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Auf Wanderschaft zu einem Job: „Arbeitsnomaden“ auf dem Arbeitsmarkt der Zukunft

Alejandro Sanchez (l.) und Raul Campuzano-Jost arbeiten in der Bruch-Brauerei. Foto: Becker&Bredel</p>

Alejandro Sanchez (l.) und Raul Campuzano-Jost arbeiten in der Bruch-Brauerei. Foto: Becker&Bredel

Zwei jüngere Spanier brauen bei der traditionsreichen Saarbrücker Bruch-Brauerei süffigen Gerstensaft nach deutschem Reinheitsgebot. Ein anderer Südeuropäer mit Qualifizierung und Anerkennung als Elektriker ist von seinem Job aus dem Saarland schon wieder weiter auf Wanderschaft in Europa. Neben Flüchtlingen und Zuwanderern sehen sich auch immer mehr Menschen aus den Euro-Krisen- und Kapitalismus-Verliererländern Spanien, Griechenland oder Portugal, wo die Arbeitslosigkeit unter jungen Menschen teils bis zu 50 Prozent beträgt, als Arbeitsnomaden im Saarland nach Jobs um.

Bei der ältesten saarländischen Brauerei Bruch kamen die Spanier, der Azubi Alejandro Sanchez (23) und sein Kollege Raul Campuzano-Jost (36), laut Bruch-Braumeister Sebastian Kleint über Kontakte von Zulieferern an die Saar.

Allen, die sonst aus dem Ausland hierher kommen wollen oder schon zugewandert sind, hilft zudem das „Welcome Center Saarland“, etwa bei Fragen zur Einreise, zum Aufenthalt, zur Berufsprofilierung oder zu Fragen der Integration. „Seit Jahresbeginn haben wir schon 1200 Personen beraten, wobei es bei einem großen Teil von ihnen um die Anerkennung ausländischer Abschlüsse ging“, sagt Christoph Klos vom „Welcome Center Saarland“, das als Einrichtung des Vereins „Saarland-Innovation und Standort (Saaris)“ im Haus der Industrie- und Handelskammer in Saarbrücken untergebracht ist. Das Willkommens-Büro wirbt auf seinem von der Landesregierung unterstützten Internet-Portal mit einem Foto vier junger Leute verschiedener Hautfarben und mehrsprachiger Aufmachung um Nachwuchs für die Wirtschaft. „Your career starts here!“ (Ihre Berufsweg beginnt hier) , heißt es da. Das Saarland selbst wird als „offen für Neues“, „Ein guter Platz zum Arbeiten“, „In der Mitte von Europa“, mit „viel Natur“ und „viel Genuss“ sowie kontaktfreudigen Menschen in mehr als 10 000 Vereinen offeriert. Viele junge Ausländer müssten aber erst einmal Deutsch lernen, um eine Arbeit aufnehmen zu können, betont Klos: „Für Akademiker und besonders Qualifizierte gibt es die Möglichkeit, über eine Blue Card in Deutschland Arbeit zu finden.“ Auch das „Welcome Center“ der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung der Bundesagentur für Arbeit (ZAV) hält einen Internationalen Personalservice bereit. Das Saarland wird dabei vom gemeinsamen Service mit Rheinland-Pfalz von Trier aus betreut. Dieser ZAV-Service berät zu Lebens- und Arbeitsbedingungen in Deutschland und vermittelt Arbeits- und Ausbildungplatzsuchende aus dem Ausland an hiesige Arbeitgeber, vor allem in Mangelberufen wie Technische Ingenieure, IT-Fachkräfte, Ärzte und Pflegepersonal, Hotel- und Gastronomiefachkräfte. Ferner unterstützt es die ausländischen Jobsuchenden beim Bewerbungsprozedere und bei Fragen der Arbeitsmarktzulassung. „Derzeit zeigt sich der Arbeitsmarkt im Saarland in einer stabilen Verfassung. Seit Jahresbeginn verzeichnen wir bei den gemeldeten Arbeitsstellen ein Plus, das stetig steigt. Um diese Stellen jetzt und in Zukunft besetzen zu können, sind wir wegen des demografischen Wandels unter anderem auf Zuwanderung von Fachkräften angewiesen“, sagt Heidrun Schulz von der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit in Saarbrücken . Damit nimmt sie zugleich Kritikern den Wind aus den Segeln, Saarländern würden Arbeitsplätze weggenommen. Laut Arbeitsagentur sind derzeit (Stand Ende März) 378 100 Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt, darunter 40 500 Männer und Frauen mit ausländischer Nationalität. Gegenüber dem Vorjahr ist ihr Anteil um 7,1 Prozent angestiegen. „Ich gehe davon aus, dass in den nächsten Jahren immer mehr ausländische Beschäftigte an der Saar arbeiten werden“, sagt Schulz.

Auch nach Meinung der Arbeitskammer des Saarlandes profitiert der hiesige Arbeitsmarkt von der Zuwanderung aus Ländern der Europäischen Union (EU), und zwar nicht nur nach der EU-Osterweiterung. Nach Zahlen der Arbeitsagenturen arbeiteten schon Ende März 405 Griechen, 336 Spanier und 246 Portugiesen als sozialversicherungspflichtig Beschäftigte im Saarland. „Menschen mit ausländischem Pass stellen schon die Hälfte des gesamten Beschäftigungszuwachses im Saarland“, heißt es im Jahresbericht der Arbeitskammer. „Gleichzeitig hat sich allerdings auch die Zahl der ausländischen Arbeitslosen um fast die Hälfte erhöht.“

Die Arbeitskammer merkt zudem kritisch an, „dass die Beschäftigung Nichtdeutscher weniger im Fachkräftebereich wächst, sondern überproportional auf dem Niveau der Helfertätigkeiten“. So werde die höhere Ausländerbeschäftigung noch viel zu oft mit atypischen Beschäftigungsverhältnissen, skandalösen Arbeitsbedingungen und Niedriglöhnen erkauft, etwa in der fleischverarbeitenden Industrie, am Bau oder in der häuslichen Pflege. Die Arbeitskammer plädiert daher für eine Beratungsstelle für Wanderarbeiter und mobile Beschäftigte.

sr.de/themenwoche

 
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