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Anti-Amok-Team für jede Saar-Schule

Saarbrücken. Auf der Fachtagung der Psychotherapeutenkammer des Saarlandes am vergangenen Samstag im Bildungsministerium zum Thema Amokläufe an Schulen hat Kriminalhauptkommissar Hagen Berndt vom Landesinstitut für präventives Handeln (LPH) in St. Ingbert angekündigt, dass ab 2011 an allen saarländischen Schulen Krisen-Interventionsteams gebildet werden sollen. „Diese Teams werden aus Lehrer, Schulleitern und Schulpsychologen bestehen“, erklärte Berndt vor etwa 150 Psychotherapeuten. LPH-Mitarbeiter Robert Erb, selbst Ausbilder für solche Anti-Amok-Teams, sagte, es gehe vor allem darum, an den Schulen ein vertrauensvolles Klima zu schaffen, damit Informationen über auffälliges Verhalten von Schülern auch weitergegeben werde. „Die Pädagogen werden dabei lernen, aufmerksamer zu sein“, so Erb.

Im Zentrum der Fachtagung standen Fragen der Prävention, Intervention und Nachsorge bei zielgerichteter Gewalt an Schulen. Professor Harald Karutz stellte bei seiner Übersicht über den Forschungsstand fest, dass Deutschland einen unrühmlichen weltweiten Spitzenplatz bei den von Fachleuten als „school-shooting“ bezeichneten tödlichen Angriffen von Schülern auf Mitschüler und Lehrer einnehme. „In den USA gab es bisher zwar die meisten Fälle, in Deutschland jedoch die meisten Todesopfer“, sagte der an der Berliner Steinbeis-Hochschule lehrende Forscher. Die Zahl der Fälle habe nach 2000 enorm zugenommen, auf nunmehr etwa 100 mit 200 Toten weltweit. Über Ursachen könne man angesichts der kleinen Fallzahlen noch nichts Genaues sagen, doch gebe es „Puzzleteile“: Fast alle Täter waren Jungen im Alter von 14 bis 22 Jahren. Meist kam es zu den Amokläufen an Schulen in eher ländlichen Gegenden. „Dort ist der Konformitätsdruck stärker, Eltern werden etwa beim Bäcker auf die schlechten Schulnoten des Sohnes angesprochen“, so Karutz. Der Leistungsdruck an den G8-Gymnasien sei auch ein Faktor, da die Schüler immer weniger Zeit hätten, soziale Beziehungen aufzubauen. In den Familien gebe es eine Konzentration auf die Leistung in der Schule. Oder wenig Anteilnahme. So hätten Eltern bei einem der Täter nach dem Amoklauf zum ersten Mal seit Monaten dessen Zimmer betreten und sich über die dort gefundenen Waffen gewundert.



Die jungen Amokläufer stammen laut Karutz vor allem aus der Mittelschicht, seien „auffällig unaufffällig“ und eher Einzelgänger. Die Medienberichterstattung über die Amokläufer sei öfters der Auslöser für weitere Taten, deshalb plädierte Karutz dafür, deren Gesichter nicht zu zeigen und keine Namen zu nennen.

Der Professor plädierte ebenso wie die LPH-Experten für eine neue Schulkultur als Vorbeugungsmaßnahme: Mehr Erfolgserlebnisse seien wichtig, ebenso wie eine „Entlassungskultur“. „Viele stehen nach der Schule ohne Job da“, so der Professor. Schulpsychologe Roland Waltner berichtete, dass jeder der 25 Schulpsychologen im Saarland für 7500 Schüler zuständig sei (Niedersachsen: 1 zu 26.000). Die Welt-Gesundheitsorganisation empfehle einen Schlüssel von 1:2500.
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