruse, die selbst im Viertel wohnt und für die SPD im Stadtrat sitzt. Es sei schlimm, dass Leute nicht gekommen seien, um sich zu informieren, sondern nur, um „auf das Projekt loszugehen“. „Schockiert von manchen Aussagen“ zeigte sich auch Rüdiger Linsler von der FDP – auch er wohnt im Viertel. Er komme sich vor „wie an einem Stammtisch einer 100-Seelengemeinde im tiefsten Bayern“. Jeder habe das Recht, eine Buchhandlung zu eröffnen – auch die Awo.

Die Vertreter der Awo versuchten, Angst zu nehmen. „Wir ziehen keine Drogenabhängigen ins Viertel“, versicherte Projektleiter Elmar Schütz. „Wir reden hier von drei ehemals drogenabhängigen Menschen“, betonte er. Sollten sich im Viertel gegen alle Erfahrung mit solchen Projekten Drogenabhängige versammeln, werde sofort eingegriffen, sagte der Landesdrogenbeauftragte Markus Zimmermann. Auch der Saarbrücker Polizeichef Peter Becker versicherte, dass von dem Projekt keine Gefahr ausgehe. In den zehn Jahren, in denen der Buchladen mit der Beratungsstelle (die jetzt auf dem Rastpfuhl ist) und einem Café (das es erstmal nicht mehr gibt) auf der Berliner Promenade war, habe es keine Probleme gegeben. Wenn auf der Promenade gepöbelt worden sei, dann nicht von den ehemaligen Drogenabhängigen.

Dass die Awo nicht offensiv über das Projekt informiert habe, liege daran, dass man die Menschen, die dort arbeiten, „vor Diskriminierung“ schützen wolle, sagte Awo-Landesgeschäftsführerin Birgit Ohliger. „Wir werden den Menschen kein Schild um den Hals hängen, auf dem steht: ,Der ist mal gestrauchelt, der hat mal Drogen genommen.'“ Auf Vorschlag der Polizei wird die Awo in zwei Monaten, am 13. Mai, nochmals zur Bürgerversammlung einladen. Dann werde sich gezeigt haben, dass die Ängste unbegründet sind, sagt die Polizei.
Martin Rolshausen 
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