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Auf Weltreise nach dem Tod: 106 Saarländer möchten ihre Körper für Ausstellungen plastinieren lassen

Rosy Münchhofen ist eine von 106 Körperspendern aus dem Saarland.

Rosy Münchhofen ist eine von 106 Körperspendern aus dem Saarland.

Eine ältere Dame betrachtet ein Ganzkörper-Plastinat der Ausstellung „Körperwelten & der Zyklus des Lebens“, die noch bis 13. September in der Saarbrücker Congresshalle zu sehen ist. „Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an“, stimmt sie, nach ihrem Alter gefragt, lächelnd den Udo-Jürgens-Hit an und ergänzt: „Ich habe vorerst nicht vor, zu sterben.“ Doch anders als viele der 41 Millionen Besucher, die die Gunther-von-Hagens-Ausstellungen bereits gesehen haben, will Rosy Münchhofen aus Schmelz nach ihrem Tod selbst zu einem Teil der „Körperwelten“ werden. Sie gehört zu den zur Zeit 106 Spendern aus dem Saarland, die ihre sterblichen Überreste gerne plastinieren lassen möchten.

Sie habe sich schon immer sehr für die ägyptische Geschichte und das bei der ägyptischen Oberschicht übliche Einbalsamieren der Verstorbenen interessiert, erklärt die Rentnerin, die im Baugewerbe tätig war. Noch gut erinnert sie sich an ihren ersten Besuch in der „Körperwelten“-Ausstellung 2009 in Mannheim, der sie sehr fasziniert habe. „Als Nicht-Mediziner erhält man ja normalerweise keine Einblicke in seinen Körper“, sagt sie. Als Münchhofen von der Möglichkeit der Spende erfahren hat, füllte sie die erforderlichen Unterlagen aus: „So kann man wenigstens noch etwas mit meinem Körper anfangen und bleibt der Welt erhalten“, überlegt sie. Ihr Plastinat würde dann mit der Wanderschau auf Weltreise gehen. Ihre Angehörigen hätten zunächst gar nicht gewusst, dass das überhaupt möglich sei, und seien anfangs skeptisch gewesen. Doch inzwischen hätten es alle akzeptiert. „Man wird abgeholt und tiefgefroren“, hat sie erfahren, was nach dem Tod mit ihrem Körper passiert. In der Saarbrücker Schau werden unter anderem Fußballer und Schachspieler gezeigt. Die Saarländerin würde dagegen eine andere Lieblingspose bevorzugen: „Mit einem Pferd oder Hund, denn ich mag Tiere“, sagt sie.

Die Spender könnten diesbezüglich Wünsche äußern, denen man sich bemühe, nachzukommen, sagt die Kuratorin Angelina Whalley. Zur Zeit gebe es etwa 15 000 lebende sowie 1600 verstorbene Körperspender, die allermeisten von ihnen kommen aus Deutschland. Mit 54 Jahren sei das Durchschnittsalter der lebenden Spender relativ jung. In dieser Gruppe gebe es im Gegensatz zu den Verstorbenen auch mehr Frauen als Männer, ergänzt die Ehefrau von Gunther von Hagens . Das ist auch im Saarland so – von den 106 Spendern sind 60 weiblich.

Zu ihnen gehört auch Saskia Graf aus Homburg. Die heute 36-Jährige hat bereits sehr früh, vor über zehn Jahren, den Entschluss gefasst, ihren Körper zur Verfügung zu stellen. Ein Teil ihrer Familie stehe hinter ihrer Entscheidung, der andere nicht: „Der Tod ist allgegenwärtig“, überlegt sie. Man könne jederzeit ums Leben kommen. „Es ist relativ sinnlos, nach dem Tod als Abfall auf dem Friedhof zu landen“, begründet sie ihren Entschluss. Ob sie dann als Ganzkörper-Modell ausgestellt oder im Scheibchen geschnitten wird, sei ihr relativ egal.

Die Betriebswirtin, die auch Medizin studiert und schon selbst Leichen seziert hat, findet es sehr interessant, sich die Körperstrukturen und Muskeln der in der Ausstellung gezeigten Plastinate anzuschauen: „Das ist viel einprägsamer, als wenn man das in einem Sachbuch nur auswendig lernt.“ Den Mitarbeitern von Von Hagens, die durchschnittlich zwei Jahre benötigen, um die Leichen in Exponate zu verwandeln, zollt sie großen Respekt. Auch in Saarbrücken beantwortet die Kuratorin die Fragen der Körperspender: „Warum sehen die ausgestellten Körper alle so athletisch und relativ jung aus?“, möchte ein Besucher wissen. Das hänge damit zusammen, dass bei den Toten die Haut, die Rückschlüsse auf das Alter gewährt, und das Fettgewebe bei der Präparation entfernt wird, erklärt Whalley. Spenderin Münchhofen interessiert, ob ihr Namen später in der Ausstellung zu lesen ist. Man habe sich entschieden, persönliche Daten der Plastinate nicht zu publizieren, sagt die Ärztin. Es gehe hier nicht um Biografie, sondern um Biologie.
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