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Appetitanregende Impressionen aus Saarbrücken

Saarbrücken. Als sie ihr Abiturzeugnis erhalten hatte, war Lena Schäfer zum ersten Mal mit ihrer Familie im „Gemmel“ in der Kappengasse essen. Sie war begeistert von dem kleinen und engen Restaurant. Heute ist Lena Schäfer 30 und Chefin des Traditionsrestaurants am St. Johanner Markt. Seit Oktober 2009 schmeißt sie den Laden. Eng ist es hier noch immer. Wer Privates zu besprechen hat, sollte nicht im Gemmel essen. Zu dicht stehen hier die Tische. „Enge schafft Kommunikation“, sagt die junge Restaurant-Inhaberin, „aber es gibt auch Leute, die wieder gehen, weil es ihnen zu dicht gedrängt bei uns ist.“ Viele Saarbrücker führen hierher ihre Geschäftskunden aus. Warum? „Weil der Gemmel das saarländisch-frankophile Genussmotto am besten transportiert.“ Aus der Küche kommt viel Französisches wie Steak frites, Tatar, Froschschenkel, aber auch europäische Klassiker wie Wiener Schnitzel, Calamaretti oder selbst gemachte Pasta. „Das alles macht Spaß“, sagt Schäfer. Nur manchmal wünscht sie sich „mehr Freizeit und weniger Verantwortung“. Doch einer ihrer Vorgänger, Markus Federkeil, sagte oft, als sie hier nur Gast war: „Für persönliche Empfindlichkeiten ist im Gemmel kein Platz.“



Auch Alain Klein (57) war vor langer Zeit Chef im Gemmel. Erst war er neun Jahre lang Restaurantleiter und von 1983 bis 1995 Pächter und Chef. Der Franzose verließ das Saarland 1996 erst Richtung Lille, später arbeitete er auf Korsika.  Als er vor ein paar Monaten Saarbrücken besuchte, lief ihm Richard Bogenschütz, der Inhaber des Rizzo, über den Weg. Über ein halbes Jahr stand das Restaurant in der Fröschengasse leer. Zwei Tage später hatte Bogenschütz Alain weichgekocht. Jetzt heißt das Restaurant „Alain im Rizzo“. „So ist Saarbrücken“, sagt Klein, „da ist man 15, 16 Jahre von der Bildflächen verschwunden, und die Leute rufen: Alain ist wieder da.“
Mitte Februar feierte das Restaurant Eröffnung, und schon die ersten Monate waren erfolgreich. „Ich fahre nach Metz in die Markthalle, um typisch französische Zutaten zu kaufen. Wir bieten französische Bistroküche an.“ Mehr Frankreich geht dann auch nicht, zumindest kulinarisch: Neben vielen Innereien kommen frische Froschschenkel, Côte de Boeuf, Boudin oder Ochsenschwanz auf die Teller. Wenn Alain schon zurückkommt, muss Frankreich eben mit.



Zurück nach Italien will Pasquale Donato nicht. Zuhause ist dort, wo die vier Enkel sind, sagt der 67-Jährige, der mit seiner Familie im „La Gondola“ in der Talstraße 33 italienische Küche und kalabrische Spezialitäten anbietet. Das erste Restaurant eröffnete das Ehepaar Donato 1963 in Ramstein. Seit 1968 sind sie mit ihrem „La Gondola“ in Saarbrücken. Bis 2004 in der Mainzer Straße, mittlerweile seit sechs Jahren etwas versteckter in Alt-Saaerbrücken.  Dort aber mit einer kleinen Terrasse, was auch der Grund für den Umzug war.
Zehn Bistrotische finden Platz auf der kleinen und von einer hohen Hecke abgeschirmten Holzterrasse. In der Küche hat die 63-jährige Ehefrau das Sagen. Sie kocht traditionelle italienische Küche mit viel Gemüse, Kräutern und Olivenöl. Was sie zubereitet, bringen Pasquale und Neffe Vinzenzo ihren vielen Stammgästen. „Alles ist selbst gemacht. Pasta, Pizza, Tiramisu, Fleischgerichte und unsere vielen Spezialitäten,“ sagt Donato. Die meisten Gäste begrüßt der Italiener mit Namen und Handschlag. „Fast alle sind Stammgäste, die wir schon viele Jahre kennen.“ Wie lange sie noch weitermachen wollen? „Mal schauen“, sagt der 67-Jährige, „im Moment haben wir noch alle Lust.“ Und Urlaub? „Den machen wir in Italien.“

Einen großen Hype erfährt derzeit japanisches Essen. Eine Sushi-Bar nach der anderen eröffnete in kürzester Zeit in Saarbrücken. Bis vor einigen Jahren gab es Sushi nur bei Hashimoto in der Cecilienstraße. Seit 1993 ist das Hashimoto deutschlandweit eines der besten japanischen Restaurants. Dann kam der Ableger „Brasserie Hashimoto“ in der Fröschengasse 1 dazu. Sushi ist im Trend, und mittlerweile zieht sich eine lange Wasabi-Fährte durch die Stadt. So unterschiedlich die Reishappen, so vielfältig sind auch die Konzepte.



Eine Bestandsaufnahme: Wer mit vielen Freunden einen Tisch sucht, ist im Oishii, Sushi & Grill, Berliner Promenade 17-19, richtig.  Das Oishii ist groß und bietet ein abwechslungsreiches All-you-can-eat-Programm. Der Tisch ist für zwei Stunden gebucht, vier Runden machen pappsatt. Allerdings gibt es auch Spielregeln: Verschwendung ist verpönt. Wer Speisen zurückgehen lässt, muss darauf gefasst sein, ein oder zwei Euro extra zu bezahlen. Gemein? Nein! Zumal immer ein Auge zugedrückt wird. Großer Vorteil: Im Oishii wird jeder satt, selbst diejenigen, die bei Sushi nicht in Verzückung geraten: Es gibt viel vom Grill wie Rinderfilet, Lamm oder Garnelen, aber auch Salate, Nudeln und Suppen. Oishii ist japanisch und bedeutet „lecker“. Finden auch die Saarbrücker.
Im Osaka in der Dudweilerstraße 1 isst man nicht nur japanisch, sondern es sieht auch so aus. Die Einrichtung mit flachen Sitzbänken und langen Tischen ist gradlinig, modern und sehr asiatisch. Die Service-Kräfte tragen Kimono. Das Sushi wird frisch zubereitet. Und Suppen werden in großen Schalen serviert. Unterschied zu den All-you-can-eat-Restaurants? Hier ist es ruhiger, weniger hektisch und der Service persönlicher.



Die „Sushi Bar“, Obertorstraße 3, am Ende des St. Johanner Marktes hat den einzigen Sushi-Zirkel in der Stadt und ein All-you-can-eat-Angebot. In der Mitte steht der Koch, der die frischen Sushis aufs Wasserband schickt. Für Sushi-Anfänger ist der Running-Circle eine tolle Erfindung: Erst gucken, dann zugreifen.
Das Kimdo in der Mainzer Straße 61 ist die kleinste Sushibar und schon lange kein Geheimtipp mehr.  Mit nur 16 Sitzplätzen und einer kleinen, frischen Auswahl an Sushi, Suppen und Salaten hat sich die junge Besitzerin Kim Dobner in die Herzen gekocht. Die Maki-Rollen sind aufwendig zubereitet. Viel Fisch wie Lachs oder Thunfisch, aber auch mariniertes Rindfleisch und vegetarische Varianten schaffen Abwechslung. Daneben gibt’s Miso-Suppe, Rindfleisch-Salat oder Garnelen vom Tempura-Grill.
Eines ist sicher: Bei dem Angebot findet jeder seinen Sushi-Liebling in Saarbrücken.

Wer Kaffee, Kuchen und kleine Gerichte verkaufen will, muss mittendrin sein?
Nein! Drei kleine Café-Bistros beweisen das Gegenteil. Es funktioniert auch abseits des großen Trubels. Viel Charme und Charakter machen die fehlende Top-Lage wett.

Das Galerie-Café Monroe liegt zwar am St. Johanner Markt, allerdings so versteckt, dass viele Saarbrücker auch nach drei Jahren noch nie hier einen selbst gemachten Kuchen gegessen haben. Hinterm McDonald’s auf dem kleinen Hof betreibt Maria Vangelova (53) ihr Café, das an eine gemütliche Wohnküche mit Blumen, Bildern, Holzvitrine und liebevollen Details erinnert.



Hin und wieder finden dort Konzerte und kleine Ausstellungen statt. Bewusst hat sich die gebürtige Bulgarin die Abgeschiedenheit im Hinterhof ausgesucht. Sie wollte einen Ort der Ruhe schaffen, sagt sie. Neben Kaffee und Kuchen gibt es jeden Tag zur Mittagszeit eine selbst gemachte vegetarische Suppe. Zu jedem Getränk und Speisen bringt sie immer ein Glas Wasser. Im Fenster stehen drei oder vier Kuchen. „Backen war schon immer mein Hobby.  Ich probiere zuhause viel aus. Überlege mir, was zu Espresso passt. Dunkler Schokoladenkuchen.“
Einen Blitzstart ins Herz der Saarbrücker legte das „Tresor“ im Ferrumhaus hin. Fast ein Jahr danach erfreut sich das Bio-Bistro und Café großer Beliebtheit. Und das, obwohl es nicht mittendrin ist. Richtig ruhig ist es an der Mainzer Straße beim Haus Nummer 72 auch nicht. Zumindest, wenn man draußen Platz nimmt.

Aber zu gucken gibt es viel – nicht nur vor dem Café. Das Tresor ist eine gelungene Mischung aus Kaffeehaus, Bistro und Delikatessengeschäft. Die Einrichtung ist wild zusammengewürfelt, aber stimmig und liebevoll. Alte Sessel und Tassen, Rehgeweihe, Kuckucksuhr, Ölbilder, Blumen, Messingkerzenständer und kleine Porzellanfiguren fügen sich ins Bild, ohne drapiert zu wirken. Auf der Karte stehen Frühstück, Kuchen und kleine Gerichte aus regionalen Zutaten, die aus biologischem Anbau gewonnen werden. Schöner kann man’s nicht machen. Und an diesem Flecken in der Mainzer Straße ist Saarbrücken großstädtischer als anderswo. Im Tresor schnuppert man an Barcelona, Paris oder Berlin.



Ganz versteckt in St. Arnual, in der Brühlstraße 31, erfreut seit Mai 2008 das „Café Zucker und Zimt“ vor allem die Nachbarn, Spaziergänger und Radfahrer von der Saar. Ruth und Grigis Harfi betreiben das Café neben ihrem normalen Job. Deswegen öffnet das Café nur von Donnerstag bis Sonntag ab 15 Uhr.  „Ich zähle das Café auch nicht zur Arbeit, sondern es ist eher unser Hobby“, sagt Grigis Harfi.
„Die meiste Zeit, die wir hier verbringen, gehört dem Spaß. Wir haben einen netten, freundschaftlichen Kontakt zu unseren Stammkunden.“

Neben Kaffee, Tee, Plätzchen und Kuchen gibt’s auch arabische Spezialitäten wie Falafel oder arabische Tajine-Gerichte. „Unsere Tajine hat erstmal Sommerpause. Wir grillen jetzt Lammspieße und Gemüse in unserem kleinen Garten“, sagt Harfi. Alles hier ist familiär, nicht nur die kleine Terrasse, sondern auch das Interieur. „Bei uns ist alles querbeet. Wir wollten eine Wohnzimmer-Atmosphäre schaffen“, sagt der gebürtige Ägypter.
Laufkundschaft wie am St. Johanner Markt gibt es dort nicht, aber die Besucher entscheiden sich ganz bewusst für das versteckte „Café Zucker und Zimt“. „Wir sind erfolgreich, obwohl wir nie Werbung gemacht haben“, sagt der zufriedene Besitzer. Ein Geheimtipp, der sich herumspricht.
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