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„Aufgeben kommt unter keinen Umständen in Frage"

Die Gewerbetreibenden von der Nauwies kämpfen darum, 
dass die Stadt das
Viertel aufwertet.

Die Gewerbetreibenden von der Nauwies kämpfen darum, dass die Stadt das Viertel aufwertet.

Saarbrücken. Sie arbeiten im Viertel. Sie lieben das Viertel. Und sie kämpfen fürs Viertel. Die Rede ist von den Besitzern der kleinen Lädchen im Nauwieser Viertel. Jeder Laden ist einzigartig, hat seinen ganz eigenen Charme. Viele gibt es seit über 20 Jahren.

Da wäre zum Beispiel der Gothic-Szeneladen Flamingo an der Ecke Cecilienstraße/ Försterstraße. Besitzerin Uschi Schäfer ist mit ihren langen roten Locken und ihrer gesprächigen Art schon eine Erscheinung für sich – ebenso wie die schwarzen Gewänder und Totenköpfe um sie herum eine Rarität sind.

Seit 25 Jahren ist die 57-Jährige im Geschäft. „Wir machen das mit Leidenschaft  und wir haben Zeit für unsere Kunden“, spricht sie nicht nur für sich, sondern auch für ihre Kollegen im Viertel. Aber gleichzeitig sei es auch ein Kampf. „Es wird zunehmend schwieriger. Das größte Problem sind die Online- Shops“, erzählt sie. „Existenzangst gehört dazu“, sagt Uschi Schäfer. Dennoch würde sie nicht tauschen wollen. „Aufgeben kommt unter keinen Umständen in Frage. Irgendwie kommt man immer durch.“

Einige Häuser weiter, in der Cecilienstraße, steht ein Laden mit einem komplett anderen Konzept, der Holzspielzeugladen Spielbar. Vanessa Drumm- Merziger hat den Laden vor sechs Jahren gemeinsam mit Nicole Hager eröffnet. „Wir sind grundsätzlich zufrieden“, erzählt sie. Ihr Laden sei „ein Geschäft mit Leidenschaft“. Was den finanziellen Aspekt angeht, meint sie nur: „Es reicht gerade so.“

Sie würde die Entscheidung fürs Viertel heute wieder genauso treffen. „Wir haben das Nauwieser Viertel bewusst als Standort gewählt“, erzählt Drumm-Merziger. Das Viertel passe einfach am besten zu ihrer Klientel. „Aber es gibt natürlich auch Schwachstellen.“

Ein großes Problem sind aus ihrer Sicht die fehlenden Schilder. Das mache es potenziellen Kunden schwer, überhaupt den Weg in das Nauwieser Viertel zu finden. Aber auch die unzureichende Beleuchtung sei ein Problem, vor allem im Winter. So sieht das auch Tina Hiermerda, die mit ihrer Schwester Janette Kowalski seit fast 25 Jahren den Laden „Janny & Tina – Obst und Gemüse“ in der Nauwieser Straße führt. „Uns allen fehlt hier die Kundschaft von außerhalb“, sagt sie. Genau wie Uschi Schäfer und die Frauen der Spielbar setzt sie sich in der Initiative Nauwieser Viertel, die sich im Sommer gegründet hat, für solche Belange ein. Wie die anderen Gewerbetreibenden möchte sie nicht über die Geschäfte jammern.

„Man lebt. Man wird genügsamer“, sagt die 52-Jährige. In ihrem Laden bieten die Schwestern vor allem regionales Obst und Gemüse an. Daneben gibt es selbst gemachte Salate und griechische Spezialitäten. Und seit einigen Jahren auch Mittagessen. Man müsse eben bereit sein, sich zu verändern. Wenn es mal nicht gut laufe, sei der Wille, weiterzumachen, immer größer. „Wir sind Kämpferinnen“, sagt Tina Hiermerda: „Und wir haben nur liebe Kunden. Das gibt einem Kraft.“ Auch heute noch macht ihre Schwester um 7 Uhr den Laden auf, wenn sie vom Großmarkt kommt. Aber die ersten drei Stunden sei meist nichts los.

Schon fast 30 Jahre ist Ruth Schreiner hier im Geschäft. Die 53-Jährige ist eine der vier Eigentümerinnen des Ladens „Unikat“ in der Cecilienstraße, in dem es allerlei Kunsthandwerk- Stücke zu kaufen gibt – von bunten Filzkleidern über funkelnde Schmuckstücke bis hin zu liebevoll gestalteten Keramik- Tassen. „Wir sind zufrieden“, erzählt Schreiner. „Wir haben eine treue Stammkundschaft“, sagt die gelernte Damenschneiderin, die wie die anderen Besitzerinnen eigene Produkte für den Laden herstellt. „Allerdings muss man härter arbeiten für sein Geld als früher.“

Doch auch Ruth Schneider sieht Probleme im Nauwieser Viertel: „Die Leerstände stören schon enorm.“ Sie mache sich Sorgen, dass das Image des Viertels „kippe“ oder dass irgendwann eine große Ladenkette hier einzieht. Dafür bedeutet ihr das Nauwieser Viertel zu viel: „Hier im Viertel gibt jeder sein Bestes. Jedem liegt was am Viertel.“

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