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Archäologen legen Turm einer ehemaligen französischen Festungsanlage frei

Nachrichten aus dem Raum Pirmasens

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Die Ausgrabungsstätte wirkt recht unscheinbar: Von einem kleinen Krater im Park führen ein paar steinerne Stufen hinab in die Tiefe. Und doch ist der Turm der Lunette 41 in Landau ein echtes Kleinod: Nach Angaben von Archäologen existieren weltweit nur zwei solcher Türme. Der eine gehört als Teil der französischen Festungsstadt Mont Dauphin zum Weltkulturerbe, der andere im pfälzischen Landau war lange Zeit verschüttet und wird derzeit in Handarbeit freigelegt.

In Zukunft soll die Lunette 41 als Eingangstor zur gewaltigen Landauer Unterwelt fungieren. Unter der Festung, die der bedeutendste Militärarchitekt des Barock, Sébastien Le Prestre de Vauban, in der Stadt errichten ließ, wurden einst fast 30 Kilometer Tunnel gegraben. Große Teile davon seien noch heute begehbar, sagt die Speyerer Archäologin Andrea Zeeb- Lanz von der Generaldirektion Kulturelles Erbe. Die Gänge seien hervorragend gearbeitet und überdauerten noch Jahrhunderte. „Da passt jede Fuge“, betont Zeeb-Lanz.

Bislang müssen Neugierige einiges auf sich nehmen, um in die Gänge unter der Erde zu gelangen: Der Abstieg über Leitern und durch enge Schächte ist nichts für Menschen mit Platzangst. Unten erwartet die Besucher völlige Finsternis. Die schmalen, mannshohen Tunnel zweigen immer wieder in verschiedene Richtungen ab oder enden in einer Sackgasse – von der unterirdischen Anlage sind heute nur Teilstücke begehbar. An einigen Stellen sind kleine Räume erhalten geblieben. Einst wurden sie als Munitionslager und Waffenmagazine genutzt. Hunderte Soldaten liefen damals täglich unter der Erde Patrouille.

Den Auftrag zum Bau der angeblich größten Festung der Christenheit hatte der Sonnenkönig Louis XIV. erteilt. „Das mit der größten Festung war natürlich Propaganda“, sagt der Vorsitzende des Festungsbauvereins Landau, Thomas Schleuning. Dennoch habe die Stadt zu den ganz großen Militärstandorten von Louis XIV. gehört.

Oberirdisch ist von der barocken Festung heute nichts mehr zu sehen. Vor rund 140 Jahren wurde die Anlage geschleift. Die Landauer wollten sie loswerden, sie war ein zu enges Korsett für die wachsende Garnisonsstadt. Über den Festungsmauern wurde ein Gründerzeitviertel errichtet. Doch die unterirdischen Anlagen wurden nur zugeschüttet und existieren daher noch heute. In ihrem Erhaltungszustand sei die barocke Landauer Festung einzigartig in Deutschland, sagt Zeeb-Lanz.

Den Schatz in der Erde will Landau nun heben, und die Lunette 41 soll helfen. Der unterirdische Teil des Turms ist noch sehr gut erhalten. Die Wendeltreppe wirkt wie aus einem Guss – perfekte Steinmetzarbeit, lobt Schleuning. Künftig sollen Touristen über die Stufen des Turms in die Unterwelt gelangen. Von der Lunette aus ist derzeit ein rund ein Kilometer langer Abschnitt begehbar, es sollen aber noch mehr werden, wie Ausgrabungsleiter Frank Krämer sagt.

Der Weg in die Tunnel ist bereits frei, doch bis zur touristischen Nutzung wird noch einige Zeit vergehen. Der Schutz des Turms vor Regen und Kälte hat erstmal Vorrang. Außerdem dauern die Ausgrabungsarbeiten noch an. Nach Angaben von Stadtdenkmalpfleger Jörg Seitz ist unter anderem geplant, die große Außenmauer um den Turm herum freizulegen. Bei den Ausgrabungen wurden bisher jede Menge Alltagsgegenstände vom Mittelalter über die frühe Neuzeit bis zum 19. Jahrhundert entdeckt. Gefunden wurden unter anderem zerbrochene Tonflaschen, aus denen Arbeiter einst Wasser tranken, sowie zahllose Keramikpfeifen.

Die Soldaten hätten damals offenbar viel geraucht, sagt Krämer. „Der Hauptteil des Jobs ist eben Langeweile.“ Mit einem Schatz rechnen die Archäologen in der Landauer Unterwelt ohnehin nicht, dazu war und ist sie zu offen zugänglich. Aber: „Wenn wir die Kiste Gold finden, machen wir als erstes eine Baustellenparty“, verspricht Schleuning.

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