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Arbeitslose sollen faule Schüler jagen

Saarbrücken. Langzeitarbeitslose sollen Schulverweigerer in die Schule bringen, das ist das Ziel eines Pilotprojektes der CDU-Fraktion in der Regionalversammlung. Norbert Moy, derstellvertretende Vorsitzende, erklärt: „Der normale Lehrer kennt den Grund für das Fehlen nicht, er hat auch keine Möglichkeit, nachzuhaken.“ Bis die Schule das Jugendamt eingeschaltet habe, sei zu viel Zeit vergangen. Da die Ursachen für den Unterrichtsboykott meist sehr unterschiedlich seien, könne man mit einem Polizeieinsatz Schaden anrichten, gibt Moy zu bedenken. In drei Saarbrücker Schulen sollen jeweils ein langzeitarbeitsloser Mann und eine Frau 30 Wochenstunden arbeiten. Gefördert werden soll das dreijährige Projekt vom Bund mit monatlich rund 1000 Euro, als Arbeitgeber stellt sich Moy den Regionalverband vor.

Einsparungen im Bereich der Jugendhilfe

„Wir erhoffen uns davon auch mittelfristig Einsparungen im Bereich der Jugendhilfe“, sagt Moy. Nach Angaben von Fred Kreutz, Beauftragter für Innere Sicherheit im CDU-Kreisverband Saarbrücken-Stadt und Sachbearbeiter am Landesinstitut für präventives Handeln, habe bei fast 50 Prozent der kriminell gewordenen Jugendlichen Schulabstinenz eine Rolle gespielt. Drei Schulen habe Kreutz bereits angesprochen, an denen Unterrichtsschwänzen ein Thema sei. An der Erweiterten Realschule Saarbrücken-Güdingen gibt es nach Aussage von Rektor Manfred Binkert zwei bis drei hartnäckige Schulverweigerer. „Wir haben zeitlich und personell nicht die Möglichkeiten, diese Probleme zu lösen.“ Binkert hält die Idee für gut, glaubt aber, dass das Projekt mit den eingesetzten Leuten steht und fällt. „Es kommt da auf die Person an.“ Geeignete Personen

Halbjährige Schulung

Momentan ist die Arge Saarbrücken damit beauftragt, sechs geeignete Personen ausfindig zu machen. Als geeignet stellt sich Werner Jenal, Geschäftsführer der Arge Saarbrücken, ältere Langzeitarbeitslose vor, die selbst Eltern sind: „Sie sollen in einem ersten Schritt auf die Kinder zugehen und es durch ihre Berufs- und Lebenserfahrung erreichen, mit den Kindern zu den Sozialarbeitern oder Schulpsychologen zu gehen.“ Bevor die sechs diese Arbeit antreten, sollen sie eine halbjährige Schulung erhalten. „Die Praxis wird dann zeigen, wie sie den Kontakt zu den Schülern finden“, sagt Jenal.

Im Bildungsministerium besteht Interesse an der Idee, auch wenn die CDU-Fraktion ihr Konzept noch nicht dem Ministerium hat zukommen lassen. „Es wäre wünschenswert gewesen, wenn man frühzeitig mit uns Kontakt aufgenommen hätte“, sagt Erik Harms, Sprecher des Bildungsministeriums auf  Anfrage. Er fügt aber an: „Grundsätzlich interessiert es uns, das Konzept zu prüfen, wenn es der Problemlösung dient.“ Allerdings sei Schulschwänzerei im Saarland nach Erfahrung der Schulleiter kein großes Problem, so der Ministeriumssprecher.

Ob Schulschwänzerei auf diese Weise angegangen werden kann, bezweifelt Herbert Möser, Vorsitzender des saarländischen Lehrerinnen- und Lehrerverband e.V. (SLLV), stark. „Ich halte nichts von der Idee“, sagt er. „Wenn jemand ohne Polizei Erfolg haben will, muss er eine fundierte psychologische Ausbildung haben.“ Denn die Gründe für das Schulschwänzen seien vielfältig. „Ich kann nicht erwarten, dass jemand, der keine Arbeit hat und eine Schnellausbildung erhalten hat, diese Gründe ermitteln kann“, sagt Möser. Dafür wäre eine offene Zusammenarbeit von Lehrern, Schulpsychologen und dem Jugendamt unerlässlich.

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