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Anschläge gegen Juden und Muslime im Elsass

Neuerdings sorgt zudem ein Videoclip im Internet für Empörung. Das Filmchen zeigt einen Mann aus einem Straßburger Vorort beim Urinieren auf den Koran, den er zuvor in Brand gesetzt hat. Für Straßburgs Bürgermeister Roland Ries ist das Maß jetzt voll. Der Sozialist rief die Bürger auf, gegen das „Inakzeptable“ mobil zu machen. „Es reicht“, heißt es in einer Petition, die seit gestern auf der Webseite der Stadt Straßburg (www.strasbourg.eu) unterzeichnet werden kann.

Vertreter der jüdischen und muslimischen Religionsgemeinschaften im Elsass befürchten vor allem eine Eskalation der Gewalt. „Zuerst greifen sie Friedhöfe an, dann Menschen oder deren Eigentum“, warnt Janine Elkouby von der jüdischen Gemeinde in Straßburg. Sie erinnert daran, dass im April ein Jude mit einer Kippa auf dem Kopf im Straßburger Stadtzentrum von einem Mann mit einer Eisenstange und einem Messer angegriffen wurde. Im September legten unbekannte Täter ein Feuer am Wohnsitz eines gebürtigen Türken, der sich als Direktor des Straßburger kommunalen Kinos „L'Odyssée“ mit seinem politisch engagierten Programm einen Namen gemacht hat. Zwei Autos gerieten dabei in Brand, Faruk Günaltay und seine Frau konnten sich gerade noch in Sicherheit bringen.



Einzeltäter oder organisierte Gruppe?

Der Leiter der Straßburger Moschee, Abdelaziz Choukri, forderte die zuständigen Behörden auf, „alles in ihrer Kraft Stehende“ zu tun, um die Verantwortlichen zu identifizieren und vor Gericht zu stellen. Bisher kommen die Ermittlungen allerdings nur schleppend voran. Identifiziert wurde lediglich der Angreifer mit der Eisenstange – nach Angaben der Justiz handelt es sich um einen psychisch Gestörten. Somit ist nach wie vor unklar, wer hinter den Anschlägen auf zwei jüdische und zwei muslimische Friedhöfe steckt, bei denen seit Januar fast 100 Gräber beschädigt oder mit Nazi-Parolen beschmiert wurden. Auch die anderen Täter sind bis heute nicht identifiziert. Unklar ist damit auch, ob es sich um Einzelne handelt oder ob hinter der Anschlagsserie eine organisierte Gruppe steht.

Bürgermeister Ries sieht „ganz klar“ Rechtsextremisten am Werk. Schließlich habe der Vorsitzende der rechtsextremen Nationalen Front im Elsass, Patrick Binder, angekündigt, er werde „ganz Straßburg in Brand setzen“. Allerdings will das Straßburger Stadtoberhaupt in den 14 rassistisch motivierten Straftaten seit Jahresbeginn keine Besonderheit des Elsass sehen – auch wenn die Grenzregion zu den Hochburgen der französischen Rechtsextremen gehört. Die Anschlagsserie sei nicht zuletzt auf ein politisches Klima zurückzuführen, das in ganz Europa um sich greife, meint Ries. Er verweist auf das gute Abschneiden rechtsextremer Parteien in mehreren EU-Staaten.

Elkouby erinnert an die viel kritisierte Ausweisung von Roma aus Frankreich. Damit sei eine bestimmte Bevölkerungsgruppe „stigmatisiert“ worden, kritisiert die Vertreterin der jüdischen Gemeinde. All dies schaffe ein Klima, das rassistische Taten fördere. Diesen Eindruck hat auch der Straßburger Politologe Richard Kleinschmager. „Bestimmte Bremsen“ seien offenbar gelockert worden, befürchtet er. 
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