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Arbeitsmediziner: Macht Schichtdienst wirklich krank?

Schichtarbeiter, ob in der Produktion, in Krankenhäusern oder in der Personenbeförderung, arbeiten oft dann, wenn andere schlafen. Dieser Arbeitsrhythmus kann krankmachen. Warum das so ist, weiß Dr. Michael Emmerich, der Leiter des Arbeitsmedizinischen Zentrums (AMZ) der RAG Mining Solutions.

„Schichtarbeit kann körperliche, psychische und soziale Probleme auslösen. Zu nennen sind Schlafstörungen, Magen- Darm-Erkrankungen, die koronare Herzkrankheit, Angststörungen und Depressionen. Aktuell wird außerdem erforscht, ob die Schichtarbeit Krebserkrankungen fördert“, sagt der Arbeitsmediziner. In seinem Zentrum wird versucht, durch arbeitsmedizinische Vorsorge die negativen Auswirkungen möglichst gering zu halten. Viele saarländische Unternehmen, darunter die Hydac, die Steag, der Saarländische Rundfunk oder das DRK, schicken ihre Mitarbeiter zur Vorsorge nach Dudweiler.

„Jeder Mensch hat einen Biorhythmus und in der Nacht zwischen zwei und drei Uhr einen Tiefpunkt“, sagt Emmerich. Körperfunktionen seien in der Nacht auf Entspannung programmiert, wer arbeiten müsse, mache in dieser Phase die meisten Fehler. „Wenn sie nachts arbeiten, wird ihr inneres Gleichgewicht gestört“, fügt er hinzu. Wer die Signale des Körpers übergehe und mit Kaffee und Energydrinks entgegenwirke, könne sich krankmachen.

Der Mensch könne die Belastung aber durchaus wegstecken, wenn er wichtige Tipps umsetze. Unbedingt sollten Nachtarbeiter ihre erste Pause vor dem Tiefpunkt machen, etwa zwischen ein und zwei Uhr und dann etwas Leichtes essen. Nach der Nachtschicht solle man sieben Stunden schlafen. Das könne man aufteilen in vier Stunden direkt nach der Schicht am Morgen und ein kürzeres Nachmittagsnickerchen.

„Diese vier ersten Stunden sind aber besonders wichtig. Nutzen sie einen kühlen und dunklen Raum, nehmen sie sich Ohrstöpsel und schalten sie das Telefon aus“, sagt Emmerich. „Dann essen sie normal zu Mittag, zwischen 19 und 20 Uhr ein leichtes Abendessen und in der Nachtschichtpause um ein Uhr eine weitere Mahlzeit.“

Vor dem geplanten Schlaf solle man auf Nikotin und Koffein verzichten, auch Schlafmittel und Alkohol solle man am Morgen nicht nehmen: „Beim Einschlafen helfen Rituale wie ein Glas Milch oder ein wenig Lesen“, weiß der Mediziner. Den Firmen rät das AMZ, den Schichtplan so zu gestalten, dass die Mitarbeiter bei den Planungen eingebunden sind und soziale Kontakte nicht unter der Schichtarbeit leiden.

„Familie und Freunde sind enorm wichtig für die Regeneration. Wer durch die Schichtarbeit das soziale Leben vernachlässigt, wird hier auf Dauer Schwierigkeiten bekommen“, sagt Emmerich. Die Partnerschaft solle nach Möglichkeit nicht unter der Arbeit leiden, wobei er aber auch Beispiele von Arbeitern kennt, die neben der Schichtarbeit noch einen weiteren Job oder ein ausuferndes Hobby haben und dann ihre sozialen Bindungen aufgeben. Insofern rät er jedem Schichtarbeiter, seinen persönlichen Freiraum nicht zu sehr zu beschneiden.

Wenn der Nachtarbeitsplatz ausreichend hell sei, man für genügend Schlaf nach der Schicht sorge, die Ernährung gesund sei, man Bewegung an der frischen Luft habe und man die Arbeit gut organisiere, dann könne man mit den Nachtschichten gut zurechtkommen.

„Unbedingt sollten Nachtschichten auf Spät- und Frühschichten folgen – nicht umgekehrt“, wissen die Arbeitsmediziner. Hier beraten sie die Betriebe ebenso wie bei der Arbeitsplatzgestaltung. „Natürlich kümmern wir uns auch um andere Probleme, wie Lärm, Staub oder psychische Belastungen.“

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